Politik und Nickelpreis bremsen Aktie von Norilsk Nickel
29. September 2004 Rohstoffe sind in, das legt alleine schon die Entwicklung auf den Ölpreis nahe. Er zeigt trotz aller Unkenrufe im Trend nach oben. Es gibt viele Argumente, die für diese Entwicklung sprechen. Allerdings auch Gegenargumente. Eines ist beispielsweise der Hinweis, ein großer Teil der Entwicklung sei auf spekulative Marktteilnehmer zurückzuführen und es könne jederzeit zu einer Korrektur kommen.
Angesichts der offensichtlichen Dynamik des Marktes mag das zwar beinnahe schon frevelhaft klingen. Ein Blick auf die Preisentwicklung bei anderen Rohstoffen jedoch zeigt, wie schnell so ein Trend gebrochen oder zumindest zwischenzeitlich unterbrochen werden kann. So hatte sich beispielsweise der Preis von Nickel von November des Jahres 2001 bis in den Januar des laufenden knapp vervierfacht auf bis zu 2.865 Dollar je Tonne, bevor es in einer deutlichen Zwischenkorrektur wieder nach unten ging auf bis zu 1.689 Dollar. Aktuell liegt der Preis nach einer weiteren „Wellenbewegung” wieder bei 2.410 Dollar je Tonne.
Nachfrage könnte Angebot übersteigen
Über die weitere Preisentwicklung dürfte das Angebots- und Nachfrageverhalten entscheiden. In diesem Zusammenhang passen Äußerungen aus Rußland. So rechnet Norilsk Nickel, der weltgrößte Produzent von Nickel und Palladium, damit, daß die Nickel-Nachfrage bis ins Jahr 2006 hinein das Angebot übersteigen wird. Während die Nachfrage weiter steige, kommen bis dahin keine neuen Förderstätten hinzu, sagte Leonid Roschezkin, der stellvertretende Vorstandschef von Norilsk, auf einer Konferenz in Moskau.
Der russische Bergbaukonzern, der für ein Fünftel der weltweiten Nickelproduktion verantwortlich ist, werde in diesem Jahr 245.000 Tonnen des Metalls liefern und arbeite damit bereits an seiner Kapazitätsgrenze, fügte er hinzu. "Die Zunahme beim Nickelverbrauch übertrifft die Produktion", sagte Roschezkin bei der Investment-Konferenz, die von Brunswick UBS veranstaltet wurde.
Nickel wird beispielsweise dazu benötigt, rostfreien Edelstahl herzustellen. Die Wirtschaft Chinas ist im ersten Halbjahr 9,7 Prozent gewachsen, wodurch die Nachfrage nach Edelstahl für Küchengeräte und andere Waren kräftig anzog. Mit ihr stieg folglich auch die Nachfrage nach Nickel.
Politische Risiken
„Es ist Norilsk gelungen, einen Teil der Kunden für Palladium wiederzugewinnen”, führte Roschezkin aus. Autokonzerne wie PSA Peugeot Citroen und Toyota Motor hatten sich ab dem Jahr 2001 verstärkt Platin zugewandt, nachdem der Palladium-Preis auf Rekordhöhen geklettert war. Seither hat sich des Palladium etwa 80 Prozent verbilligt, während Platin etwa 40 Prozent teurer wurde. Bei Palladium sei inzwischen ein Überangebot auf dem Markt, sagte Roschezkin. Der Preisanstieg bei Platin ist Roschezkin sei darauf zurückzuführen, daß die Nachfrage der Hersteller von Diesel- Fahrzeugen in Amerika und Europa zunehme und auch Schmuckhersteller in China verstärkt zu dem Edelmetall griffen.
Ähnlich wie das Metall korrigierte in den vergangenen Monaten nach einem imposanten Aufwärtstrend auch die Aktie von Norilsk Nickel. Sie liegt aktuell mit Kursen von 62,25 Dollar knapp 23 Prozent unter dem im April erreichten Allzeithoch von 81,20 Dollar. Zumindest der mittelfristige Aufwärtstrend ist zerstört. Die Korrektur dürfte allerdings weniger mit der fundamentalen und der Preisentwicklung an den Rohstoffmärkten allein zu tun haben. Sondern in diesem Fall spielen auch politische Faktoren eine Rolle. Allen voran die Yukos-Krise, die Anleger mit Blick auf russische Unternehmen stark verunsichert hat.
Rein fundamental dagegen scheint das Unternehmen eher günstig bewertet zu sein. Denn Kurs-Gewinnverhältnisse von 7,23 und neun auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr sind sicherlich nicht überzogen. Auch eine Dividendenrendite von 2,27 Prozent auf Basis der jüngsten Ausschüttung ist nicht völlig zu verachten. Insgesamt dürfte der Kauf der Papiere nur für risikofreudige Anleger mit straffem Risikomanagement geeignet sein.
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