ZitatOriginal von gutso
Heisst das, dass nur 2 % des gehandelten Goldes physisch gedeckt ist?
Nein, das heißt zuerst einmal nur, daß es bei den Terminmarktgeschäften, solange eben keine Kaufpanik ( z.B.Gold in Backwardation für längere Zeit) herrscht, nur selten zur physischen Auslieferung kommt, sondern dort Kontrakte in der Form von Long- und Shortpositionen um die zukünftigen Preise kämpfen, z.B. an der COMEX in New York und an der TOCOM in Tokio. Da dies wie jedes Terminmarktgeschäft ein Derivathandel ist, sind die Positionen stark gehebelt mit nur wenig FIAT-Hinterlegung, von physischem Gold gar nicht zu reden.
Das 30fache der täglichen Goldproduktion wird locker an einem einzigen Future-Handelstag gehandelt. Wie viel physisches Gold die Parteien im "Fall der Fälle" auftreiben könnten, weiss wahrscheinlich niemand ausser die Bullion-Banken selbst und die mit ihnen verflochtenen Hedger und Zentralbanken.
Viel näher an der physischen Lieferung liegt ein Spotmarkt wie der an der LBMA (nicht LME, wie viele irrtümlich glauben) in London und der kontinentaleuropäische Handel in Zürich mit ihren angeschlossenen Lagerhausbeständen. Hier wird weltweit das meiste physische Gold umgeschlagen. Diese Geschäfte mit physischem Gold werden in der Regel im Freiverkehr over the counter abgewickelt mit den beteiligten 6 Clearing-Banken (The Bank of Nova Scotia - ScotiaMocatta, Deutsche Bank AG , HSBC Bank USA London Branch, Barclays Bank PLC, JP Morgan, UBS) .
Alle Kontrakte, die länger als einige Tage laufen, werden als Terminmarktgeschäft abgeschlossen, also derivativ und damit meist in New York oder Tokio. Der "Gewinner" beim Auslaufen/Glattstellen einer Position kassiert dann die Differenz in Cash bzw. es werden Short- und Longpositionen gegeneinander verrechnet. Das ist im Grunde viel näher an den Währungsmärkten dran als an einem herkömmlichen Rohstoff-Termingeschäft mit z.B. Verbrauchsmetallen.
Dass hier im Falle einer möglichen Goldpanik ein erhebliches Risiko liegt, ist evident, weil - und das ist wichtig - im Falle von Masseninsolvenzen der Beteilgten natürlich weder FIAT noch GOLD mehr an die "siegreiche" Seite fliessen wird.
Man sollte aber nicht vergessen, dass die Terminbörsen schon zuvor jederzeit den Laden einfach dichtmachen/einfrieren können. Schon heute dürfen sie gefährliche Loser-Positionen per Stop Loss rauswerfen bzw. sie könnten schon im Vorfeld die Margin-Gebühren steil in die Höhe treiben und damit das Risiko eingrenzen.
Das Volumen dieser Gold-Derivative hat sich in den vergangenen drei Jahren verdreifacht und umfasst nun ca. 50.000 t, also etwa ein Drittel des gesamten je geförderten Goldes. Diese Entwicklung fällt in eine Zeit, da etliche größere Goldproduzenten ihre Hedge-Bücher zurückfahren, also müssen diese Positionen wohl von anderer Seite kommen. Man könnte sie Gold-Kartell, Kabale oder wie auch immer nennen.
Diese Derivatpositionen sind bei einem weiter steigenden Goldpreis extrem gefährdet ,und ihre Zahl geht, z.B. die Gold-Shortpositionen von Goldman Sachs an der TOCOM, entsprechend deutlich zurück. Es hat vielmehr den Anschein, dass man nun versucht, die Drückung über das Shorten der Minenwerte herbeizuführen, was in einem Umfeld allgemein bröckelnder Aktienkurse wohl als die Taktik der Stunde gelten darf.
Nur mit dieser Methode kann man den Goldpreis eventuell nochmals deutlich zurückbringen. Wenn sie für die Shorter schiefgehen sollte, müssten die Minennotierungen steil ansteigen und traditionelles Aktien-Anlagekapital würde massiv hier hereinfließen. Genau das soll mit dem Shorten der Minenwerte immer wieder verhindert werden.
grüsse
auratico