Mann mann mann, blicken die Beteiligten überhaupt selber noch durch, welche der vielen Lügengeschichten jetzt die wahre ist?
Doch, man kann schon durchblicken, wenn man sich die Mühe macht. Die oben von Imperator eingestellte Meldung gibt die Situation durchaus korrekt wieder. Die Einzelheiten dieses infamen Deals, der keinesfalls der letzte in dieser Art bleiben wird, sind interessanterweise in der deutschen Presse in ihrer vollen Bedeutung noch gar nicht angekommen.
Bear Stearns ist/war bei vielen Derivatgeschäften von JP Morgan die Gegenseite. Wenn etliche dieser Papiere, was sehr zu erwarten steht, weiteren Abschreibungsbedarf haben oder - was ebenso wahrscheinlich ist - irgendwann in näherer Zukunft einmal gänzlich wertlos werden sollten, fällt der Verlust aber eben nicht mehr beim ursprünglichen Verlierer dieser Transaktionen (JP Morgan) an, dessen Counterparty ja insolvent wäre, sondern bei der FED, sprich beim Steuerzahler. JP Morgan muss schlimmstenfalls noch mit 2 Milliarden Verlust aus diesen Monstergeschäften mit Bear Stearns rechnen. Die Risiken im mittleren zweistelligen Milliardenbereich hingegen werden damit sozialisiert.
Vor diesem Hintergrund ist es dann ein Leichtes, ein Quartalsergebnis abzuliefern, dass "besser als von Analysten" erwartet ausfällt, weil man die Risiken ja schon zuvor im Expresstempo aus den eigenen Büchern weg auf die Allgemeinheit hin verschoben hat. Das ist die US-Variante der deutschen Situation bei den Landesbanken. Vom Marketing-Standpunkt aus betrachtet ist die Sache bislang hüben wie drüben perfekt gelaufen. Noch ist z.B. den meisten Bundebürgern überhaupt nicht bewusst, was die Katastrophe bei den Landebanken inkl. IKB wirklich bedeutet. Die Leute haben es zwar irgendwo auf Seite 24 der lokalen Tageszeitung überflogen, doch dass damit der finanzielle Spielraum von Bund, Ländern und Gemeinden dramatisch eingeschränkt wird, werden sie wohl erst im Laufe der Zeit erkennen. Vom Schwimmbad über Strassenerhalt wird jeder kommunale Bereich leiden, und die entsprechenden Trägergesellschaften werden auch niemanden mehr neu einstellen können. Aber hierzulande ist jeder dämliche Zumwinkel für wochenlange Gespräche am Arbeitsplatz und in der Kneipe gut, während die wahre Bedeutung der kriminellen Vorgänge eines vollkommen korrupten globalen Finanzsystems, in dem die teutonischen Provinzmichels sich so pudelwohl gefühlt haben, schlechterdings nicht "rüberkommt" bei der apathisch gewordenen Wählerschaft.
grüsse
auratico