William Engdahl wiederholt seine These, dass die jüngsten drastischen Erhöhungen der Ölnotierungen sich zu ca. 60% (!) aus spekulativen Exzessen ergeben sollen. Bekanntlich wird der Spekulationsanteil von vielen "Experten" in der Regel, von kurzfristigen Übertreibungen in beide Richtungen einmal abgesehen, als wesentlich niedriger angesehen.Die grössten Emittenten und Halter von notleidenden Kreditpapieren (also die hinlänglich bekannten JP Morgans, Goldmans dieser Welt etc.) sind aber auch die grössten Trader von Öl-Futures. Engdahl nun behauptet, dass es diese Adressen seien, die vor allem über den unzulänglich regulierten, intransparenten Futurehandel an der berüchtigten ICE in London (die ihrerseits der Rohstoffbörse von Atlanta gehört, die wiederum von Goldman Sachs mitbegründet wurde) den Ölpreis derzeit wild in die Höhe schrauben können. Weiters werden zahllose Kontrakte ausserbörslich und ohne Börsenaufsicht im Freiverkehr OTC wie auch andere Derivate gehandelt. Damit sollen dann möglichst viel Verluste aus der von den gleichen Stellen mitorchestrierten Kreditkrise aufgefangen werden. Der aberwitzige Anstieg des Ölpreises falle, so Engdahl, der ein Gegner der Peak Oil-These ist, in eine Zeit, da die grössten jüngst explorierten Ölfelder in Saudi Arabien und Irak bald mit der Förderung beginnen können.
Versucht werde nun also, angelockt durch die lachhaft niedrigen Margins von nur 6% pro Ölkontrakt, noch möglichst viele Neuspekulanten und Fonds in den von den grossen Finanzhäusern kontrollierten Öl-Futurehandel zu locken mit neuen Prophezeiungen à la $ 200/Barrel (Goldman Sachs), um denen die Kontrakte zu verkaufen, während man sich selbst unbemerkt, da zum grossen Teil ausserbörslich oder eben an der schwer durchschaubaren ICE , mit grossem Profit von diesen Positionen trennt, ehe der Ölpreis dann wieder deutlich zurückgehen wird.
Da darf man mal auf die künftigen Bilanzen der Grossbanken gespannt sein und sehen, womit sie in den vergangenen Monaten ihr Geld verdient haben - wenn dies überhaupt in die Öffentlichkeit kommen sollte. Jemand wie Engdahl, der ja aus dem Ölgeschäft kommt, würde bestimmt lachen bei diesem letzten Gedanken.
May 21, 2008h
As detailed in an earlier article, a conservative calculation is that at least 60% of today’s $128 per barrel price of crude oil comes from unregulated futures speculation by hedge funds, banks and financial groups using the London ICE Futures and New York NYMEX futures exchanges and uncontrolled inter-bank or Over-The-Counter trading to avoid scrutiny. US margin rules of the government’s Commodity Futures Trading Commission allow speculators to buy a crude oil futures contract on the Nymex, by having to pay only 6% of the value of the contract. At today's price of $128 per barrel, that means a futures trader only has to put up about $8 for every barrel. He borrows the other $120. This extreme “leverage” of 16 to 1 helps drive prices to wildly unrealistic levels and offset bank losses in sub-prime and other disasters at the expense of the overall population.
The oil price today, unlike twenty years ago, is determined behind closed doors in the trading rooms of giant financial institutions like Goldman Sachs, Morgan Stanley, JP Morgan Chase, Citigroup, Deutsche Bank or UBS. The key exchange in the game is the London ICE Futures Exchange (formerly the International Petroleum Exchange). ICE Futures is a wholly-owned subsidiary of the Atlanta Georgia International Commodities Exchange. ICE in Atlanta was founded in part by Goldman Sachs which also happens to run the world’s most widely used commodity price index, the GSCI, which is over-weighted to oil prices.
http://www.financialsense.com/…ls/engdahl/2008/0521.html
grüsse
auratico