Neo hat mich gefragt, was ich von Platin und insbesondere Lonmin halte. Aufgrund der jüngsten Gerüchte, Sibanye würde die Amplats Rustenburg Minen übernehmen, habe ich mich etwas mit Platin beschäftigt. Da es für alle Sibanye Aktionäre interessant ist, mache ich die Antwort hier öffentlich.
Platin sehe ich eher als Industriemetall, 2008 zeigt ja ganz gut, daß der Platinpreis eingebrochen ist, Gold aber aber nach dem Einbruch nochmal richtig durchzünden konnte was bei Platin ausblieb. Kommt es zu einem deutlichen Anstieg beim Goldpreis, dann wird auch der Platinpreis nachziehen. Man kann ja auch auf Halde produzieren. Wirklich abschätzen kann man die Preisentwicklung wohl nicht.
Ich möchte beim Platin viel mehr auf die Geologie verweisen, vor allem verglichen mit dem Far West Rand.
http://mmma.org.za/Seminars/Ma…The%20Ugly%20Duckling.pdf
http://upetd.up.ac.za/thesis/s…stricted/dissertation.pdf
Falls Sibanye sich da einkauft, wird der UG2 reef die Reserven bilden. 7.3 g/t Erzgrad, davon ca. 45% Platin, 45% Palladium und der Rest vor allem Rhodium. 66 cm reef. Recovery rates nur 80% vs. 97% beim Gold. Tiefe 1000m - 1500/2000m.
Im Far West Rand wird derzeit bis 3500/3800m abgebaut. Gold mit Nebenprodukt Uran (sehr wenig, im Freestate deutlich mehr). Die reefs dort haben so 80cm - 100cm, 15-30 g/t. Driefontein hat z.B. 1850 cm.g/t abgebaut. Das ganze per longwall mining (http://www.ct.ufrgs.br/laprom/…nd%20Mining%20Methods.pdf).
Der Erzgrad selbst spielt keine Rolle. Wichtig ist ja, daß man überhaupt dort arbeiten kann, man benötigt also 1.60m bis 2.xx m Höhe des hanging wall, da passt jeder reef rein. Erst die Kombination des Erzgrad mit der Dicke des reefs ist für die Wirtschaftlichkeit maßgeblich.
UG2 hat 7.3 g/t über 66cm Dicke, also ca. 500 cm.g/t, bereinigt um die unterschiedlichen recovery rates bei PGM Metallen und Gold sind es sogar nur 400 cm.g/t, also nur gut 20% des wirtschaftlich maßgeblichen Erzgrads wie z.B. in Driefontein. Dafür aber auch die erheblich geringeren Tiefen und damit viel weniger Rand pro Tonne gefördertem Gestein.
Wenn Lonmin z.B. von 1 oz Platinproduktion spricht, dann wurden in Wirklichkeit 1 oz Platin, 1 oz Palladium und 0.2 oz andere PGM Metalle abgebaut. Daher kann man Platin und Goldproduktionszahlen direkt nicht vergleichen.
Und wenn Lonmin 43 mio ozs PGM Reserven hat, dann kann man aufgrund der schlechten recovery rates gleich schonmal auf 35 mio ozs runtergehen. Diese Reserven muß man ca. 50%/50% Palladium und Platin zuordnen, d.h. der mittlere Preis zwischen Platin und Palladium ist wichtig. (1415 + 815) / 2 = 1115, der Goldpreis liegt bei $1280. D.h. in Gold umgerechnet hätte Lonmin Reserven von 30 mio ozs. Sibanye liegt inkl. Burnstone schon jetzt 10% darüber.
Bei den Reserven werden übrigens nicht die Erzgrade der reefs sondern head grade angegeben. D.h. welches Gehalt hat das im processing plant landende Material, das ja aus Erz und verwässerndem nicht Gold- bzw. PGM-haltigem Material besteht.
Vorteile Lonmin:
1. geringere Tiefen
2. weniger tailings (später mal ein Umweltproblem...)
Vorteile Sibanye:
1. Gold statt Platin/Pd (monetäres Metall vs Industriemetalle)
2. Erheblich höhere grades
3. Secondary reefs mit sehr viel weniger cm.g/t -> Flexibilität auch mal low-grading betreiben zu können
Lonmin ist für mich kein bargain mit US$2.67 Mrd. market cap. Das wäre so als ob Sibanye eine market cap von US$ 3 Mrd. hätte, also US$13.50 pro ADR. Sie sind inzwischen interessant geworden, aber aufgrund der Probleme mit den Streiks und der immer noch vorhandenen Prämie zum Kurs von Sibanye derzeit wohl noch immer die schlechtere Wahl. Die Entscheidung im letzten Jahr als Sibanye noch 1/3 kostete und Lonmin ungefähr auf jetzigem Niveau lag erweist sich als richtig.
Ein weiterer sehr wichtiger Vorteil einiger Untertageminen wie die von Sibanye wird hier deutlich. Carbon Leader Reef und Ventersdorp Contact Reef haben teilweise enorme grades. Daneben existieren im Goldbereich noch weitere reefs wie Lebanon, Main usw., die bei höherem Goldpreis abgebaut werden könnten. D.h. Sibanye kann sich sehr frei entscheiden, welche grades das Material haben soll, das sie abbauen.
Bei einer open pit Mine ist das nicht der Fall. Wenn ich einmal meine Pitgröße verkleinere und damit niedrigere Erzgrade in den Randbereichen ausschließe, sind diese für immer verloren. Übrig bleiben dann 0.2-0.5 g/t Bereiche die nie mehr abgebaut werden können. Dieses Szenario erleben wir gerade, daher die Kostensenkungen und geringeren Produktionszahlen der Majors in den letzten Quartalen.
Für Sibanye ist ein Kauf der Amplats Minen (500000 ozs Platin Produktion, 19 mio ozs Reserven) zu einem Ausverkaufspreis unter $500 mio evtl. positiv. $500 mio - $1000 mio sehe ich persönlich als negativ, ist aber wohl eher eine Grauzone. Von Analysten genannte Zahlen von US$1-2 Mrd. sehe ich als unrealistisch an. Sollte eine Übernahme zu solchen Preisen kommen werde ich mindestens große Teilverkäufe vornehmen.
Gruß
S.