Moin,
dann habe ich als absoluter Immobilien-Laie noch einige Anmerkungen. Was heißt eigentlich AfA? Ich dachte bis dato, es handelt sich um die Abschreibung für Abnutzung. Wozu soll eine zusätzliche Reparaturrückstellung von 1% der Gestehungskosten gebildet werden? Bei einem Neubau fallen die ersten 15 Jahre kaum Reparaturen an, wenn man hochwertige Materialien verwendet hat. Somit sind dann, sofoern man die eigentlich nicht liquiditätswirksame AfA beiseite gelegt hat, gut 30% angespart. Das reicht locker, um anstehende Reparaturen zu decken.
Sinn der vollständigen Reinvestierung der AfA ist ja, dass man den Wert / Nutzungsdauer des Hauses eben auf hohem Niveau hält. Wieso sollte man bei der Berechnung der Gestehungskosten die Abschreibung, die Verzinsung der Darlehen und dann noch eine Reparaturrückstellung berücksichtigen
Die Zinslast reduziert das zu versteuernde Einkommen und somit um den persönlichen Steuersatz. Die Finanzierung sollte sich aus den Mieteinnahmen decken (Debt Service Coverage Ratio > 1,1) Eine zusätzliche Reparaturrücklage zur AfA ist Nonsens.
Ich weiß ja nicht, in welcher Gegend Du wohnst, muss aber mindestens München Starnberg sein. Die von Dir angegeben Mieten in Höhe von max. 20% des Nettoeinkommens entspringen der Fantasie und haben in Deutschland nichts mit der Realität zu tun. Bei einem Neubau benötigst Du nie und nimmer 400-500 EUR Nebenkosten. Die Mieter meines letzten Projektes haben mtl. Kosten in Höhe von 205,00 EUR für eine 106m² Wohnung (jeweils zu zweit bewohnt). Da sind schon die hohen Kosten des Aufzugs enthalten. Ich habe selbstredend nicht nur Mieter, die über > 9.000,00 EUR mtl. Nettoeinkommen verfügen. Ich verrate Dir etwas: In den letzten 20 Jahren habe ich nicht einen einzigen Euro MIetausfall gehabt
Augen auf bei der Mieterauswahl. Du schreibst, dass man als Vermieter draufzahlt. Dann habe ich die letzten 20 Jahre das pure Glück eines Laien gehabt, denn mir ist das noch nicht passiert
Richtig ist natürlich, dass eine dauerhafte Nettorendite über 4% nicht realistisch ist. Aber ich kann ja nicht die ganze Kohle in Edelmetall anlegen, da ich nicht alle Eier in einen Korb lege. Das Gerede, man könne sich von einer Unze bald ein Haus kaufen, überlasse ich tatsächlich lieber den Jüngern vom Walter 
Grüße
Goldhut
Alles anzeigen
Du weißt schon, dass die Lebenshaltungskosten in Deutschland (Verbraucherpreisindex) im Vergleich zum Vorjahresmonat (Basis März 2022) um 7,3 Prozent gestiegen sind?
Du weißt vielleicht auch, dass die Erzeugerpreise der Industrie im Euroraum um ca. 30 % gestiegen sind (ebenfalls Basis März 2022-2023).
Um November 2021 waren es noch ca. 23 %.
Aber gut: nur weil etwas in der Vergangenheit prächtig funktionierte, tut es das auch weiterhin.
Der Krug geht immer so lange zu Brunnen, bis er bricht.
Und wenn alles um einen herum wegbricht, wird es auch für Vermieter eng.
Glaubst Du, dass es für Deine Mieter bei 7,3 % bleibt und dass die Industrie denen 23 Prozent schenken wird?
Ich glaube das nicht.
Nichts gegen Deine Mieter. Und nichts gegen Deine Auswahl. Aber das, was sich abzeichnet, da kann keiner von denen und von uns hier was dafür. Wohl aber fürs Wegschauen. Und fürs nicht sehen wollen.
Ich versuche es so zu sehen, wie es ist und ich versuche nicht am Top zu kaufen. Und ich weiß, was in der Vergangenheit passiert ist. In Gold gerechnet hatten wir in den 90ern auch schon mal viel höhere Immobilienpreise.
Voraussehen, dass irgendwann was kommen würde konnte man es schon lange. Aber: das hätte auch erst in 10, 20 oder 30 Jahren sein können. Nun sieht es aber so aus, dass sich jetzt gewaltig was tun könnte.
30 % Teuerung bei der Industrie - das hatten wir selbst in den 70ern nicht. Das ist völlig beispiellos, was Deutschland seit 1948 angeht.
In den USA werden die Zahlen ähnlich sein. Wäre das anders, wäre der Euro längst abgestürzt.
PS: Bei mir sind Wasser, Strom und Heizung in den NK enthalten. Deswegen komme ich für einen Haushalt, der 1.800 Kaltmiete zahlt auf die von mir genannte Zahl. Wer sich das leisten kann und leistet, der spart weder an Heizung, noch an Wasser, noch an Strom. Und rechne mal auf die letzten NK 30 Prozent auf! Bis Ende 2023 wird man über die 30 % sein.
PPS: ich hatte geschrieben: "Wenn Du dann vermietest und kalkulierst: 2 % Abschreibung, 1,5 % Verzinsung, 1 % Reparaturrückstellung..." Also: die 2 % Abschreibung, die sind weg. Das ist keine Rendite. Das ist die Entschädigung für die zeitlich bedingte Abnutzung. Verbleiben 2,5 %, die Du versteuern musst, wenn keine Reparaturen anfallen. Wir reden hier also von einer maximalen Vorsteuerrendite von 2,5 %. Übrigens: Du kannst auch nur den Gebäudewert und nicht den Grundstückswert abschreiben. Was mit den Preisen ist, habe ich Dir erklärt. Die 2 % Abschreibung gibt es aber nur für den nominalen Gebäudewert. Das bedeutet: wenn die Baukosten um 100% gestiegen sind, schreibst Du real nur noch ein statt zwei Prozent ab!
Dein Gebäude vergammelt aber immer noch genau so schnell, wie bei Null Prozent Teuerung!
Und wenn sich die Reparaturkosten verdoppeln, Du aber Deine Einnahmen nicht verdoppeln kannst, sondern wenn sie stagnieren, beträgt die reale Rücklage nur noch 0,5 Prozent je Jahr.
Deine Reparaturen fallen aber unabhängig von der Höhe der Geldentwertung an. Nur kosten tun sie Dir bei hoher Geldentwertung nominal mehr.
Und wenn Deine Mieter dieses Jahr bei 7 % offizieller Teuerung vielleicht 3 % netto mehr bekommen, dann geht das noch. Kommendes Jahr haben wie vielleicht 15 % offizieller Teuerung und 6 % Netto Lohnsteigerung. Deine Mieter haben dann schon mal 10 % Einkommensverlust (bei gleich bleibender Miete, ansonsten: 14 %). Die Sparquote in Deutschland lag aber nie deutlich über 10 %. Und ob Mieter im Schnitt 10 % von Netto sparen - keine Ahnung. Spätestens dann tun sie das nicht mehr! Und dann geht es mächtig an die Substanz........