$300/oz, das sind die Kosten die Gold Fields derzeit mehr hat. All-in. Dabei nicht vergessen, daß all-in costs auch das Wachstum eines Unternehmens beinhaltet. Daher hat Goldcorp z.B. von den majros die höchsten all-in costs, bei den sustaining costs aber einer der billigsten. Wächst Gold Fields? Oder sind die Investitionen nur dafür da, die Reserven zu halten. Open-pit heißt, daß man Reserven schnell ersetzen muß, sonst ist Schluß. In Südafrika kann ich auch 10 Jahre warten...
Gold Fields ist m.E. neben Barrick mit der am billigsten fördernde Goldproduzent. Die Minen sind so lala. Reserven sind ein Problem. 2/3 der reserven macht South Deep aus. Ein Sonderfall in Südafrika, als einzige Mine mechanisiert und mit normalen Arbeitstagen (35% mehr Arbeitstage als die anderen Südafrika Minen). Tarkwa wird immer älter, Damang - gekauft von Ranger Minerals, die ich früher schon im Depot hatte - ist eher eine schlechte Mine mit zuletzt sehr guten Bohrergebnissen. Die Austral-Minen sind von WMC und zuletzt Barrick gekauft, waren früher schon schlecht und haben nie geliefert. Aber ich denke, daß Gold Fields durchaus profitieren kann, wenn der A$ fallen sollte. Und sie haben nicht solche Schuldenberge wie Newmont oder Barrick.
Ehrlich gesagt spekuliere ich etwas mit den Newmont Minen. Wenn man sich die heutige Produktion mal ansieht, aus welchen Minen sie stammt, dann wäre Normandy heute wohl ein 2.5-3 mio ozs Produzent oder sogar besser. Die Ghana Minen sind jedenfalls sehr gut. Ich denke auch, daß Ghana / Westafrika und Australien (revival nach fallendem A$) mittelfristig die interessanteren Regionen sind.
Derzeit aber ganz klar Südafrika. Unterschätzt den Rand nicht. Da waren m.E. drei Faktoren am Werk
1. Platinexport / Rohstoffe
2. Goldexport
3. Michmädchen-Renditejäger
Bei 25-30% Arbeitslosigkeit ist Südafrika auf Exporte angewiesen. Ich würde die in Goldsektor und sonstige Rohstoffe einteilen. Gold ist auch ein monetäres Metall. Damit kann es als Anlageklasse sowohl in guten als auch schlechten Szenarien outperformen. In guten besser als Rohstoffe / Aktien, in schlechten nur von AAA Anleihen geschlagen. Die Bedeutung des Goldsektors ist für Südafrika derzeit aber bei weitem nicht mehr so wie früher.
Platin und Rohstoffe sind derzeit viel wichtiger. Insbesondere Platin ist dabei so etwas wie ein doppelter Rohstoff: Durch Recycling ist die Nachfrage in den Industrienationen quasi bei 0. Nei Netto-Automobilneuproduktion für die emerging markets sorgt für Platinnachfrage. Wenn es dort kracht, dann kracht es bei Platin doppelt.
Das wichtigste aber sind m.E. die Milchmädchen-Investoren, die blind alles mit Rendite gekauft haben. Zu 1% in Japan geliehen, zu 8% in Südafrika angelegt. 7% Rendite. Die Inflationsdifferenz zwischen Südafrika und Japan ist aber in den letzten 10 Jahren im Schnitt über 7% gewesen.
Südafrikas Rand wurde also über Jahre durch eine künstliche Finanzblase, losgelöst von der realen Wirtschaft, hochgehalten. Mit Lebensmittelpreisen über dem Nievau von Großbritannien. Daher sehe ich die 11 Rand pro Dollar auch nur als Anfang. M.E. kommt da noch viel mehr.
Ich verstehe auch nicht, warum der Südafrika Abschlag NUR die Minen treffen soll. Alles andere wird genauso gehandelt wie an jedem anderen emerging market Standort. Nur die Minen haben einen Abschlag.
Sibanye hat derzeit die Kosten gut im Griff. Trotz Schrottminen $920/oz. Schrottminen deshalb, weil 1/3 bis 50% der Arbeitszeit mit unterirdischen Eisenbahnfahrten verbracht wird, nicht mit Arbeit. Und wenn man das gleiche Schichtsystem wie in South Deep einführen würde, könnte die Zahl der Arbeitstage um 35% gesteigert werden. Für Produktionssteigerungen wäre also Potential da, wenn man die Probleme in den Griff bekommt. Trotzdem hat man derzeit von allem Majors die niedrigsten Kosten. Außer dem bei den Resourcen (m+i) Nr. 1 weltweit.
Wie ihr wißt gehe ich nach wie vor von einem - erstmal - deflationären Kollaps aus. Sibanye ist durch dann weiter fallende Randkurse und Dividendenzahlungen abgesichert. Auch ist man vor Übernahmen wohl sicher, denn wer bietet für südafrikanische Minen? Diese Sicherehit ist mir erstmal wichtiger. Später wird es um Resourcen-/Reservenkonvertierung gehen. Es sind auch Szenarien vorstellbar, in denen der Goldpreis steigt und der Rand fällt. Dann nämlich, wenn Rohstoffe deutlich schlechter laufen als Gold.
Das Risiko ist natürlich, daß über 30000 Arbeiter auch mal sauer werden können. Ich sehe dabei Südafrika derzeit auf einem ähnlichen Kurs wie Teile Europas und die USA in den 1970ern: Selbstfindungsphase, politische Agitation, Drogen- und Kriminalitätsproblem. Doch diese Phase wird vorbei gehen. 35 Morde je 100000 Einwohner sind viel höher als in Europa, aber schon besser als noch vor 10 oder 15 Jahren. In Mexiko gibt es Gegenden mit 770 Morden je 100000 Einwohner.
Für mich ist Sibanye eine abgeschlossene Sache: Ich nehme die Dividenden, reinvestiere noch einen kleinen Teil zurück, den größten Teil aber in andere Werte. In Frage kommen NUR Dividendenwerte und Goldwerte.
Derzeit kaufe ich z.B. keine Tabakhersteller, trotz guter Dividenden. Die sin im KGV jenseits von Gut und Böse. In Japan gibt es noch den einen oder anderen Wert... aber ich denke die kriege ich noch billiger.
Ich hatte schon gedacht, Sibanye durch Goldshorts zu hedgen. Das werde ich aber nicht machen. Höchstens Aktienshorts. Wenn man einmal Berichte über 1923 liest, merkt man schnell wie unvorhersehbar doch diese turbulenten Zeiten sind. Geldmengen spielen in einer Hyperinflation z.B. keine Rolle. Die Geldmenge ist 1923 immer weiter geschrumpft, bezogen auf die Preise. Die spätere Einführung der Rentenmark bei 1 : 1 Billion hat dann zur Stabilisierung geführt, obwohl die Rentenmark kein gesetzliches Zahlungsmittel war und die Geldmenge - umgerechnet in Reichsmark - vermehrfacht hat. Es baute alles nur noch auf Vertrauen auf. Ich denke daher, daß in den nächsten Jahren, bis 2020/25 die Gefahr einer Hyperinflation so hoch ist wie sie nie mehr in unserem Leben sein wird. Oder eben Deflation. Vielleicht in starken Staaten Deflation, in schwachen Hyperinflation. Wer geschichtlich bewandert ist, wird die Deflation der Hyperinflation vorziehen.
Auf jeden Fall werden die Chancen kommen. Wer dann Geld hat kann zuschlagen. Meine Vorahnungen zu Newmont haben sich ja zuletzt bestätigt. Die Weigerung, die Reserven mit $1100 statt $1300 zu berechnen hat erstmal zu -10% geführt. Newmont ist beispielhaft für ein stark cashflow-negatives Unternehmen, das sehr gut von anderen Unternehmen verwertet werden könnte. Nevada zu Barrick, Australien zu Newcrest, Ghana zu Gold Fields o.ä, Szenarien. Anglogold wäre ein zweiter Kandidat.
Bei Sibanye sollte man auf jeden Fall noch den neuen Life Of Mine Plan, der im ersten Quartal veröffetnlicht werden soll, abwarten. Alleine die konsolidierten Reserven inkl. der Zukäufe liegen schon über 20 mio ozs, sollten mit dem neuen Plan also dann nächer bei 30 als bei 20 mio ozs liegen. Wenn zeitgleich der Rand ein Tief macht hätte man sogar eine kurzfristige Verkaufsmöglichkeit. Langfristig liegt man gegenüber Südafrika (=Harmony / Gold Fields) immer noch um Faktor 2 niedriger, gegenüber Newmont oder Barrick und unter Berücksichtigung der niedrigeren Kosten min. um Faktor 5. Das wird nur realisierbar sein, wenn ein Revival des südafrikanischen Goldsektors gelingt.
Gruß
S.