Noch ein Nachtrag zur Funktion des Hebels beim Royalty-Unternehmen, wie ich das sehe.
Wir müssen uns klarmachen: es handelt sich im Kern um Finanzierungsdienstleister. Mit dem Unterschied zur normalen Bank, dass die Rückzahlung des Kredits in irgend einer Weise verbunden mit EM erfolgt. Entweder als Royalty (Förderzins, d.h. meist ein prozentualer, fester oder variabler Anteil am Produkterlös) oder als Stream (Abnahme des Produkts zum festgelegten Preis).
a) Wenn es um Royalties geht, z.B. 1% vom Verkaufserlös der Produktion abzubekommen: dann ist das 1:1 mit dem EM-Preis verbunden, gleichbleibende Förderung vorausgesetzt. Ein kleiner Vorteil mag ggü. den Minen an sich schon darin liegen, dass diese bei steigenden EM-Preisen i.d.R. auch steigende Förderkosten haben (z.B. Energiekosten sind da sensitiv und positiv korreliert).
Ergänzung: Es gibt m.W. auch ansteigende ("escalating") Royalties. Der prozentuale Anteil am Produkterlös, der abzuliefern ist, steigt mit steigendem Marktpreis fürs Produkt. In Baisse-Zeiten zieht es dem Produzenden damit nicht das letzte Hemd aus (und ist damit für ihn vorteilhaft), in der EM-Hausse ist es für die Royalty-Gesellschaft ein zusätzlicher Hebel.
b) Insbesondere wenn das Royalty-Unternehmen sich für die Vorfinanzierung eines Projekts selber eines Kredits bedient hat, haben wir hier einen echten Hebel.
Das was bei der Mine die Förderkosten sind, wären bei der Royalty-Gesellschaft ihre eigenen Geschäfts- und Refinanzierungskosten. Letztere können erheblich sein. Wenn die Erlöse so gerade reichen, diese Kosten zu decken, bleibt als Ertrag NULL übrig. Entsprechend haben wir einen Hebel, wenn die Erlöse steigen. Dies um so mehr, je höher der Grad der Fremdfinanzierung ist, richtig? Welche umgekehrt in der Baisse auch ein Risiko darstellt, da ja die Kredite weiter bedient werden müssen.
c) wenn es sich um Streams handelt, liegt der Hebel auf der Hand. Das Produkt wird für einen vereinbarten Preis erworben und zum Marktpreis weiterveräußert. Der Preis kann fix sein, variabel, oder sowas wie "22% vom aktuellen Marktpreis", siehe hier und hier. Silver Wheaton ging deswegen so ab, weil sie da (aus der Erinnerung) Vereinbarungen hatten, die niedrige einstellige Dollarpreise je Unze Silber vorsahen.
Also hängen auch diese Unternehmen gehebelt am EM-Preis. Was empirisch oben gezeigt wurde. Und wenn sie gut sind und die Marktphasen richtig einschätzen, ist die Baisse kein Tal der Tränen, sondern ein Eldorado, um mit der angesammelten Knete für die nächste Hausse einkaufen zu gehen. Das hat @vatapitta hier: Royalty Companies untersucht. OR hat zuletzt für rd. eine Milliarde (Cash+Aktien) derartige Rechte auf einen Schlag gekauft!
Gruß, GL
PS das Prinzip der Offtakes als dritte Form - neben Förderzinsen und Streams - hat sich mir noch nicht recht erschlossen. Ist lt. Investopedia eine Abnahmevereinbarung - wo ist der Unterschied zum Stream? Lieferverpflichtung des Produzenten eingeschlossen? Kann wer Nachhilfe geben?
PS2: @Edel Man, vielleicht magst Du die OT-Diskussion in den Royalty-Faden schieben?