"Es ist auch möglich , dass die DAX-Kandidaten noch mal eine ganze Weile zulegen, weil die Geschäfte im Moment glänzend laufen."
Das stimmt schon, nur da ist auch das Problem. Ich gehe von 10% Verzinsung auf Kapital aus. Wenn man 6% relativ sicher mit Anleihen hat, sollten Aktien min. 10% bringen. Langfristig.
Nun ist das Problem, daß die Firmen auf den Buchwert 18% verdienen. KGVs liegen so bei 15-25. Selbst Allianz als Finanzzykliker hat ein KGV von 15.
Rechnen wir mal mit meiner proprietären DCF Analyse durch. 10% Renditeerwartung, 18% ROE, 6% dauerhafter Gewinnanstieg (4.5% Inflation + 1.6% Produktivitätsverbesserung = ca 6%).
Ergebnis: faires KGV 21.5
Jetzt aber ein anderes Szenario mit 11% ROE und sonst gleichen Variablen. Faires KGV nun nur noch 12.3!
Das Problem ist, daß die Wirtschaft kapitalistisch arbeitet. Solange ROE höher liegt als die Renditeerwartung, können ohne Probleme neue Firmen mit genügend Kapital zu 10% ausgestattet werden und dann 18% auf dieses kapital verdienen. Das führt zu Konkurrenz und sinkenden Margen und geht solange weiter bis ROE bei 10-11% liegt. In JEDER 20 Jahresperiode seit 1900 (1900-1920, 1901-1921, 1902-1922 usw.) lag ROE bei 11%.
Was wird passieren? ROE wird von 18% auf 11% sinken während der Buchwert mit 6% weiterwachsen wird. Also 7-8 Jahre 0 Wachstum, dann wieder 6%.
Somit hat der Dax ein faires KGV von 11.7, 30-40% unter dem jetzigen Niveau.
Aber jetzt kommt das spannende. Mal angenommen, die Inflation würde um 5% anziehen. Dann würden sich alle Kennzahlen erhöhen, dauerhaftes Wachstum 11%, kurzfristig 5%, ROE 16% usw. Renditeerwartung 15%. Dann wäre das faire KGV nur noch bei 7.85.
Inflation ist nur gut für Werte, die dauerhaft hohes ROE aufweisen. Coca Cola z.B., die erhöhen einfach die Preise mit der Inflation, müssen aber wenig in Anlagen stecken. Daimler und co. dagegen müssen höhere Löhne, höhere Kosten für automatisierte Anlagen usw. tragen, so daß sie Verlierer der Inflation sind. Plötzlich würde sogar manuelle Fertigung wieder attraktiv, da die hohen Zinskosten der automatisierten Anlagen höher sind als die Arbeitskosten. Selbst bei 15% Lohnsteigerung pro Jahr. Da Arbeiter rentabler sind als Maschinen steigen die Löhne also extrem stark, heizen die Inflation an und machen Anlagen noch unrentabler und Arbeitnehmer noch gefragter. Wenn also eine Lohn-/Preisspirale erstmal in Gang kommt, wird die Inflation nicht mehr zu stoppen sein.
Gruß
S.
[edit]
P.S.: Dax 300000 bei KGV 3.5, 30% Inflation und Goldpreis 100000 Euro wären dann die Hausnummern für 2030.
[edit2]
Und das wäre beides besser als vermietete Immobilien. Die Preisgrenze für Mieterhöhungen liegt bei 6%. Gehen wir mal von 5 Euro Kaltmiete und 800 Euro pro qm Preis aus (Norddeutschland). Die Miete würde dann bei 6% Steigerung 2030 bei ca. 20 Euro je qm liegen. Die Immobilie ist jetzt über 20 Jahre älter und Aktien haben ein KGV von unter 4. Sagen wir KGV 4. Das wären dann ca. 1000 Euro. D.h. Immoblienpreise würden in etwa so bleiben wie heute während Gold 100000 Euro je Unze kostet. Für wenige Unzen ein Haus kaufen wird also wohl möglich sein. Ein Haus, daß natürlich total heruntergekommen sein wird. Auch wird der Immobilienmarkt und Mietwohnungsmarkt zusammenbrechen, d.h. Altmieter wohnen billigst, Neumieter werden nichts oder kaum etwas finden.
Geil so eine Inflation!