Ist es möglich die theoretische Dividende zu berechnen, die für 2022 gezahlt wäre falls es nicht zum Ukraine-Konflikt gekommen wäre?
Interessante Frage @aldbjr
Die Antwort muss jedoch verschiedene Dimensionen mit einigen Variablen berücksichtigen.
Was wir für 2022 haben ist der Report der "Production Results", jedoch keinen Finanzabschluss. Ich würde sagen, ohne Krieg in der Ukraine business as usual. Die Kosten wären massiv tiefer - aber möglicherweise wäre der Goldpreis auch tiefer. Daher hypothetisch: plus/minus ex 2021 - etwa 1 USD.
Interessant ist jedoch die Frage, ob Polymetal International unter den gegebenen Umständen (Ukraine-Krieg, Sanktionen des Westens und Gegensanktionen (auch diese gibt es und behindert POLY) von Russland, unterbrochene Lieferketten, gestörte Vertriebswege tatsächlich dividenfähig wäre. Da lautet die Antwort: Nein. Das Verhältnis der Nettoverschuldung zum EBITDA (Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibung) ist mutmasslich zu hoch. Der Netto-Gewinn (Net Earning) würde jedoch allemal ausreichen, dass bei einer Ausschüttungsquote von 50% die hypothetische Dividende rund 0.50$ betragen könnte (473m Shares).
Aber ich denke, dass wurde vom Management so gesteuert. Denn bei den Schulden geht es nicht "nur" um die langfristigen Schulden (Anleihen) sondern auch um Betriebskapital welches mit einer Kreditlinie finanziert wird. Das war der wesentliche Treiber für die Ausweitung der Schulden 2022. Per Ende 2022 konnte die Schuld daher auch um 400m$ reduziert werden. Zusätzlich besitzt POLY noch 200m nicht verkaufte Gold-/und Silberbestände auf Lager. Aber so muss das BoD keinen Ermessens-Entscheid fällen: Denn Schuldenquote nicht eingehalten.
Jetzt zu den Zahlen 2022 und der hypothetischen Berechnung:
- Net Debt per Ende 2022: 2.4 Mrd.$
- AISC 1'300 bis 1'400 USD/oz
- 2021 betrug die AISC 1'030 USD/oz und der EBITDA 1'464m$
- Per 2022 daher rund 350$/oz mehr. Bei 1.7moz: 600m$ höhere Kosten, welche den Net Profit (mindestens) belasten. Gehen wir also von einem (hypothetischen) EBITDA von 800m$ aus.
- 2021 betrug die Quote des EBITDA: 60%
- Ob per 2022 die Quote gleich bleibt oder tiefer ist, kann man erst sagen, wenn der Finanz-Report vorliegt, wahrscheinlich Anfang März 2023.
- Potenzielle Net Earning daher rund 480m$. Ausschüttungsquote 50%. Bei 473 Shares etwa 0.5$.
Fazit:
Die operative Leistung von Polymetal ist unter den gegebenen extrem schwierigen Umständen sehr gut. Das hat einerseits damit zu tun, dass der Goldpreis historisch gesehen hoch bleibt und natürlich mit einem extrem fähigen Management. Der mögliche Entscheid von Polymetal International die Jurisdiktion zu wechseln und neu den Hauptsitz in einer Finanz-Sonder-Zone in Astana/Kasachsasten zu verlegen und POLY an der AIX Kasachstan zu listen, ist sehr zu begrüssen. Nach der Verlegung at dann Polymetal International wieder alle Optionen offen: Dividenden zu bezahlen, Corporate Action und M&D.
urai
P.S. Die Antwort ist jetzt ein bisschen ausführlicher. Der Grund ist, ich werden den Brexitlern im lse-Forum ein bisschen Sunday-Lesestoff geben.