Amerikanische Diplomatie auf dem Prüfstand
Der U.S. Präsident Donald J. Trump ließ am 18. Januar dieses Jahres dem norwegischen Ministerpräsidenten Jonas Gahr folgenden Text zukommen:
„Lieber Jonas: Da Dein Land entschieden hat, mir nicht den Friedensnobelpreis zu geben, obwohl ich über 8 Kriege beendet habe, fühle ich mich nicht länger verpflichtet, ausschließlich an Frieden zu denken, obwohl dieser Gedanke immer vorherrschen wird, aber ich kann jetzt vor allem darüber nachdenken, was gut und angemessen für die Vereinigten Staaten von Amerika ist.
Dänemark kann das Land (gemeint ist Grönland) nicht gegen Russland oder China schützen, und übrigens, warum haben sie ein „Recht auf Eigentum“? Es gibt keine schriftlichen Dokumente. Es geht nur darum, dass vor hunderten von Jahren dort ein Schiff landete. Aber einige unserer Schiffe sind dort auch gelandet.
Ich habe mehr für die NATO getan als irgendeine andere Person seit ihrer Gründung, und jetzt sollte die NATO etwas für die Vereinigten Staaten tun. Die Welt wird erst sicher sein wenn wir komplette und totale Kontrolle über Grönland haben. Danke! Präsident DJT.“
Der Fall Grönland
Soweit die freundlichen Worte des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika. Donald Trump hat wiederholt, in aller Öffentlichkeit, bekannt, dass er an einer regelbasierten internationalen Ordnung kein Interesse habe. Mitglieder seines Kabinetts machten ähnliche Äußerungen.
Die Diplomatie der Amerikaner besteht momentan darin, sich ein neues Opfer auszusuchen, dieses Opfer durch Drohungen einzuschüchtern und dann, nach anfänglichen Maximalforderungen, langsam zu einem den Amerikanern genehmen Kompromiss zu zwingen. Es ist ein Rückfall in den Kolonialismus.
Die Pseudoargumente, die Trump anführt, sind geradezu lächerlich. Niemand bedroht Grönland. Eine absurde Behauptung. Außerdem besitzen die U.S.A. bereits Militärbasen auf der Insel. Vor allem aber sind Amerika und Dänemark beide Mitglieder der NATO. Sie würden also einander ohnehin unterstützen. Es sei denn, die Amerikaner wollen die NATO verlassen.
Der Fall Grönland, in seiner konsequenten Logik, würde sich, nach einer Übernahme Grönlands durch die U.S.A., in Island wiederholen. Die Logik gebietet, dass eine Kontrolle des Nordmeeres auf jeden Fall auch die Kontrolle über Island einschließen muss. Und das darf in Zukunft alles den Amerikanern erlaubt sein?
Sollten keine internationalen Regeln mehr gelten, dann werden sich die Amerikaner nehmen, was sie nehmen können. Gerechtfertigt mit ihrer eigenen, verqueren Logik, die Russland anklagt, die Ukraine haben zu wollen, die aber mit hanebüchenen Argumenten eigenes, ähnliches Verhalten schönzureden versucht.
Wenn Grönland „fällt“, dann bedeutet das das Ende der Diplomatie. Die Amerikaner erfinden in Zukunft einfach ihre eigenen Regeln. Und erwarten, dass alle Welt dieses Verhalten, wenn schon nicht akzeptiert, dann zumindest ohne großen Protest schluckt.
Mentale Kriegsführung
Durch mentale Kriegsführung soll dem Gegner vor Ausbruch von militärischen Aktionen die Sinnlosigkeit jeder Art von Verteidigung vorgeführt werden.
Sie mögen festgestellt haben, dass Trump sich vorerst nur Opfer aussucht, die sich tatsächlich militärisch nicht gegen diese Supermacht verteidigen können. Die Tatsache, dass die Amerikaner vorhaben, den Militärhaushalt von 1 Billion Dollar auf 1,5 Billionen Dollar zu erhöhen, deutet darauf hin, dass sie auch in Zukunft ihre Interessen vor allem mit militärischen Mitteln durchzusetzen gedenken.
Bemerkenswert ist, dass sich trotz des wirtschaftlichen Niedergangs des Landes und trotz der zunehmenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten einer Mehrheit der Bevölkerung, sich das Vermögen des Trump Imperiums über die letzten 12 Monate eindrucksvoll vermehrt hat. Die unterschiedlichen Schätzungen gehen bis zu 300 %. Warum sollte der Mann also sein Verhalten ändern?
Europa hat sich Trump unterworfen
Der NATO Generalsekretär Mark Rutte nannte Donald Trump bei einem NATO Gipfel in 2025 „Daddy“. Und Trump war es zufrieden.
Das Verhältnis von Trump zu Europa ist ganz einfach zu analysieren und zu charakterisieren, da der Mann ja ohnehin kein Blatt vor den Mund nimmt. Trump verachtet die europäischen Spitzenpolitiker. Von ein oder zwei Ausnahmen abgesehen (vor allem Viktor Orban).
Die Konsequenz: Wenn Sie mit Ihrem Gegenüber nicht auf Augenhöhe verhandeln und keinen Respekt für den Verhandlungspartner aufbringen, dann kann von Verhandeln eigentlich gar keine Rede sein. Es ist eine Unterwerfung des Schwachen. Das ist Europa, repräsentiert von einfältigen Duckmäusern, die den Kampf gegen Russland als ihre Hauptaufgabe ansehen. Egal welche Konsequenzen daraus erwachsen. Eindrucksvoll demonstriert als Biden dem Herrn Bundeskanzler Scholz freundlicherweise persönlich mitteilte, dass das mit Nordstream nichts werde. Da stand das Kanzlerchen in all seiner Erbärmlichkeit. Und die Medien in Europa? Schweigen. Die transatlantischen Denkfabriken hatten den Laden unter Kontrolle. Amerika sei das Imperium des Guten. Russland das Reich des Bösen. Und das mussten wir bis heute auswendig lernen. Aber das Amerika von einst ist nicht mehr das Amerika von heute. Eine Radikalkur fand statt.
Der Finanzkapitalismus besitzt die Macht in Amerika
Der Finanzkapitalismus ist die herrschende wirtschaftliche Spielart auf Erden heute. Der Finanzkapitalismus wird nach wie vor dominiert durch den Dollar. Kein Wunder daher, dass die Finanzkapitalismusunternehmer in Europa nach Amerika schauen. Was das für Auswirkungen auf die richtige Welt hat, siehe z.B. Nordstream, hat für diese Herrschaften wenig Bedeutung. Aus Geld noch mehr Geld zu machen ist ihre Mission. In Zusammenarbeit mit dem Zentrum der Geldmacht. Unternehmer, die etwas Konkretes herstellen, die auf Energiekosten achten müssen, um zu überleben, die werden diesem ganzen Treiben des Finanzkapitalismus wenig Sinn abgewinnen können. Sie mögen eher ein Interesse daran haben, mit Russland wieder umfassende Geschäftsbeziehungen aufzunehmen.
Die Wirtschaft lebt also sozusagen in einem schizophrenen Zustand. Die Finanzkapitalisten einerseits wollen lediglich Geld verdienen. Die produzierende Industrie will richtige Dinge herstellen, die wir Menschen zum Leben brauchen.
Früher erfüllten die Finanzen eine Dienstleistungsfunktion. Heute beherrschen sie das Geschehen in der Wirtschaft im Westen. Diese simple Einsicht und die sich daraus ergebenden Konsequenzen habe ich Ihnen hier in ein paar Sätzen präsentiert. Sie müssen davon ausgehen, dass diese Einsicht so gut wie keinem Politiker in Berlin zugänglich ist. Die wurschteln einfach vor sich hin, besessen von dem Glauben, dass Wirtschaft Wirtschaft sei.
Die Qual der Wahl?
Nehmen Sie ein Blatt Papier zur Hand und schreiben sie auf, welche Vorteile und Nachteile uns aus der Beziehung zu den Vereinigten Staaten von Amerika erwachsen.
Und dann tun Sie gleiches für Russland.
Versuchen Sie, alle Ideologie und Emotionen zu verbannen. Seien Sie pragmatisch, erkennen Sie Vor- und Nachteile für Sie persönlich und für das Land. Vor allem für die Zukunft Ihre Kinder und Enkelkinder.
Schlusswort von Wladimir Putin
Bei dem gleichen Empfang von dem ich am Anfang des Artikels sprach, sagte der russische Präsident auch folgendes:
„Ich möchte daran erinnern, dass Russland wiederholt Initiativen präsentiert hat, um eine neue, zuverlässige und faire europäische und globale Sicherheitsarchitektur aufzubauen.
Wir schlugen Optionen und rationale Lösungen vor, die allen in Amerika, Europa, Asien, allen, überall auf der Welt, zusagen könnten.
Wir denken, es wäre es wert, zu substantiellen Diskussionen zurückzukehren, um die Bedingungen zu klären, unter denen eine friedliche Lösung des Konfliktes in der Ukraine erreicht werden kann.“
Das Unsichtbare wird sichtbar
Soweit zu Wladimir Putin. Soweit zu Putins Theorie. Ich meine, es ist über die letzten Wochen und Monate sehr klar geworden, dass die U.S.A. auf das Recht des Stärkeren setzen und in diesem Sinne Europa nach wie vor beherrschen wollen. America First bedeutet eben genau das. Es bedeutet aus der Perspektive Amerikas: „Wir gewinnen. Ihr verliert.“ Und zwar immer. Wenn Ihnen solch eine Beziehung zusagt, dann haben Sie in Amerika Ihren idealen Partner gefunden.
Russland als Partner schlägt einen völlig anderen Ansatz vor und hat, meines Wissens, noch nie gegen Abmachungen mit der Bundesrepublik verstoßen. Es verbindet uns zudem, über die Jahrhunderte, eine tiefe gemeinsame Geschichte.
Die Strategie der Amerikaner dahinter: Die Europäer sollen sich wieder einmal gegenseitig totschlagen. Für Amerika.
Frage: Hatten wir das nicht schon einmal? Na, fällt langsam der Groschen?
Nein? Dann haben Sie noch immer nicht kapiert, dass nicht der deutsche Kaiser den Ersten Weltkrieg anstiftete, dass nicht Adolf Hitler den Zweiten Weltkrieg anstiftete. Es waren die Amerikaner, mit Hilfe ihrer Freunde in London, die einen Krieg in einen Weltkrieg verwandelten!
Und dann, im letzten Akt, wenn alle halbtot sind, erscheinen sie immer plötzlich als Helden auf der Bühne: Um Kasse zu machen. Dazu bombardieren sie das ganze Land. Sie töten Frauen und Kinder. Zerstören die Städte. Je mehr Bomben desto mehr Umsatz. Daher: Bomben, bomben, bomben! Sie haben nur ein Anliegen: Business! Und das ist inzwischen noch viel schlimmer geworden. Amerika heute ist ein Mafiastaat. Ein Mafiastaat. Wie kann die Welt nur so blind sein?
Also: Wer ist unser Feind? Wer ist unser Freund?
Erinnern Sie sich noch? Wie hieß es doch dereinst: „Der Russe kommt, der Russe kommt, der Russe kommt!“
Jetzt lernen wir: Diese Gefahr hat nach dem Zweiten Weltkrieg nie bestanden. Es waren und sind und werden jedoch die Amerikaner sein, die uns beherrschen wollen. Aber niemand schreit: „Die Amerikaner kommen, die Amerikaner kommen, die Amerikaner kommen.“ Nein, die Amerikaner, die sind bereits da.
Wenn das nicht der beste Treppenwitz der Geschichte ist!
Anderweltonline.com: Unser Freund: Amerika oder Russland?