Königreich Makedonien. Perseus , „Pseudo-Rhodos“
Leichte Drachme oder Tetrobol, 171-170 v. Chr.,
Vs.: Kopf des Helios von vorne leicht nach rechts,
Rs.: Rose mit einer einzelnen Knospe rechts,
Magistratsname Hermias: EPMIAΣ über Rosenkelch,
unter Rosenkelch: Z-Ω.
Material: Silber, Gewicht:2,82 g.
In seinem 1988 erschienenen Artikel über rhodische Nachahmungen argumentierte R. Ashton, dass diese Münzen von Perseus in seinem Krieg gegen Rom geprägt wurden, um kretische Söldner in seinem Heer zu bezahlen („A Series of Pseudo-Rhodian Drachms from Mainland Greece“, NC 1988, S. 29–30). Die rhodischen Münzen zirkulierten auf Kreta, wo sie den Kretern als vertrautes und vertrauenswürdiges Zahlungsmittel galten. Er wählte den rhodischen Typ, da solche Stücke den Kretern bekannt waren und von ihnen akzeptiert wurden. Vielleicht verlangten sie sogar Zahlungen in dieser Form (R. Ashton, SM 146, Mai 1987). Der Magistrat Hermias war möglicherweise der Sohn des alten Münzdirektors des Perseus, Zoilos (siehe Ashton in NC 1988, S. 29). Vielleicht stehen die Buchstaben ΖΩ auf dem Revers aber auch für Zopyros, dessen Monogramm auf anderen pseudo-rhodischen Drachmen erscheint (siehe Ashton in NC 1997, S. 191).
Im Jahr 1968 wurden in Thessalien, nahe Pharsalos bei Sitichoro, ein Münzfund mit etwa 2000 bis 3000 Münzen entdeckt. Der Fund ist unter den Namen „Sitichoro-Hoard“ und „Larissa-Hoard“ bekannt. Die am häufigsten vorkommenden Münzen stammten aus Rhodos und machten etwa die Hälfte des gesamten Fundes aus. Darunter befanden sich 500 bis 600 leichte Tetradrachmen des Makedonen Perseus. Die Tetrabole oder leichten Drachmen, trugen alle den Magistratsname Hermias über der Rose auf der Rückseite. Vor 1968 waren solche Tetrobole oder Leichte Drachmen mit dieser Inschrift unbekannt. Die Münzen dieses Typs wiesen allesamt keinerlei Gebrauchsspuren auf, sind aber häufig dezentriert, manche Münzen weisen Doppelschläge, Unebenheiten oder Prägerisse auf und sehr viele Münzen wurden unter Benutzung verrosteter Stempel oder Urwerkzeuge (Patritzen) geprägt. Das Gesicht (Wangen unterhalb der Augen) wurde vielfach nachbearbeitet, um die Rostspuren zu kaschieren. Mein sehr gut ausgeprägtes Stück ( der Grad der Ausprägung ist gut an der Form der Nase erkennbar) zeigt derartige Nachbearbeitugsspuren sehr deutlich /unter den Augen und im Bereich des Mundes).
Darüber, ob das hier vorgestellte Stück auch aus diesen Fund ist, liegen mir keine Angaben vor. Es ist jedoch mit vielen solcher Stücke stempelgleich bzw. die Stempel wurden erkennbar mit den selben Urwerkzeugen gefertigt.
Zur Erhaltung/Beurteilung:
Die Spuren vom Rost an Stempel oder (wie ich meine: Urwerkzeug/Patritze) und deren Beseitigungsversuche sind bei vielen Stücken klar erkennbar und werden bei Benutzung der Stempel abnutzungsbedingt schwächer. Teils werden für diese Münzen neben der Fundbezeichnung auch Herkunftsangaben gemacht, die bis in die frühen 70er Jahre, teils auch bis in das Jahr 1969 zurückgehen. Sehr viele Münzen, darunter auch meine, zeigen deutliche Spuren des Metallflusses bei der Heißprägung. Die mit verbrauchterem Stempel geprägte Rückseite weist in den freien Feldern noch leichten Kippglanz auf. Bei einer mit rostigem Stempel geprägte Vorderseite ist sowas nicht möglich.
Was die Erhaltung angeht: ich habe sie als vorzüglich erworben und das wird sie mindestens auch sein. Die leichte Tönung (goldene, schwarze und wenig dunkelblaue Farben neben dominierendem Silber) verstärkt die dekorative Wirkung dieser Münze, deren Durchmesser erkennbar unter dem eines 1-Cent-Stücks liegt, nochmals deutlich.
Recherchen sind bei älteren Münzen notwendig, nicht nur um etwas über die Münze herauszukriegen, sondern auch, um die Wahrscheinlichkeit zu vermindern eine Fälschung zu erwerben. 100% Gewissheit gibt es bekanntlich nie.
Solche Münzen werden, auch heutzutage noch, regelmäßig auf Auktionen angeboten. Geht man von einem Fundumfang von 3.000 Münzen aus, so gibt es unter Berücksichtigung der Information das 50 % der Münzen Prägungen im Stil von Rhodos sind und auch darunter 500 bis 600 Tetradrachmen im Stil von Rhodos befinden, etwa 900 bis 1.000 solcher Münzen (Drachmen oder Tetrobole) aus diesem Fund.