Zitat
quote='Edel Man',
Da wären wir schon zu zweit, besser gesagt zu dritt. Meine Frau, mit der ich mich gern und oft selbst solche Dinge unterhalte, ist schon lange überzeugt, daß A. sich sehr verändert hat.
Daß ich das so empfinde, habe ich kürzlich in einer Diskussion mit Auratico im Goldfaden geäussert.
Frauen haben ja oft ein feineres Gespür für so etwas. Wäre interessant zu erfahren, worauf genau sich Deine Frau hier bezieht.
Einige verstreute Anmerkungen zu Armstrongs Aussagen:
Armstrongs währungsbezogene Hauptaussage im Verlauf der gegenwärtigen Dauerkrise ist tatsächlich eine kesse Prognose – und man sollte sie unbedingt zur Kenntnis nehmen und für sich ohne jede Emotion abwägen. Ich selbst kann mit all diesen emotionsgetränkten Blicken auf die ökonomischen Ereignisse schon lange nichts mehr anfangen, weil dadurch sowohl der politische Verstand als auch das eigene Anlageverhalten (Stichwort: Wunsch statt Wirklichkeit) Schaden nehmen kann.
Man muss ganz klar sehen, dass Armstrong inzwischen von einem Scheitern der Eurozone ausgeht. Das ist sein gutes Recht, und damit steht er nun weißgott nicht allein auf weiter Flur. Dass er das in seiner Zeit im Gefängnis noch nicht so gesehen hat, kann man ihm, so denke ich, auch nicht groß zum Vorwurf machen. Da ist ja nun einiges geschehen in der Zwischenzeit bzw. eben nicht geschehen, was aus seiner Sicht hätte getan werden müssen, um die Fehler in der Konstruktion der europäischen Einheitswährung zu korrigieren.
Er glaubt z. B., dass eine gemeinschaftliche Währung in Europa ohne einen gemeinsamen Schuldenmarkt auf Dauer grundsätzlich zum Scheitern verurteilt ist. Dies aber hätte VOR der Implementierung des Euro geschehen müssen und nach einer harten Bilanzprüfung eines jeden Landes - und danach dann eine Schuldenpolitik mit Eurobonds nach BIP-Größe und anderen Regeln, wozu auch ein regelmäßiger Saldenausgleich gehören müsste, wie er auch unter den US-Bundesstaaten üblich ist, die bekanntlich nicht füreinander haften.
Armstrong glaubt, dass das chaotische Weiterwursteln in der Eurozone mit Zypern als paradigmatischem Enteignungsmodell für weitere Aktionen (Spanien zuvörderst) zu einem Abfließen von Anlegergeld aus Europa in großem Stil führen wird, zu Kapitalverkehrskontrollen und anderen Hindernissen für freie Investitionen.
Ein erheblicher Teil dieser gewaltigen Summen, so seine Überzeugung, wird in den größten und liquidesten Schuldenmarkt der Welt fließen, in die USA, und zwar trotz der dortigen bereits existierenden hohen Schuldenlast. Er glaubt, dass dies dann den USD in für die USA extrem unangenehme Höhen treiben wird, keinesfalls ein glücklicher Umstand. Die USA - Armstrong sieht sie nur als diejenige mit dem kleineren Buckel unter all den Heiratskandidatinnen aus der Leprakolonie an.
Und wenn all diese Ereignisse ihren Lauf genommen haben werden, dann sieht er einen Goldpreis von $ 4000/Oz für realistisch an in einigen Jahren. Aber wer seine Sachen ein wenig kennt, weiß ja, dass er in einigen sehr großen und etlichen kürzeren Zyklen argumentiert. So glaubt er, dass ein längerer Zyklus begonnen hat, der eine generelle Abwendung von Vertrauen in staatliche (Zahlungs)Versprechen beinhaltet und damit grosso modo eine Hinwendung zu privatwirtschaftlichern Aktivitäten, wie sie an den Aktienbörsen ihren Niederschlag finden – kurzum, die nächsten Jahrzehnte würden demzufolge eher den Aktienmärkten gehören und nicht mehr den Staatschuldenmärkten, die sich als unfinanzierbar erweisen werden.
Ich denke, man sollte Armstrong weiterhin im Auge behalten, sprich seine Thesen zur Kenntnis nehmen und an der Realität überprüfen. Um ehrlich zu sein, von meiner ökonomie- und goldbezogenen „Leseliste“ musste ich in den vergangenen Monaten etliche streichen, weil sie einfach zu oft falsch lagen, was bedeutet, dass in ihrem Denken und Urteilen zu viele Fehler vorliegen, aus Starrsinn wohl zumeist, aus einem Unvermögen, angesichts veränderter Umstände die entsprechenden Konsequenzen zu ziehen. Vor allem, was die zeitliche Dimension der Abläufe angeht.
Grüße
auratico