Beiträge von auratico

    Der parallel zum Gipfel von London gelandete Coup der USA war die erhebliche Aufweichung der Bilanzregeln für unter Wasser stehende Wertschriften, freilich nur für die eigenen Banken. Hinkünftig dürfen die US-Banken wieder Phantasiepreise nach eigenem Gutdünken für Schrottpapiere festsetzen und damit ihre Bilanzen schonen. Der Verkaufs- und Abschreibungsbedarf ist dann plötzlich wie weggeblasen. Dies bedeutet natürlich auch einen erheblichen Wettbewerbsvorteil gegenüber allen Banken außerhalb der USA, denen dieser erneute Betrug (noch) nicht möglich ist.


    Um gut 20% sollen die Bilanzen der US-Banken durch diesen Trick optisch besser ausfallen im kommenden Quartal. Das ist erneut ein eindeutiger "Kulturkampf" zwischen USA und EU. Für die USA würde es einen entscheidenden Triumph bedeuten, wenn Europa ihnen bei diesem offenkundigen Trickster-Schritt bald folgen müsste, denn damit hätte man wieder eine klare Deutungsmacht über den "Stand der Dinge" erlangt und die neuerliche Lizenz fürs unendliche Nebelkerzenwerfen als Erster verbrieft. Das war damit gemeint, wenn Obama immerfort davon spricht, dass die USA die "leading role" beibehalten müssten.


    Non-US banks to miss out after accounts shift


    Published: April 2 2009


    Banks following international accounting rules will not get the break awarded to their US rivals, the international standard setter announced Thursday.


    The US Financial Accounting Standards Board agreed on a rushed change to its rules that relaxes “fair value” accounting by allowing banks more freedom to use their own valuation models, rather than current market prices, for assets where markets have become illiquid.


    The rule change is expected to boost first-quarter profits of many banks by allowing managers to recalculate the value of some troubled assets.


    http://www.ft.com/cms/s/0/3f19…abdc0.html?nclick_check=1


    Banken wird Schönrechnerei erlaubt


    Was sind faule Papiere in den Bankbilanzen wert? Bislang galt die Regel: Schreibe nur in die Bilanz, was du am Markt erzielen könntest. Das ist nun de facto abgeschafft: Auf Drängen des US-Kongresses hat der amerikanische Bilanzierungsrat FASB die Richtlinien für Geldhäuser gelockert.


    Analysten schätzen, dass US-Banken damit den Abschreibungsdruck lindern und ihr Nettoergebnis im ersten Quartal um 20 Prozent verbessern können.


    Das IASB jedoch sperrt sich dagegen, den Amerikanern rasch zu folgen.


    http://www.ftd.de/unternehmen/…nerei-erlaubt/495999.html


    grüsse
    auratico

    Wäre es möglich, daß die Banken durch diese neue Bilanzierung den Kreditschrott zu diesen neuen Mondpreisen als Sicherheit den Notenbanken "verkaufen" können? Könnte es sein, daß damit die Hilfsgelder "zurückgezahlt" werden?


    Natürlich steckt das hinter der Sache, das ist die buchhalterische Entsprechung zu Geithners public/private-Schrottentsorgung. Damit ist endgültig jede marktgerechte Bewertung der toxischen Papiere verunmöglicht. Die Käufer wiederum wie z.B. Hedgefonds werden ihrerseits verlangen, dass ihnen jede spätere allfällige Zurücknahme dieser Phantasiebewertungen abgegolten wird bzw. sie davon ausgehen können, dass die Bewertungen der Banken beim Kauf staatlich garantiert werden.


    grüsse
    auratico

    Wenn das mal stimmen sollte! Der gute Jim Willie beruft sich auf diverse Informanten, denen zufolge es eine grossangelegte, wenngleich freilich hinter verschlossenen Türen operierende "Aufklärungsbewegung" (die Gläubigerstaaten der USA z.B) geben soll, die im grossen Stile die politisch-ökonomischen Schweinereien der US seit der Ära Papa Bush ans Tageslicht bringen und juristisch belangbar machen wil. Die "whistleblowers" aus früheren Administrationen würden sich durch ihre Beteiligung an einer solchen Aktion Straffreiheit erhoffen dürfen. Hört sich ein wenig nach KGB-Wunschdenken an.


    Wie viel auch immer davon wahr sein sollte, Willie ist jedenfalls ganz aus dem Häuschen und verspricht, demnächst Genaueres darüber zu berichten.
    Man kann es nur schwer glauben, denn das Ganze käme ja fast einem Tribunal über das Unwesen der Finanz-und Politeliten während der letzten Dekaden gleich:


    HIDDEN PROSECUTION PROJECT


    Certain contacts of mine have been especially valuable in sharing information concerning important events behind the scenes. Only about 25% of news ever reaches the public networks. Perhaps another 50% reaches the myriad internet journals. That leaves 25% which never is reported, too sensitive, too privileged, too dangerous, too deadly at times. One colleague has numerous connections on at least three continents, and has been very active in sending messages over the past weekend. The news knocked me off my feet! That is not easy to do. It seems the G20 Meeting has another agenda, as a group has assembled in the last few months, one with a purpose to pursue justice, prosecution, restitution, anticipated to employ leveraged actions behind the curtains. Details will be provided in the upcoming April Hat Trick Letter, as events are still fluid and information is being collected. The Spanish Govt has already begun criminal proceedings against certain Wall Street executives.


    The G20 Meeting is doubling as a forum for legal prosecutors of unknown identity. They are accepting evidence from players within the Papa Bush & Bush Jr & Clinton Administrations regarding criminal syndicate behavior extending since 1980. The climax of the Carter era was the Iran Contra deal and the disastrous mission to rescue Tehran hostages. My view is simpler, that the 1981 date marked the Papa Bush era of control, complete with burgeoning narcotic activity with protected US security organizations, whose channels of money reached Wall Street, with full knowledge by the US Federal Reserve. Those providing evidence, data, documents, and testimony hope to achieve some degree of immunity from prosecution. Many questions arise from such a noble ambitious and dangerous pursuit. They are covered in the April HTL report. My belief is that USTBond creditor nations, who have been victimized in the trillion$ by US sponsored bond fraud, are seeking justice before losses are compounded with USTBonds and USAgency Bond damage. They have formed committees that at later dates might serve as bankruptcy receivership committees. The granted authority for prosecution is a big question. Perhaps secret CIA prisons in Europe will come into usage, and 12-figure accounts will be frozen. One can only hope. The risks are enormous for syndicate response in retaliation and defense. They have formidable weapons, not discussed here.


    vom Ende des Artikels aus:


    http://financialsense.com/fsu/…als/willie/2009/0402.html


    grüsse
    auratico

    Wenn man sich das Communiqué des Gipfels von London durchliest, findet sich unter Punkt 5 ein Hinweis darauf, dass ein Teil der den Entwicklungsländern versprochenen Gelder durch Goldverkäufe des IWFaufgebracht werden soll. Allerdings heisst es in der betreffenden Passage, dies solle im Rahmen des Goldverkaufabkommens des IWF geschehen.


    Wohl zu früh, um zu wissen, was hier wirklich gespielt werden wird. Dazu müsste man wissen, ob sich die im Text erwähnten "agreed sales" nur auf das derzeitige Abkommen beziehen oder ob es gegebenenfalls eben ein neues "agreement" mit dann höheren Verkaufsmengen geben wird. In der Vergangenheit konnte man jedenfalls immer bedenkenlos kaufen, wenn Gordon Brown auf den Goldverkaufknopf gedrückt hat. Einen besseren Kontraindikator hatte die Goldinvestorengemeinde in jüngster Zeit noch nicht besessen. Diesmal wieder?



    5. The agreements we have reached today, to treble resources available to the IMF to $750 billion, to support a new SDR allocation of $250 billion, to support at least $100 billion of additional lending by the MDBs, to ensure $250 billion of support for trade finance, and to use the additional resources from agreed IMF gold sales for concessional finance for the poorest countries, constitute an additional $1.1 trillion programme of support to restore credit, growth and jobs in the world economy. Together with the measures we have each taken nationally, this constitutes a global plan for recovery on an unprecedented scale.


    http://www.londonsummit.gov.uk…ws/?view=News&id=15766937


    grüsse
    auratico

    Allmählich werden die Aussagen und ersten Anstrengungen zur Errichtung einer zentralen Verrechnungsstelle mit offiziellen Preisfeststellungen für OTC-Derivate konkreter. Die Einführung einer solchen Clearingstelle würde, unter der Voraussetzung, dass hier nicht wieder allein die beteiligten Grossbanken selbst die Regeln festsetzen, eine immense Verbesserung der katastrophal unübersichtlichen Situation hinsichtlich der Solvenz der Gegenparteien bedeuten.


    Anscheinend geht die Initiative von der New Yorker Fed aus. Dennoch gibt es, bei aller leisen Hoffnung, genug Gründe, um nun nicht jede Skepsis über Bord zu werfen. Denn es sitzen bekanntlich in der jetzigen Obama-Administration genau die gleichen Leute, die vor 11 Jahren die ungemein kluge und verantwortungsbewusste damalige Leiterin der CFTC, Brooksley Born, mit aller nur denkbaren Lobbyistenmacht davon abgehalten haben, die wildwuchernde Derivateindustrie angemessen zu regulieren.


    In der Zwischenzeit haben diese (nochmals: heute wieder von Obama inthronisierten) Handlanger der Wall Street mit diesem Schrott mächtig abgesahnt, die Rechnung wird nun mit zehnjähriger Verspätung an die Steuerzahler mit sattem Aufschlag weitergereicht. Hätte sich schon damals alles recht leicht verhindern lassen mit:


    New York Fed to Push Banks to Open Credit Clearing to Clients



    By Matthew Leising and Shannon D. Harrington


    April 1 (Bloomberg) -- Federal Reserve Bank of New York officials will today urge Wall Street banks to offer hedge funds and other clients access to clearinghouses that protect against losses in the $28 trillion credit-default swaps market.


    http://www.bloomberg.com/apps/…sid=afSgjzTRIBxM&refer=us



    Falls sich jemand für die damaligen Vorgänge um die vergebliche Regulierung (mit heute wieder aktivem Personal) der OTC-Derivate interessiert:


    http://en.wikipedia.org/wiki/Brooksley_E._Born


    http://atimes.com/atimes/Global_Economy/KD02Dj03.html


    grüsse
    auratico

    Hier die aktuellen Zahlen der EZB zu ihren Goldreserven und Goldforderungen: man hält derzeit Gold im Wert von 217, 5 Milliarden €.


    ECB-Gold reserves down by 82 mln euros in wk


    FRANKFURT, March 31 (Reuters) - Gold and gold receivables held by euro zone central banks fell by 82 million euros ($109.3 million) to 217.543 billion euros in the week ending March 27, the European Central Bank said on Tuesday.


    Gold holdings fell because of a sale by one euro zone central bank, consistent with the 2004 Central Bank Gold Agreement, the ECB said.


    http://uk.biz.yahoo.com/310320…rves-82-mln-euros-wk.html


    grüsse
    auratico

    Zitat

    quote='Donnerschlag',
    Es ist erfreulich, wenn diese Fragen wenigstens bezüglich AIG öfter gestellt werden, aber greift das nicht viel zu kurz? Warum nur AIG? JEDER in den USA hat doch um die steigenden Immobilienpreise gewußt. Und wie kamen diese zustande? Nicht nur, indem diese Hypotheken zu Paketen geschnürt und weiterverkauft wurden. M.M.n. wurde das erst mit den Credit Default Swaps überhaupt möglich: ohne der Versicherung gegen fallende Hypothekenpreise wären diese bei weitem nicht so gefragt gewesen und damit wäre es nie dazu gekommen.


    Aber genau darum geht es ja bzw. sollte es im Zuge einer juristischen Aufarbeitung gehen. Wenn sich nämlich herausstellen sollte, dass die in diesem Rahmen betriebene Praxis der CDS-Versicherungswetten von vornherein unlauter war, weil ohne jede Möglichkeit, im Bedarfsfalle wirklich aus eigener Kraft zu bezahlen. Die Einschätzungen der einzelnen Kreditderivate beruhten, wie sich immer deutlicher zeigt, auch auf seiten der ausgebenden AIG fast ausschliesslich auf den Ratings der Agenturen, was ein absoluter Irrsinn ist und natürlich auch nicht gesetzeskonform.


    Zitat

    Auch geift es ja viel zu kurz, wenn man jetzt sagt, daß die Deutsche Bank Steuergeld vom Bailoutprogramm erhalten habe. Die DB hat nun mal CDS, also Versicherungen gegen fallende Hypothekenpreise bei AIG abgeschlossen. Hier nicht zu bezahlen, würde einen Vertragsbruch bedeuten und es wäre das Ende jeglicher Rechtssicherheit bei internationalen Geschäften. Das sofortige Aus des Welthandels. Pacta sunt servanda.


    Im Rahmen eines als unlauter erkannten Geschäftsvorgangs sind die pacta dann aber eben nicht mehr servanda, sondern schnellstmöglichst einzustellen. Im Grunde wird das gesamte Geschäft mit Zins- und Kreditausfallsderivaten von nur 5 Adressen dominiert (zuvor auch noch von Lehman), die ihrerseits alle im grossen Stile sich kollektiv im Stall bei AIG eingefunden haben. Der überwiegende Teil des gesamten Derivatehandels ist eine Art Inzestbetrieb zwischen diesen wenigen Grossbanken (wenn auch mitunter nur als Broker, was man aber nie erfahren wird) mit dem Primus JP Morgan an vorderster Front. AIG hat in diesem inzestuösen Gaunerring gerne die Rolle der Gegenpartei übernommen.


    Es ist eine irrige Annahme, dass eine andere Abwicklung als die nun in aller Eile zu Lasten der Steuerzahler vorgenommene die gesamte Weltwirtschaft in Grund und Boden gestampft hätte - wenn man nicht ohnehin glaubt, dass dies gerade geschieht. Das ist genau das Bild, dass die US-Finanzeliten um den Oberspitzbuben Geithner herum (und zuvor Paulson) der Öffentlichkeit weismachen will. Es geht umgekehrt nur darum, solange als nur irgend möglich, diese Sicht der Dinge aufrechtzuerhalten, um selbst im grössten Niedergang noch von den zuvor installierten gemeingefährlichen Praktiken zu profitieren. Weiters wird gerade versucht, durch diese so durchsichtigen Rettungsaktionen zugunsten von Grossabanken, die schon lange mit der produzierenden Wirtschaft nichts mehr zu tun haben wollen, einen Bankentrust mit nur noch wenigen Beteiligten zu schaffen - nicht unähnlich dem Bankenmodell in Italien unter Mussolini.



    Zitat

    Natürlich war das ein Pyramidenspiel - aber nicht auf AIG beschränkt. Die gesamte politische und ökonomische US-Führungsschichte ist der Betreiber gewesen: die USA stellen also in ihrer Gesamtheit organisierte Kriminalität eines Pyramidenspiels dar.


    Es wäre doch nicht schlecht, wenn sich diese Sichtweise langsam durchsetzen würde. Je früher, desto besser. Anstatt aber einfach alles in Bausch und Bogen mit bitterer Miene zu pauschalisieren, wäre es wichtig, Stück für Stück dieses tiefverwurzelten Finanzdebakels freizulegen und vor der (hoffentlich interessierten) Öffentlichkeit zu filetieren.


    grüsse
    auratico

    Über diesen Schrottladen, einen der allerschlimmsten, wurde hier früher fleissig gepostet im eigenen Faden:


    Apex Silver Mines Ltd. WKN 910 898 ISIN KYG040741038 SIL


    Nach der Pleite unter Chapter 11 werden sie nun als Golden Minerals weitergeführt.


    Noch sind deren neue Aktien wohl nur im Freiverkehr handelbar, später wollen sie ein Listing an der Börse in Toronto erreichen.
    Die Anteile an der San Cristobal Mine wurden an Sumitomo verkauft. Wie weit da auch noch der bolivianische Staat bei San Cristobal drinsteckt, weiss ich nicht mehr genau.


    Apex ist ein Paradebeispiel für die weitverbreitete Inkompetenz im Minensektor. Die waren geheged bis über beide Ohren.
    Die Halter der Wandelanleihen in der Höhe von 290 Millionen $ werden mit Barmitteln bis maximal 45 Millionen abgefunden.
    Da diese Gläubiger vorranging sind und deren Forderungen nur zum Teil erfüllt werden, dürften die alten Aktionäre von Apex mit grosser Sicherheit leer ausgehen.


    Nicht unbedingt das geeignete Vehikel für jemand "ohne Erfahrung".


    grüsse
    auratico

    Inzwischen kann es kaum mehr Zweifel daran geben, dass die von einigen Grossbanken (Deutsche Bank, Citi etc.) für die ersten Monate des laufenden Jahres gemeldete "erfreuliche Ertragssituation" massgeblich aus den von AIG (= Steuerzahler) erhaltenen Summen und nicht aus normaler Geschäftstätigkeit stammt. AIG hat dafür direkt die von der Regierung erhaltenen Gelder in zuvor unfassbarer Höhe verwendet. Diese ach so tollen überraschenden Gewinne, mit denen man wiederum die jüngste Kursrally der Bankaktien anschieben konnte, sind in der deutlichsten nur vorstellbaren Art ganz einfach und direkt Steuergelder und nichts anderes.


    Es handelt sich bei den von AIG an die Gewinner der Derivatwetten ausgezahlten Gelder ja nicht um staatliche Garantien oder eine Überbrückungsfinanzierung etc., sondern diese Gelder sind schlicht und ergreifend weg. Das müssen die US-Steuerzahler auf breiter Front unbedingt begreifen, während sie von den Medien, die den Zorn der Menschen gezielt auf den Nebenschauplatz der anhaltenden Bonizahlungen umleiten, immer noch kaum substanzielle Informationen über den wahren Charakter der OTC-Derivate erhalten.


    Inzwischen kommt auch der Verdacht auf - und hoffentlich wird dies auch Gegenstand behördlicher Untersuchungen -, dass ein Grossteil dieser abrupt vorgenommenen Auszahlungen von bisher ca. 60 Milliarden branchenunüblich vorgenommen wurde. In dem Wissen, dass ohnehin der Staat einsteigen würde, kam es dabei auf keinen herkömmlichen Preisfindungsmechanismus mehr an, sondern man hat die Gegenparteien ohne langes Wenn und Aber einfach grosszügigst abgefunden, weil es ohnehin nicht mehr das eigene Geld war. Warum sich dann noch lange abmühen? Diese Praxis wird solange weitergehen können, bis endlich ein Bewusstsein dafür entsteht, welche Ungeheuerlichkeit sich dahinter verbirgt. Erst dann wird man diesen Laden und andere endlich zusperren. Doch bis dahin wird die obszöne Selbstbedienungsmentalität der Finanzbranche auf Kosten der Steuerzahler leider weitergehen. Kaputte Derivate zur "korrekten Abwicklung" gibt es noch genug...


    Der untenstehende Link ist in dieser Hinsicht sehr aufschlussreich, und ich stelle ihn vor allem zu Archivzwecken hier ein, obwohl die Materie für Leute ganz ohne Kenntnisse der Derivatmärkte wohl zu umständlich sein wird:


    AIG Was Responsible For The Banks' January & February Profitability

    AIG, knowing it would need to ask for much more capital from the Treasury imminently, decided to throw in the towel, and gifted major bank counter-parties with trades which were egregiously profitable to the banks, and even more egregiously money losing to the U.S. taxpayers, who had to dump more and more cash into AIG, without having the U.S. Treasury Secretary Tim Geithner disclose the real extent of this, for lack of a better word, fraudulent scam.


    http://zerohedge.blogspot.com/…esponsible-for-banks.html


    grüsse
    auratico

    Die langsam ans Tageslicht kommenden diversen Schneeballsysteme werden von Tag zu Tag interessanter hinsichtlich ihrer Struktur.
    An dem Fall des im Januar 2009 festgenommenen Nicolas Cosma, bei dem es um ca. 400 Millionen $ geht, lässt sich erkennen, wie viel juristisch-politische Brisanz in diesen Ponzi Schemes noch verborgen liegt. Auch in Bezug auf den Handel mit Rohstoffterminkontrakten dürfte die Sache noch einiges offenbaren.


    Cosma hatte Investoren vorgegaukelt, er stecke ihr Geld in hoch verzinste Überbrückungskredite an Immobilienfirmen, die kurzfristig Liquidität benötigen.
    Tatsächlich aber wurde das Geld für Spekulationen mit Future-Kontrakten an den Rohstoffbörsen verwendet.
    Der Clou dabei aber war, dass die Bank of America offensichtlich ein eigenes, offizielles Büro samt Mitarbeitern innerhalb von Cosmos Firma Agape unterhalten hatte.


    Kaum vorstellbar, dass diese absonderliche Praxis ein Einzelfall bleiben wird und kaum vorstellbar ferner, dass die von der Bank of America mitten in dieses Schneeballsystem hinein verpflanzten Mitarbeiter von all dem nichts gewusst haben sollten:


    Bank of America was at the epicenter of this scheme,” said the lawsuit, which seeks $400 million in damages from the bank and other defendants. “Without Bank of America’s participation, the scheme would not have succeeded and grown to such an enormous size.”


    In addition, Bank of America provided on-site representatives at Agape with bank equipment and computer systems that allowed direct access to the bank’s accounts and systems, the suit said.


    “Essentially, Bank of America established a fully functional bank branch manned by its own representatives within Agape’s offices, which is contrary to normal banking practices,” the lawsuit said. As a result, the bank’s representatives had “actual knowledge” that Mr. Cosmo was “diverting money to his own account” and “engaging in virtually no legitimate business whatsoever.”


    http://www.nytimes.com/2009/03…?_r=2&partner=rss&emc=rss


    grüsse
    auratico


    Ja, danke. Es wird nur dabei so getan, als sei dies einfach nur eine angedachte Möglichkeit, und es wird nicht im gleichen Atemzug hinzugefügt, dass das für Deutschland etwas völlig anderes bedeutet als für die sogenannten PIGS oder Club Med-Länder. Die verklausulierte Sprache ist ebenfalls auffällig, denn es wird nicht dabei bleiben, einfach irgendwelche Leihfristen für bereits bereitgestellte Liquidität zu verlängern. Diese Äusserungen zielen darauf ab, die Eurozone auf klassisches quantitative easing einzustimmen.


    Jetzt sollen sich mal die Buba-Leute dazu äussern, wenn sie den Mumm haben.


    grüsse
    auratico

    Die USA versprechen im Eilverfahren, die Finanzmärkte streng zu regulieren. Natürlich erwartet die angelsächsische Welt nun von der EU vor dem Gipfel in London im Gegenzug, dass auch sie in grossem Stile dem bislang offiziell abgelehnten quantitative easing wie in USA und England folgen wird.


    Die in der deutschen Presse noch gar nicht wahrgenommenen jüngsten Äusserungen von EZB-Vizepräsident Lucas Papademos weisen deutlich in diese Richtung, wenn er davon spricht, dass die EZB wohl bald alle möglichen Unternehmensanleihen direkt oder auf dem Sekundärmarkt aufkaufen werde. Dies würde einen erheblichen Tabubruch bedeuten - deswegen auch lässt man es nicht von einem Deutschen aussprechen - und wird natürlich wie immer Deutschland die gewohnte A....karte zuschieben.


    Die englische Systempresse jubelt bereits über die endlich aufsteigenden Eurocopter, denn die bislang eingeschlagene Richtung sei gar "kriminell" gewesen:


    Europe fetches the monetary helicopters, at long last


    Rejoice. After much pious posturing – and criminal wastage of time – the European Central Bank at last seems ready join the Anglo-Saxons, Japanese, Swiss, and Isrealis in printing money to fend off disaster.


    Until now the ECB has offered unlimited liquidity in exchange for collateral from banks. That is not the same thing at all. It is sterilized stimulus. The bank has adamantly refused to cross the Rubicon by scattering money through the economy in real blast of QE. (quantitative easing)


    The bank's vice-president Lucas Papademos (ex-MIT, a heavy-weight) said: "It may be warranted that the central bank purchases private sector bonds to enhance liquidity. No decision has been taken, but it is a possibility that could improve the markets".


    One suspects that Bundesbank chief Mr Weber does indeed understand what is happening but knows that once the ECB starts buying bonds, it is on the slippery slope to an EU debt union – at German expense. The pressure to bail out Club Med governments may become unstoppable. He is right about that.


    http://www.telegraph.co.uk/fin…copters-at-long-last.html


    grüsse
    auratico

    Nach jahrelangem Murmeltierdasein ist die Börsenaufsicht SEC durch den endlich aufgebauten öffentlichen Druck ein wenig in die Gänge gekommen. Mehr als ein Warmlaufen dürfte das bisherige Geschehen aber noch gar nicht gewesen sein. Auch wenn es hinkünftig vermutlich gar nicht mehr um solche Riesensummen wie bei Herrn Madoffs charmanten Vehikel gehen wird, so wird jetzt doch die Schlagzahl der auffliegenden Schneeballsysteme höher. Jetzt erst werden die ersten, bislang unerreichbaren Offshore-Gesellschaften gegrillt - und davon gibt es noch hunderte.
    "Nur" 68 Millionen diesmal, aber eben nach dem inzwischen schon vertrauten Schema:



    SEC Halts $68 Million Ponzi Scheme Involving Caribbean-Based Bank and Swiss Affiliate



    Washington, D.C., March 26, 2009 - The Securities and Exchange Commission has obtained an emergency court order halting a $68 million Ponzi scheme involving the sale of fictitious high-yield certificates of deposit (CDs) by Caribbean-based Millennium Bank.


    The SEC alleges that the scheme targeted U.S. investors and misled them into believing they were putting their money in supposedly safe and secure CDs that purportedly offered returns that were up to 321 percent higher than legitimate bank-issued CDs.


    http://www.sec.gov/news/press/2009/2009-68.htm


    Aha, sehe gerade, dass es in der New Yorker Kunstszene heute um ähnliche Summen geht - ein Kunstwerkschneeballsystem.
    Interessant auch, was sich so profunde Kunstkenner wie das ehemalige Tennisas John McEnroe für Renditen durch den Erwerb von Kunstwerken erwartet haben. So etwas kann eben Boris Becker in der Besenkammer bestimmt nicht geschehen:


    Art Dealer Is Charged With Stealing $88 Million


    Investors like the tennis star John McEnroe said he had put up $162,500 for Salander-O’Reilly to buy art and then resell it at a profit. He sued, saying that Salander-O’Reilly had promised to pay him $325,000.


    Another investor, Roy Lennox, a hedge fund manager, said he had given Mr. Salander far more money—$3.575 million—and had been promised a $3.725 payback. But Mr. Lennox said in court papers that Mr. Salander had paid him only $958,332.


    One lawsuit described the gallery as ”nothing more than a Ponzi scheme,” and at least one artist’s family went to the police.


    http://www.nytimes.com/2009/03…ion/27indict.html?_r=1&hp



    grüsse
    auratico

    Für einen Azubi im Buchhandelsgewerbe könnte dies demnächst bei der Prüfung eine gefährliche Fangfrage werden. In welches Regal gehört das von Hank Paulson angekündigte Buch ?


    Science Fiction/Märchen/Finanzpornographie/Humor/Raubtiere/Lebenshilfe ?


    Am ehesten wahrscheinlich gehört es auf einen neuen index librorum prohibitorum:


    "Der frühere US-Finanzminister Henry Paulson will seine Erinnerungen an die Bankenkrise unterdessen in einem Buch aufschreiben. Das Werk soll im Oktober erscheinen, wie Paulson der Nachrichtenagentur Associated Press mitteilte. „Ich hoffe, dass einige Lektionen, die ich gelernt habe, anderen helfen werden.“


    http://www.handelsblatt.com/po…n-der-wall-street;2215808


    grüsse
    auratico


    Geithner hat ja vorgestern die sogenannten Märkte damit überrascht, dass er sich in bester Heuchlermanier an dem Vorschlag aus China bzgl. Sonderziehungsrechte interessiert zeigte bzw. "offen" sei, wie das in der Sprache der Politik eben so heisst. Er hatte aber dann auch zugegeben, dass er den Vorschlag des chinesischen Zentralbankchefs noch gar nicht gelesen habe. Wer mehr wissen möchte als Geithner:


    Reform the International Monetary System


    Zhou Xiaochuan


    http://www.pbc.gov.cn/english/detail.asp?col=6500&id=178


    Zàijiàn


    auratico

    Ohne irgendwelche Details anzuführen, hat Geithner soeben zumindest eindeutig angekündigt, dass es hinkünftig eine Clearingstelle für CDS-Derivate und ähnliche Derivate wie z.B. Zinsswaps geben wird. Das allein wäre schon eine kleine Sensation, obwohl diese neue Regelung mit grosser Sicherheit nicht für bereits emittierte Derivate gelten wird können. Die Gewinne aus den laufenden Derivatwetten werden bestimmt auch weiterhin noch aus den steuerfinanzierten Rettungspaketen bezahlt werden. Die bislang bekannt gewordenen Summen decken ja nur die Zahlungen bis Ende 2008 ab.


    Ja, es wäre sogar vorstellbar, dass die ohnehin trotz Riesenkrise immer noch gewaltigen Derivatwetten noch einen weiteren Run erleben, bevor die später emittierten dann unter die Kontrolle einer wie auch immer gearteten Clearingstelle geraten werden. So haben es zumindest die deutschen Landesbanken gemacht, die sich kurz vor Auslaufen ihrer Kreditprivilegien noch bis zum Hals mit Subprimehypotheken und den entsprechenden Derivaten vollgestopft hatten.


    Hinzukommt, dass mit Geithner & Co (vor allem Summers und Rubin) nun eben jene Figuren sich als grosse Regulatoren gebärden, die sich in der Vergangenheit gegen jede Regulierung von Hedge Fonds und OTC-Derivatenmärkten gewehrt hatten. Nun tönt es plötzlich ganz anders:


    "Appearing on Thursday before the House financial services committee, Mr Geithner said that “our system failed in basic fundamental ways” and described his reform of regulation as “not modest repairs at the margin, but new rules of the game”.


    grüsse


    auratico


    Das sollte mal der Butler untersuchen....dann würde man sehen, ob der aufjault oder nicht


    Vor ca. zwei Jahren hatte ich einmal einen E-Mail-Austausch mit Tom Szabo (http://www.silveraxis.com) über diese Frage, die für Butler, der den Londoner Markt aus unerfindlichen Gründen vollkommen ignoriert, gar nicht zu existieren scheint. Tatsache ist, dass ausser den Beteiligten niemand etwas Genaues über den Umfang und die qualitative Natur der OTC-Geschäfte wissen kann, da sie definitionsgemäss ausserbörsliche Transaktionen zwischen einzelnen Geschäftsparteien sind. Da hilft dann auch der ritualisierte Hinweis auf die konzentrierten Shortpositionen an der Comex nicht weiter.


    Dies bedeutet im Falle eines derart winzigen Marktes wie beim Silber, dass u.U. sich sehr wohl ausserhalb der Termin- und Spotbörsen und deren angegliederten Lagerhäusern erhebliche Mengen an akkumuliertem Silber befinden könnten - z.B. durchaus auch in Form von langlaufenden Lieferverträgen mit oder durch den Besitz von Silberminen. Dies wäre vollkommen legal, denn noch kann jeder mit jedem nach Belieben OTC-Geschäfte eingehen. Butler, der sich vollkommen auf die Comex versteift, scheint diese Möglichkeit entweder nicht zu begreifen oder von vornherein für ausgeschlossen zu halten. Wenn man hingegen die Bedeutung des OTC-Handels für die gegenwärtigen Finanzmärkte auch nur ansatzweise begreift, ist das eine sehr naheliegende Möglichkeit. Dies wäre dann z.B. eine Silberhortung ausserhalb jeder Statistik, deren wahre Gestalt nur die - möglicherweise wenigen - in grösserem Stil daran Beteiligten kennen können. Dass (fast) das gesamte Schema dieser OTC-Geschäfte beim Silber dann doch nur aus Papierkontrakten besteht, ist freilich ebenso möglich. Nur kann man das nicht wissen, und darum geht es doch.


    grüsse
    auratico

    Mich würd auch brennend interessieren, was da genau vorgegangen ist. Und vor allem würd ich gerne die Gedanken aller Beteiligten lesen können :D


    Wenn man mit jeder x-beliebigen Bankaktie 15% und mehr an einem einzigen Tag machen kann und der Dow seinen stärksten Tagesanstieg seit 5 Monaten erlebt, wird selbstverständlich umgeschichtet und die Goldgewinne der letzten Tage werden mitgenommen. Die Aktienmärkte stehen an einem bedeutenden Wendepunkt: entweder ist das heutige Geschehen der Beginn einer zügigen technischen Erholung, die die Shortseller auf dem falschen Fusse erwischt und rasche Gewinne ermöglicht, oder doch nur ein vergeblicher Versuch, Geithners Plänen erstmal einen Vertrauensbonus zu verschaffen. Die Psychologie der nächsten Tage wird hier den Weg weisen. Bald schon könnte wieder die ernüchternde Aussicht auf die schwachen Unternehmensgewinne die Oberhand gewinnen, doch dass die Bankwerte erstmal einen kräftigen Schub bekommen würden, war abzusehen - also haben sich alle dementsprechend verhalten. Mit den meisten Bankaktien konnte man in den letzten Wochen satte Gewinne machen. Heute waren sie narrensichere Selbstläufer.


    grüsse
    auratico

    Und hier haut Eliot Spitzer in die selbe Kerbe wie Endahl: Der eigentliche Skandal ist die Tatsache, dass die Empfänger der ersten "Rettungspakete" nun durch die volle Auszahlung ihrer mit AIG eingegangenen Derivatwetten schon wieder Unsummen an Steuergeldern einstreichen. Diese werden bekanntlich nicht an die produzierende Wirtschaft weitergereicht, sondern gehortet und in neue Spekulationsvehikel gesteckt.


    Niemand an der Wall Street zweifelt daran, dass Spitzers Freudenmädchen-Affäre, die ihn seinen Job als Gouverneur von New York gekostet hat, aus dem Umfeld von AIG kam, die er bereits auf dem Radar hatte. Schade, wenn sich die raren Aufklärer durch Testosteronschübe derart leicht angreifbar machen:


    The Real AIG Scandal


    It's not the bonuses. It's that AIG's counterparties are getting paid back in full.
    By Eliot Spitzer


    Everybody is rushing to condemn AIG's bonuses, but this simple scandal is obscuring the real disgrace at the insurance giant: Why are AIG's counterparties getting paid back in full, to the tune of tens of billions of taxpayer dollars?


    What is the deeper relationship between Goldman and AIG? Didn't they almost merge a few years ago but did not because Goldman couldn't get its arms around the black box that is AIG? If that is true, why should Goldman get bailed out? After all, they should have known as well as anybody that a big part of AIG's business model was not to pay on insurance it had issued.


    http://www.slate.com/id/2213942/


    Inzwischen hat Goldman Sachs, die nur bis Jahresende 2008 gut 12 Milliarden von AIG kassiert haben, auf Spitzers Frage nach ihrer Verquickung mit AIG geantwortet. Sie behaupten, dass sie auch im Falle eines Zahlungsausfalls durch AIG keine grösseren Verluste hätten hinnehmen müssen, denn ihre Positionen bei AIG seien ihrerseits wieder bei weiteren Drittparteien abgesichert gewesen. Wer´s glaubt, wird selig. Bei wem denn wenn nicht bei einem weiteren technisch insolventen Beteiligten dieses enormen Schneeballsystems sollten sie denn "abgesichert" sein?


    Und ausserdem: wenn dem so sein sollte, hätte man ja die Derivatensparte von AIG locker pleite gehen lassen können, wenn es ohnehin branchenüblich ist, alle Positionen nochmals anderswo abzusichern. Welch ein Lügengespinst!


    Goldman Maintains It Had No A.I.G. Exposure


    Hoping to tamp down a swirl of speculation over its role in the bailout of American International Group, Goldman Sachs reiterated Friday that its direct losses would have been minimal if the vast insurance conglomerate had failed.


    All along, Goldman has said that its exposure to A.I.G.’s troubles was “immaterial,” because of outside hedges that would have protected it.


    http://dealbook.blogs.nytimes.…ig-exposure/?ref=business


    grüsse
    auratico