Zeitung: Bundesbankvorstand lehnt Gold-Verkäufe dieses Jahr abSamstag 18 Dezember, 2004 12:18 CET
Berlin (Reuters) - Bundesbank-Präsident Axel Weber ist nach einem Bericht der Zeitung "Welt am Sonntag" mit Plänen gescheitert, noch in diesem Jahr Goldbestände der Bundesbank zu verkaufen.
Im Vorstand der Zentralbank hätten sechs der acht Mitglieder das Vorhaben abgelehnt, berichtet die Zeitung ohne Angaben von Quellen weiter. Auch habe diese Mehrheit grundsätzliche Bedenken, Goldreserven zu verkaufen, was eine Verringerung der Bestände auch für die Zukunft fraglich mache. Ein Sprecher der Bundesbank lehnte eine Stellungnahme zu dem Zeitungsbericht ab.
Weber hatte angekündigt, dass der Vorstand der Bundesbank noch in diesem Jahr entscheiden werde, inwiefern die bereits gesicherte Option auf Goldverkäufe von bis zu 600 Tonnen über die nächsten fünf Jahre genutzt werden soll. Diese Möglichkeit hatte sich die Bundesbank unter dem Goldabkommen der 15 europäischen Zentralbanken gesichert, die ihre zum Teil hohen Goldreserven nach und nach marktschonend abbauen wollen. Die Bundesbank verfügt über insgesamt 3440 Tonnen Gold, nur die US-Notenbank besitzt noch mehr.
Gold gab am Freitag in einem dünnen aber recht volatilen Handel nach. Mit Spannung sehe der Markt den für die nächsten Tage erwarteten Details zum geplanten Goldverkauf der Deutschen Bundesbank entgegen, sagten Händler. Erwartet wird, dass sie über fünf Jahre hinweg jeweils 120 Tonnen veräußert werden.
EICHEL REGT VERKAUF VON GOLDRESERVEN AN
Unterdessen regte Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) den Verkauf von Bundesbank-Goldreserven an. Die Bundesbank dürfe 120 Tonnen Gold pro Jahr verkaufen, das bringe ungefähr eine Milliarde Euro, sagte der Minister der Zeitung "Bild am Sonntag" laut Vorabbericht. Allerdings wolle er die Bundesbank nicht zum Verkauf drängen. "Das ist die alleinige Entscheidung der Bundesbank." Gold bringe keine Zinsen, das Geld aus dem verkauften Gold sehr wohl. "Ich bin gespannt, wie die Bundesbank sich verhält", sagte der Minister.
Der Gewinn der Bundesbank fließt in den Bundeshaushalt. Für den Haushalt 2005, der mit dazu beitragen soll, dass Deutschland nach drei Jahren erstmals die EU-Defizitobergrenze von drei Prozent BIP wieder einhalten kann, hat Eichel zwei Milliarden Euro Bundesbankgewinn eingeplant. Risiken für den Bundesbankgewinn birgt der hohe Euro-Kurs zum Dollar.