Ziemlich rund dein Beitrag, Fragezeichen, was sollte man noch ergänzen?
Allerdings sehe ich weniger eine Erhöhung der Protest- und/oder Gewaltbereitschaft, sondern eher eine Abstumpfung gepaart mit vermeintlicher Anpassung und einer zunehmenden Unselbstständigkeit, mindestens zeichnet sich das in der BRD ab, weil hier das Familiengefüge eben auch anders, weniger gefestigt ist, als z.B. im südeuropäischen Raum.
Die sog. U25-Generation erhält kaum noch Ausbildungsplätze, wird in irgendwelchen EQJ-Maßnahmen "zwischengeparkt" oder gleich auf Ein-Euro-Ebene "vermittelt"; haben die Eltern Geld und reißt der Jugendliche nicht quasi über seinen Ausbildungsplatzmangel die ganze Familie in die Bedürftigkeit (auch so etwas gibt es), ist es noch aushaltbar - je nach Toleranz, Verständnis und monitärer Machbarkeit durch die Eltern.
Der Rest dieser jungen Menschen allerdings darf bis zum 25 Lebensjahr nicht ausziehen; bringt über seine Bedürftigkeit, Eltern und Geschwister in Zwänge - vor allem dann, wenn nach der Ablehnung einer "Maßnahme" oder eines Ein-Euro-Job´s sofort eine 100 % Sanktion des Regelsatzes erfolgt (für 3 Monate) und im Wiederholungsfall innerhalb eines Jahres neben der 100 % Kürzung auch der Mietanteil wegfällt, den die Eltern und Geschwister - in Sippenhaft quasi - schultern müssen. Auch die Weigerung, eine völlig unzureichende und nicht angemessene Eingliederunsvereinbahrung zu unterschreiben, führt zu einer Sanktion.
Sollten die Eltern ihrerseits ohnehin im Hartz IV-Bezug stehen z.B. als arbeitende, aber nicht ausreichend verdienende Aufstocker, gehört der Jugendliche mit Abschluss der 10 Klasse (kommt auf das Bundesland an) zu den Mitgliedern einer Bedarfsgemeinschaft mit der vollumfänglichen Verpflichtung zur Minimierung der sog. "Hilfebedürftigkeit"; da kommt es zu einigen Merkwürdigkeiten... der Jugendliche fällt z.B. mit dem Beginn der Ausbildung aus der Bedarfsgemeinschaft heraus, dennoch wird sein Einkommen zum Unterhalt der Eltern rechnerisch herangezogen - ausziehen darf der Jugendliche freilich nicht, wenn er sich nicht selbst unterhalten kann... oder aber... die Jugendlichen werden aufgrund des ALG II-Bezuges der Eltern von vornherein nicht von der BA, sondern von der ArGe oder zuständigen optierenden Kommune betreut - es besteht überdies kein Anspruch eine Ausbildung etwa der Arbeit (als Ungelernter) vorzuziehen; die Jugendlichen werden also schnell "fallengelassen". Oft genug zu schnell...
Bereits im frühen Jugendalter, also vor dem 15.ten Lebensjahr werden die jungen Menschen über Anrechnungsmodalitäte z.B. aus einem Ferienjob konditioniert dahingehend, dass sich Arbeit nicht lohnt; der Freibetrag für U15 liegt derzeit bei 100 Euro monatlich - mit dem Überschuss aus eigener Arbeit muss der Jugendliche seine Bedarfsgemeinschaft "unterstützen".
Im höher qualifizierten Segment sieht es auch nicht besser aus - Generation Praktikum ist in aller Munde und auch Fakt - bis da jemand nach dem Studium oder zwischendurch in´s "Verdienen" kommt, ist schnell das 30.ste Lebensjahr erreicht - dadurch verschiebt sich natürlich auch die ganze weitere Lebensplanung nach hinten.
Viele junge Frauen flüchten sich angesichts der Aussichtslosigkeit auf eine Lehrstelle in die Aufgabe als Mutter - quasi die einzige Chance überhaupt ein selbstständiges Leben führen zu dürfen, weil dann vor dem 25. Lebensjahr das Elternhaus verlassen werden kann... die Aussicht etwa gut verheiratet, geborgen eine eigene Familie gründen zu können, schrumpft gen Null - weil durch den ohnehin brüchigen Freundes- und Bekanntenkreis eher Ehen und Verbindungen im eigenen Betroffenheitsrahmen geschlossen werden; diese sind wiederum wenig haltbar, weil junge Männer eigentlich nur allein überhaupt den Hauch einer Chance hätten, der Bedürftigkeitsspirale zu entrinnen - alleinstehend reichen ca. 800 Euro netto um von Hartz IV "wegzukommen" - mit Freundin/Frau und Kind müssen es schon um die 1.500 Euro netto sein - solche Löhne werden in vielen Städten auch in qualifizierten Handwerksberufen kaum noch gezahlt - mindestens nicht in den ersten Berufsjahren bzw. wenn das Unternehmen nicht im Arbeitgeberverband ist.
Insgesamt zeichnet sich für mich eine Resignation der jungen Leute ab... sie tun gerade noch so viel, dass sie irgendwie durchs Leben kommen, wirken in vielen praktischen Belangen geradezu lebensuntüchtig und perfiderweise ist das auch keine Frage der Schichtzugehörigkeit oder des Bildungsgrades - selbst die Bafög-Foren- und Hilfeportale zeichnen da ein klares Bild - Abitur bestanden - Note gut... aber in Trotzhaltung alles klein schreibend... kaum fehlerfreie Rechtschreibung, nicht in der Lage einfachste Anträge auszufüllen, sich überhaupt für sich selbst stark zu machen... entsozialisierte "Spezialisten", kaum gewillt haltbare Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen - die Abhängigkeit zum Elternhaus für eine Art ewige Bequemlichkeit nutzend... und mit dem Mitleidbonus der "verlorenen Generation" ausgestattet... nur darauf programmiert entweder um jeden Preis Erfolg zu haben, beruflich weiterzukommen - oder aber irgendwie zu überleben. Beide Extreme sind gleichermaßen folgenreich.
Die Gesellschaft steht quasi daneben und staunt über die Computerspezialisten, kalten Verkaufsprofis oder "Lebenskünstler" - sieht aber das Gefahrenpotential dahinter nicht - oder will es nicht sehen. Das Konfliktpotential spielt sich überwiegend hinter geschlossenen Türen ab, wenn die Eltern-Generation der 80-er Jahre, selbst auch schon "degeneriert" aber noch nicht ganz so unten, gleichsam hilflos nicht weiß, wie sie Fleiß in der Schule - um der Erfolgsaussichten willen überhaupt vermitteln kann, wenn doch die Realität so ganz anders aussieht, fühlen sich in der Elternrolle als Versager, sind aber gleichzeitig dazu verdammt, für das Unvermögen von etwa 30 Jahren Politik monitär aufzukommen, so sie denn können. Die Kraft und Zeit die Jugendlichen auch noch mental zu stärken fehlt angesichts eigener Zwänge, Jobbrüche und Existenzangst.
Wenn sie nicht oder nicht mehr können, weil sie selbst am Arbeitsmarkt nicht mehr gefragt sind, leben sie mit einem U25 auf Gedeih und Verderb in viel zu kleinen Wohnungen, haben keine Privatsphäre - ebenso wenig, wie die betroffenen Jugendlichen selbst - es setzt eine nachhaltige, weitere Versingelung ein, weil das Leben an einer ganzen Generation mehr oder weniger vorbeiläuft. Alles Weitere ist dann die Folge unserer allgemeinen Unstetigkeit - uns als sogenannte Flexibilität "verkauft" - wir arbeiten und wir konsumieren, damit wir nicht merken, wie armseelig unsere Lebensmaxime geworden ist - und die Generationen nach uns schauen es sich von uns ab und perfektionieren es...