Nouriel Rubini heute im Interview im Handelsblatt
- Die Fed wird noch viel mehr Hypotheken aufkaufen müssen - Als Deflationist sieht er die Inflation in USA als wenig bedeutsam an, weil das Wachstum stark zurückgehen wird bei fallenden Rohstoffpreisen - Dollar dabei, einen Boden zu fnden, vor allem wenn ECB Zinsen senken sollte- Rezession wird bis zu vier Quartale andauern
Wie stark ist Europa betroffen?
In Großbritannien, Irland und Spanien muss man aufgrund der dortigen Immobilienkrisen ebenfalls mit einer Rezession rechnen. Außerdem sind viele europäische Firmen als Kreditnehmer direkt von der Kreditklemme betroffen. Die Konjunktur in Deutschland wird wesentlich vom Export und nicht von der Binnennachfrage getragen. Ein Abschwung in Amerika wird deshalb auch die deutsche Wirtschaft treffen, zumal die Exportunternehmen durch den starken Euro noch zusätzlich belastet werden. Ich rechne deshalb mit einem deutlichen Abschwung auch in Deutschland.
Wie soll die Europäische Zentralbank darauf reagieren?
Ich glaube, es ist ein Fehler, auf Zinssenkungen zu verzichten. Die Wachstumsrisiken für Europa sind wesentlich größer als die Inflationsgefahren.
Wo sehen Sie die richtige Balance zwischen Wachstumsförderung und Sicherung der Preisstabilität?
Man muss zwischen den verschiedenen Regionen der Welt unterscheiden. In den USA ist die Inflation sicher das geringste Problem. Durch eine Rezession wird der Preisdruck noch weiter abnehmen. Ich rechne damit, dass die Rohstoffpreise um mindestens 20 Prozent fallen werden. Hier gibt es ganz klar eine Spekulationsblase. In Europa wird man sich noch wundern, wie stark das Wachstum zurückgeht. Das wird dann auch die Inflationssorgen mindern. In Japan rechne ich mit einer Rezession. Das wir die Inflationsrate wieder ins Minus drücken.
Stellt der Dollarverfall eine größere Gefahr für die Weltwirtschaft dar?
Es gibt Anzeichen dafür, dass sich der Dollar seiner Talsohle nähert. Leute sagen heute schon, dass man mit Euro in New York billiger einkaufen kann als in Bangkok. Der Euro ist also deutlich überbewertet. Ab Mitte des Jahres rechne ich außerdem damit, dass der Abschwung in Europa und die Erwartung auf Zinssenkungen durch die EZB den Euro schwächen werden. Der Dollar kann zwar noch für eine Weile auf 1,60 zum Euro absacken. Wenn die Konjunktur in Europa jedoch nachlässt, wird er sich auf 1,50 Dollar zum Euro einpendeln. Der gleiche Trend trifft auf den Yen zu.
http://www.handelsblatt.com/Ne…s-radikal-eingreifen.html
grüsse
auratico