Wer sagt denn, daß hinter den Bewegungen des Goldpreises (oder des USD) verschiedene Adressen stehen? A wirft ein paar Tonnen auf den "Markt" und B kauft sie unter anderem Namen ein wenig billiger (oder teurer, im Fall des USD) zurück. Dem formalen Käufer werden vom Initiator seine Auslagen überwiesen. So kann man einen Trend der zu einem Selbstläufer wird erzeugen, und muß nur die Kursdifferenz abschreiben, die man zur Initiierung benötigt. So kann man Milliarden bewegen um den Preis von ein paar Millionen Aufwendungen. Übrigens kann man so auch ganze Lawinen erzeugen: Je schneller B kauft und ich wieder verkaufe und er wieder kauft, desto massiver die Kursbewegung. Die Aufwendungen holt man sich übrigens dadurch zurück, daß man zusätzlich in die gewünschte Richtung gehebelt spekuliert. Man erzeugt selbst die Lawine und spekuliert gleichzeitig darauf. Eine recht sichere Angelegenheit.
Es ist schade, dass angesichts der im Moment auch hier im Forum grassierenden - absolut verständlichen - Nervosität sich die Leute wegen Kleinigkeiten gegenseitig anmachen und herumschmollen.
Denn: der Beitrag von dem hier etwas rüde aufgenommenen User Schiller, aus dem das obige Zitat stammt, ist präzise durchdacht und spricht ganz wesentliche Aspekte an, die oft zu kurz kommen, wenn einfach pauschalisierend ständig von Manipulation der Edelmetallpreise gesprochen wird. Das betrifft, neben der äusserst wahrscheinlichen, hier beschriebenen inzestuösen Vorgangsweise unter grossen Brokerhäusern, eben auch das, was man vereinfachend als "Marktpsychologie" bezeichnen könnte. Da inzwischen nur noch das Christkind an freie Märkte glaubt (ganz bestimmt keiner unter den massgeblichen market movers), hat die kurzfristige Marktpsychologie mit ihrer Medienmacht nahezu vollkommen die Herrschaft über die Marktbewegungen übernommen.
Man muss fairerweise aber auch zugeben, dass es selbst für Privatleute möglich ist, dabei einen guten Schnitt zu machen, unter der wichtigen Voraussetzung, dass man diese Vorgänge täglich mit Argusaugen beobachtet und keine Angst vor kurz- und kürzestfristigen Deals hat und mindestens soviel short wie long positioniert ist (jüngstes Beispiel wäre die am vergangenen Wochenende nach Verkündung der Staatshaftung für F/F völlig vorhersehbare folgende Kurzrally der Finanztitel bei gleichzeitigem massivem Kursverfall von Fannie und Freddie - beides liess sich leicht auf Tagesbasis auch mit deutschen Papieren spielen).
Man lasse einmal die vielen nur in den letzten Wochen und Monaten wie mediale Viren in die Welt gesetzten "ökonomischen Megatrends" Revue passieren: nachdem es weithin hiess, der Ölpreis werde bald die $ 200 durchbrechen, hatte man noch den letzten Kleinsparer dazu gebracht, doch noch schnell zumindest ein Ölzertifikat zu erstehen oder, weil wir ja so sooo viele sind auf dieser hungrigen Welt, auch noch ein wenig Weizen zur Diversifizierung dazu. Zu diesem Zeitpunkt waren die Pusher dieser Thesen, welche langfristig ja durchaus ihre Berechtigung haben (aber eben nicht gut sind für 100% Preissteigerung innerhalb weniger Monate), hier schon längst short.
Oder: die recht abrupte, medial gross inszenierte Hinwendung zu den Problemen der Eurozone führte nicht etwa zu einem Anstieg des Goldpreises, sondern direkt zurück in den US$, obwohl sich dort die monetären Verwerfungen im Tagesrhythmus immer noch höher auftürmen. Die Rückkehr der Anleger in den US$, die absurde, aber eben "vorhersehbare" Rally nach der Verstaatlichung von Fannie und Freddie - all dies zeigt, dass es hier um eine Nabelschnurpsychologie geht. Die völlig überforderten Börsenteilnehmer wissen fundamental nicht mehr ein noch aus und kehren einstweilen einmal heim zur grossen Fiat-Urmutter, die es schon irgendwie richten wird.
Eindeutig wird nun die Karte gespielt, dass dem Rest der Welt erst noch bevorsteht, was die USA schon in voller Breite durchleben. Also müssten sie sich auch als Erste wieder erholen -so die gegenwärtig ausgegebene Losung.
Und an dieser Stelle kommt die hier schon oft ( zuletzt wieder von Schiller) erwähnte fundamentale Besonderheit des US$ zum Tragen, nämlich die potentiell unendliche Verschuldung in der eigenen Währung. Wenn es gelingt, dieser Verschuldung den Schrecken der Nichtrückzahlbarkeit zu nehmen und sie als die globale Steuer der USA für die restliche Welt zu sehen (natürlich uneingestanden), die sie nun einmal ist, könnte die gerade laufende Mentalkampagne schon noch eine gute Weile weitergehen. Und das alles, ohne zu der hier gern als geistige Entlastung angeführten Astrologie Bezug zu nehmen.
Allerdings: Einmal wurde selbst ein harter Knochen wie ich noch fast zum Astro-Gläubigen. Das war anlässlich des bestechenden Charakterporträts, das Spica vor einigen Monaten hier über den regierenden Hosenanzug angefertigt hatte.
Zur Erinnerung, durchaus auch für Astro-Ignorami wie mich geeignet:
http://goldseitenforum.de/inde…&threadID=3969&pageNo=37&
http://goldseitenforum.de/inde…d&threadID=3969&pageNo=38
grüsse
auratico