Geständnisse eines Noch-Immer-Nicht-Experten 
Tach zusammen,
ich habe hier lange nichts mehr geschrieben, nach einer sehr intensiven Phase so Dezember 2017 bis Anfang Februar 2018. Das wurde mir zu viel für mich selber, und ich will es weiterhin meistens beim Lesen halten.
Dennoch will ich heute mal meine Erfahrungen und Schlussfolgerungen teilen. Es geht weniger um "hätte, hätte, Fahrradkette...", als darum, aus den Erfahrungen etwas sinnvolles abzuleiten. Und selber nach fast einem Jahr erneuter Aktivität Bilanz zu ziehen.
Ziel ist Aufbau eines Depots mit gelegentlichem Trading, aber kein kurzfristiges Trading. Also zeitlicher Horizont auf den erwarteten nächsten großen Aufschwungzyklus des Sektors.
Für den zeitlichen Überblick hier mal $Gold und der HUI, ich werde mich darauf beziehen:

Angefangen hab ich 2001 mit Minenfonds. Das hat mir dann nicht mehr gereicht, bzw. irgendwann hat es mir komplett gereicht. U.a. die Umstellung beim PEH-Fonds auf Large Caps (just zum falschen Zeitpunkt, nachdem sie dem Herrn Siegel das Management weggenommen haben) und das Versagen des anderen deutschen Minenfondsgurus (der jeden Abschwung voll mitgenommen hat, wider seiner Versprechungen) haben mir den Rest gegeben.
Dazu kam ein mehr oder weniger bis heute durchgezogenes "Buy-and-hold"-Depot, das ich mir hauptsächlich ca. 2002 bis 2006 zusammengekauft hatte. Und dann zusätzlich ab November/Dezember 2017 mein Neues Minendepot 2017/2018.
Das erste Depot von vor 2009
Der frühe Einstieg in den Bullenmarkt, ein guter Schwung (früh gekaufte) Royal Gold und First Majestic, daneben einige glückliche Griffe sowie wenige glückliche Trades (die in geringem Umfang bis ca. 2011 erfolgten) haben dem Depot insofern den Arsch gerettet, als dass es nur relativ kurzzeitig ab Ende 2014 in den Miesen war. Da hab ich längst nicht mehr hingeguckt, auch wegen privater Ereignisse, und leider die 2015er Einstiegschance nicht mitbekommen.
Alles sind Altbestände von vor 2009. RGLD macht heute 43% des Depots aus; PAAS und FR je um 8%, OR (kam durch irgendeine Übernahme gegen Aktien herein) und SSRM sind weitere volumenmäßig bedeutenderen Positionen; dann kommen noch SA, TRX und CAL.TO, es folgen NG und BGM.TO. Bei letzterer sind wir dann bei 2,5% des Depots angelangt. Nach MUX und RSG.AX, die heute noch etwas kleiner sind, wird es dann dünn: dann folgt eine lange Liste, die heute noch Verlust ggü. Einstand zwischen 80 und 90% anzeigt.
Welche Fehler hab ich dabei gemacht? Und Erkenntnisgewinn?
1) 2008, vor dem ersten signifikanten Einbruch nach dem ersten Top des HUI, hatte ich die präzise und zutreffende Ansage von JS ignoriert, dass 1030 USD der erste Gipfel wäre. Obwohl ich das fest vorhatte und die Minen das auch anzeigten. Bin also voll investiert geblieben.
Dabei spielte auch die "Angst" vor der ab 2009 geltenden Abgeltungssteuer (unabhängig von der Haltefrist) eine Rolle. Rückblickend wäre ein Wiedereinstieg Ende 2008 bei der ersten grünen Vertikalen zeitgerecht möglich gewesen. Das hätte viel geändert, selbst wenn ich nur 25% bis 33% des damaligen Depotwertes rausgenommen hätte. Allein das wäre weit mehr als der ursprüngliche Einstand gewesen.
2) Die Weisheiten von @PatronaLupa "in einen steigenden Markt wird gegeben" und "nach Vervierfachung mach einen Freiläufer draus" kann ich bestätigen. Auch wenn es etwa bei Seabridge erstmal wie ein Fehler aussieht, auf dem Weg von 1,50 € nach 27 € Teilverkäufe bei 7,80 € und 10 € zu machen...
Der Fehler lag darin, mitgenommene Gewinne bald wieder in riskanteren Kram oder spätere Verlierer zu stecken, anstatt das Geld erstmal glücklich aus den Minen rauszunehmen... und sei es, um es physisch anzulegen.
3) Fürs "Gewinne laufen lassen" ist eine dynamische SL-Strategie gut. Kein Baum wächst in den Himmel, aber manche wachsen schneller und höher als Du glaubst.
Nur mentale Stops; tatsächliche Verkaufsaufträge mit SL (erst recht an deutschen Handelsplätzen) können Dir eher das Genick brechen.
Aber ob man den Verkaufsauftrag nach einem Top in der eigenen lemminghaften Begeisterung wirklich erteilt, wage ich zu bezweifeln. Große Aufgabe. Wegen der Gefahren lieber "einfach so" mal was weggeben. Den Hirnschmalz nicht dazu verwenden, den perfekt richtigen Zeitpunkt zu finden. Sondern um die schwächsten bzw. die zukünftig am wenigsten aussichtsreichen Depotwerte zu identifizieren.
4) Spätestens als das Gold 2011 bei 1900 USD ankam, waren die Minen lange nicht richtig mitgezogen. Mal nur als Beispiel Nova Gold: das Top von 2008 wurde im Jahr 2011 nicht wieder erreicht, trotz fast verdoppeltem POG. Bei vielen Explorern war das noch viel deutlicher. Mir war das klar, aber ich habe es auch hier nur minimal geschafft etwas abzugeben...
Besonders das Durchziehen von kleineren Werten durch den ganzen Zyklus ist Müll: was ich da jetzt an Depotleichen habe... Spin-Offs und Pleitekram usw.
Fehler en Masse... zum Lernen. Zum Glück ist das Physische im Vergleich viel besser gelaufen. So bin ich zwar nicht reich geworden, aber auch nicht ärmer.
Das neue Minendepot 2017/2018
Immerhin nicht der schlechteste Einstiegszeitpunkt, hauptsächlich ab Mitte Dezember 2017 ums damalige Tief herum gekauft.
Die entscheidenden langfristigen Einstiegssignale sind weiter gültig: Minen-zu-Gold-Verhältnis, Gold-zu-Silber-Verhältnis, Charts der Minenindizes. Die Minen lt. Indizes sind im Schnitt heute noch billiger zu haben als Ende 2017, wenn auch potentiell noch ein fallendes Messer. Dazu kommt positiv heute noch: die Möglichkeit signifikanter Euroschwäche.
Die Ursprüngliche Depot-Idee war:
1. Royalty-Gesellschaften als Schwergewicht, das in Abschwungphasen relative Stabilität gibt.
2. Dazu als performance-Booster Projektgeneratoren mit mehreren Projekten sowie wenige Einzelexplorer, die ich für gut halte - mit der Klarheit, dass das für meinereiner Lotterietickets sind und sonst gar nichts.
(Aufgrund von Unternehmenspräsentationen KANNST Du nicht zum Experten für die Beurteilung werden!!! Glücklich, wenn Du eine Vollverarsche erkennst. Um bei Explorern mehr zu sehen, brauchst Du anderes Wissen.)
3. Einen guten Anteil Silberminen dazu aufbauen, wg. Gold-Silber-Ratio.
Fehler:
1) wieder zu viele verschiedene Werte gekauft. Macht Überblick und Pflege schwierig.
2) das auch deshalb, weil ich auf Hypes aufgesprungen bin, und damit etwas von meiner ursprünglichen Idee abgewichen bin. Bzw. eben "mehr" gemacht habe.
3) Selber denken war eine gute Idee, der ich nicht ganz treu geblieben bin. Damals-noch-Forumslieblinge waren - bei Kauf im Jahresverlauf 2018 nach einer deutlichen Korrektur - Krepierer, und sind überwiegend wieder raus: Novo, Falco, Leagold zum Beispiel. Dritt-bezahl-promotete Aktien sind das sowieso häufig.
Das Problem ist nicht ein vermeintlich "falscher Rat", denn es gibt ja auch "guten Rat". Sondern, dass ich nur beim selber Denken eine geklärte und begründete Erwartung habe. Und deshalb auch handeln kann, wenn es gegen die Erwartung läuft!
Wenn Du hingegen kaufst weil die Anderen in "find-ich-gut"-Stimmung sind, muss der Markt das noch lange nicht so sehen. Du wirst feststellen, dass eine Herde ihre gegenseitig stabilisierte Überzeugung erst dann ändert, wenn es unter der Faktenlage gar nicht mehr anders geht... und Du hast Dich zu einem Teil der Herde gemacht... Deine Kapitulation könnte dann das Tief markieren.
Ist kein Angriff, schon gar nicht gegen Forumsteilnehmer_innen! - will ich klar feststellen. IST einfach so. Als bloßer unbedarfter Follower bist Du der Depp.
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