Hallo Neo, ich habe es mir den Vortrag angesehen. Prof. Richard Werner ist ja Befürworter von Woergl ("Das Wunder von Woergl"), das zeigt schon einmal eine gewisse Tendenz an.
Im Großen und Ganzen macht er m.E. einen Fehler: Kreditschöpfung sei ein Privileg und es solle doch besser der Staat machen. M.E. ist das komplett falsch, da es nur die eine Seite der Medaille ist.
Kreditschöpfung beinhaltet nämlich auch Risiken, die Banken haften ja für die komplette Kreditvergabe. Gehen genügend Schuldner pleite, so gehen auch die Banken pleite. Als Strafe für eine schlechte Kreditvergabe. Erinnern wir uns: langfristig haben Banken nichts verdient, 0.0, nichts. Alles Eigenkapital ging früher oder später verloren. Ich verweise da nur auf Nassim Taleb. Da liegt derzeit auch der Fehler im System: Banken werden für ihre schlechte Kreditvergabe nicht bestraft sondern gerettet. Oder man läßt überhaupt erst zu, daß derart riskante Kreditvergabe stattfindet, daß das Eigenkapital ohnehin bei der nächsten Krise nicht ausreichend sein wird.
Was er vorschlägt, Staatsgeld, führt nur in den Sozialismus. Ja, zunächst würden Zinszahlungen der Staaten sinken. Da aber keine marktwirtschaftliche Kontrolle der Kreditvergabe mehr stattfindet, kann der Sozialstaat nun in Saus und Braus Kredite vergeben. Das wird scheitern.
Auch Kreditlenkung ist Unsinn. Sie funktioniert immer sehr gut bei gering entwickelten Volkswirtschaften. Siehe Japan in den 50-70 Jahren. Siehe China heute. Ob eine Brücke gebaut werden muß oder nicht, diese Entscheidung kann der Markt nicht viel besser treffen als eine zentrale Planinstanz (wie MITI in Japan). Ob man nun in Halbleiter investiert, das kann auch zentral festgelegt werden. Glaubt irgend jemand wirklich, daß Unternehmen wie Microsoft, Google, Oracle oder meinetwegen auch Facebook auch nur einen Cent Kredit erhalten hätte, wenn der Staat über die Kreditvergabe entscheiden würde? Wo wären wir heute mit Staatsgeld? Viel näher an der DDR als in einem kapitalistischen System. Wirklich weit fortentwickelte Ökonomien können nurdurch die dezentrale, marktwirtschaftliche Entscheidung über Kreditvergabe weiter entwickelt werden. Das funktioniert vor allem deswegen so gut, weil der Markt sich trial and error erlauben kann. Die schlechten Investments gehen pleite, die gescheiterten Geldgeber ebenso. Die guten haben Erfolg. Als gutes Gegenbeispiel kann die Branche der alternativen Energien in Deutschland gelten, durch die Preisgarantien des Staates entscheidet letzlich der Staat über die Kreditvergabe und wir haben genau so eine Kreditlenkung wie propagiert. Resultat: mehrere hundert Milliarden zum Fenster herausgeblasen nach dem kältesten März seit 130 Jahren zur Zeit des Sonnenfleckenmaximums. Die Sonnenaktivität geht jetzt min. eine halbe Dekade zurück, d.h. es dürfte in der Tendenz eher noch kälter werden. In Rußland geht man von einer Abkühlung von 1.4 Grad bis 2050 aus. Seit 1998 sind die Temperaturen global nicht mehr gestiegen, in den letzten 25 Jahren sind die Winter in Deutschland im Schnitt um 1.5 Grad bis 2 Grad kälter geworden. Trotz Treibhauseffekt, den es natürlich auch gibt. Es existieren eben noch weitere Faktoren und abseits von jeder Theorie kann niemand die Fakten, die gemessene Temperaturen nun einmal sind, abstreiten.
Er meint auch man müsse die gesamte Kreditschöpfung ankurbeln, nicht nur die des Staates, genau das geht aber nicht da der Privatsektor schon überschuldet ist. Der Privatsektor kann nur dann mehr KRedit aufnehmen, wenn er die Einnahmen steigert. Das geht nur mit Inflation. "Holy Grail of Macroeconomics" nochmals als Buchtipp, es wird ganz klar dargelegt, daß der Privatsektor nicht stimuliert werden kann. Daher ist QE wirkungslos. Haushaltsdefizite, wenn notwendig Aufkauf der Staatsanleihen durch die Notenbank. Am Ende der Krise, 15-20 Jahre später, dürfte der Privatsektor sich saniert haben, neue Schulden aufnehmen können und man kann die Anleihen wieder an den Markt zurückgeben. Das ist nur wenig inflationär.
Er behauptet ja, der Kauf von Anleihen sei nicht inflationär. Ja, in der Krise. Nur jede Krise ist irgendwann vorbei. Bei uns nicht, in den USA nicht, aber Japan? Dort hatte man in der Vergangenheit viel höhere Schulden im Privatsektor. Wenn man die Anleihen dann nicht mehr in den Markt geben kann, gibt es eine Mega-Inflation. Nebenbei, Richard Koo widerlegt auch das Helikoptergeld in seinem Buch. Ja man kann eine Deflation durch Abwerfen von Bargeld beenden. Doch in dem Augenblick wo der erste Dollar den Boden berührt sind landesweit alle Geschäfte geschlossen, da es nicht nur Konsumenten sondern auc hAnbieter gibt und an die hat man nicht gedachten. Sie werden sich zurecht weigern auch nur etwas zu verkaufen, wenn der Wert des Geldes dermaßen unklar wird. So paradox wie es ist: eine Zentralbank muß sich so verhalten, als ob sie noch im Goldstandard operieren würde, sonst ist das Vertrauen weg.
"Max 1 jahr schwäche '45 Japan", das muß man sich einmal überlegen. Sehr sehr zynisch. Auf welchem Niveau? Japan hatte '45 eine Hyperinflation. Den Leuten ging es wirklich schlecht.
Ich denke interessante Ansätze, aber das Konzept hat große Fehlstellen, ist nicht in der Praxis erprobt, nicht durchsetzbar und auch nicht erstrebenswert, da wir sehr genau die Fehler des jetzigen Zentralbanksystems kennen und sich diese durchaus beheben lassen. Wir überschätzen unsere eigene Intelligenz und unterschätzen die Intelligenz unserer Vorfahren, das waren doch keine Idioten die das Zentralbanksystem eingeführt haben. Man sehe sich nur die monetäre Geschichte der USA im 19. Jhd an (J.K. Galbraith hat eine gute Zusammenfassung verfasst).
Gruß
S.