Mal ein kurzes Update zum Gasmarkt in Deutschland in der letzten Woche
- Preise des Day-ahead-Preises von 24.3.(114 EUR/MWh) bis heute (116 EUR/MWh) nahezu unverändert, allerdings Zwischenhoch am 24. und zwischenzeitlicher Abfall auf 96 EUR/MWh über die Woche
- Speicherstände Monatsbeginn bis Ultimo nahezu unverändert (saisonal erwartet werden Aufspeicherungen)
- Ankündigung der "Alarmstufe 1" wurde vom Markt nicht quittiert
- Gasflüsse an X-Border "Osten" stabil hoch, deutlich oberhalb des Vorkriegsniveaus.
Spannend:
Es bilden sich v.a. im Intraday-Markt zunehmend Location Spreads zwischen TTF (Holland) und THE (Deutschland) aus. Diese lagen in Vergangenheit bei +-0,3 EUR/MWh und sind jetzt tw. Euro zweistellig zu Lasten THE.
Interpretation der Dinge:
- Es wird in Deutschland massiv eingekauft, sonst würden die Füllstände saisonbedingt abnehmen und nicht stabil bleiben.
- So viel, dass die durchaus üppigen Transportkapazitäten Holland - Deutschland ausgelastet sind und sich Knappheitspreise (Location Spreads) auf der Transportebene ergeben
- Russland (bzw. Wingas/ Wintershall) nimmt das Preisniveau gerne an und verkauft und liefert, was sich in hohen Ost-flows widerspiegelt
Sekundärinterpretation:
- Wenn "jetzt schon" - trotz großer Flows aus dem Osten - die Transportkapazitäten Holland - Deutschland knapp sind, müssen wir im Fall der Fälle nicht auf in Holland angelandetem LNG hoffen. Das kommt schlicht nicht rüber, weil die Leitungen nicht reichen (Ergänzend: Frankreich, Schweiz, Österreich scheidet auch aus). Dann wird's düster
- Russland ist hoch erfreut ob des Preisniveaus; sie verdienen aktuell das in einem Jahr, was sie sonst nicht in fünf Jahren verdient haben. Die werden schön weiter liefern. Ich kann mir im Moment kein Szenario einer wirklichen Abschaltung vorstellen. Kommunikativ Öl ins Feuer gießen, ja, um das Preisniveau hoch zu halten. Aber keine Abschaltung.