Nachdem Kim Jong Uns Auftritte als bizarrer Bösewicht eines möglichen James Bond Dr. No Prequels aus den 50ern Nordkorea zum zweitmeißtgehassten Land in Ostasien gemacht haben, eine kleine Reflexion über QE in Japan.
Japan wird ja nun in den nächsten 2 Jahren weitere 1.5-2 Billionen US$ an Zentralbankassets anhäufen. Ich bin ein überzeugter Anhänger der Deflationshypothese, ich denke jedem sollte klar sein, daß ohne QE die Deflation schon längst Fakt wäre. Hat nun QE die Deflation aufgrund wirtschaftlicher oder aufgrund psychologischer Effekte verhindert? M.E. besteht die reale Gefahr daß QE scheitert und eben keine Inflation erzeugt wird. In der Vergangenheit war das IMMER der Fall. Japan hat in den 30ern z.B. eine Glanzleistung abgeliefert und QE hat dort funktioniert. Ebenso in den USA bis auf den Fehler der verfrühten Zurücknahme, die zum Crash 1937 geführt hat. Deutschland hat diesen Fehler nicht gemacht und hat in den 30ern eine brilliante Wirtschaftspolitik hingelegt (zumindest waren die Amerikaner daran sehr interessiert, die Wirtschaftspolitik ging vorwiegend bzw. auch auf Kräfte außerhalb des damaligen Regimes zurück, also bitte keine Diskussionen über den ideologischen Müll von Vorgestern).
Wo es nun aber interessant wird, ist der Wechsel von der - wie wir gesehen haben erfolgreichen - "inflationären" Krisenwirtschaftspolitik zurück zur normalen Wirtschaftspolitik. Nochmal der Unterschied:
1. Krisenwirtschaft: keine Geldnachfrage, private Bilanzen kaputt, überschuldet, Privatsektor zahlt Schulden ab, monetäre Politik erfolglos, hohe Haushaltsdefizite notwendig
2. Normale Wirtschaft: alles lehrbuchmäßig nach unserem guten Milton, Zentralbanken steuern durch monetäre Politik
Wir haben nur EINEN erfolgreichen Wechsel einer Politik von 1 nach 2 gesehen, nämlich die USA. Nun waren die USA Kriegsgewinner und somit lag eine Ausnahmesituation vor. In Deutschland ist alles in der Hyperinflation vernichtet worden. In Japan wurden Zentralbankgrößen ermordet, als man den Wechsel von 1. nach 2. durchführen wollte, danach kam auch noch gleich eine Hyperinflation.
Es ist also sehr besorgend, wenn man liest daß die Schulden der Staaten bei den Zentralbanken getrichen werden sollten. Die Anleihen benötigt man noch, um den Wechsel hin zu einer normalen Politik durchführen zu können, ohne in die Inflation abzugleiten. Und genau das macht Japan so gefährlich, der Privatsektor hat durchaus wieder Potential sich zu verschulden.
Auf Zerohedge ist ein interessanter Artikel erschienen, wo dargestellt wird wie Gold 1:1 mit den Zentralbankbilanzen gestiegen ist (derzeit ca. 9 Billionen weltweit). Gold ist naiv fundamental betrachtet 100% zu teuer, also vielleicht $800 wert wenn nicht noch weniger. Nun könnte man denken, daß der Goldpreis fallen sollte. Ich denke die Besonderheit im Goldpreis, einmalig in über 150 Jahren, möchte uns etwas sagen. Nämlich, daß die Notenbanken Gold kaufen sollten (auch das würde QE bedeuten) und eben keine Staatsanleihen. Gold generiert keine Einnahmen. Staatsanleihen schon. Staatsanleihen werden fällig. Gold nicht. U.U. bedeutet das, daß uns die Notenbanken die besten Anlageformen in der Deflation wegkaufen, die Banken gehen vermehrt aus den Staatanleihen und an die Aktienmärkte, was Crashgefahren heraufbeschwört oder eben bei - ohne Pleite des Finanzsystems - nicht mehr möglichen Börsenabschwüngen zu notwendigen überhöhten Aktienkursen führt, in einer Phase wo viele Menschen für ihr Alter sparen müssen und zwangsläufig überhöhte Aktienpreise bezahlen müssen. Goldankäufe würden all diese Probleme elegant lösen.
Was ist also zu erwarten? Wenn Japan 2 Billionen ausgibt, die USA ebenfalls und die EZB gezwungen ist, die $370 Mrd. die die Bilanzen geschrumpft sind, umzukehren und ebenfalls moderates QE zu betreiben, dann kommen wir sehr schnell in Bereiche von $4-5 Billionen in den nächsten 2 Jahren - OHNE AKTIENCRASH - , das sind 50% höhere Zentralbankbilanzen und damit 50% höhere Goldpreise ($2400/oz). Kommt nun ein Aktiencrash hinzu, werden die Bilanzen noch stärker ausgeweitet.
Kann es also wirklich sein, daß wir trotz QE in wenigen Jahren eine waschechte Deflation erleben und die Goldpreise in Richtung $3000 steigen? In der Vergangenheit lag die Gold-Performance in einer Deflation immer im Mittelfeld zwischen Aktien und Anleihen, auch das spricht dafür.
Von einer Blase beim Gold zu sprechen fällt mir schwer. In den letzten 10 Jahren hatten wir eine Kosteninflation (Löhne im Bergbau, Stahl, Energie, Zement) von 16% pro Jahr. Beim Öl lag die Marge zwischen Preis und Kosten z.T. bei weit über 50%, bei $1300 realen Kosten der Minen wären also selbst $2400-$3000 eigentlich ganz normal.
Ich denke daß der seit 150 Jahren höchste reale Goldpreis ganz anders aufgelöst als man sich das denken kann. Die Goldbugs sollten das Deflationsszenario durchaus einmal durchdenken.
Gruß
S.