Hallo @Rheinmeingebiet,
ich finde den von Dir verfolgten Gedankengang äußerst interessant. In Südafrika hat einen der höchsten Gini-Koeffizienten weltweit; das bedeutet die Einkommen sind extrem ungleich verteilt. In einer Volldemokratisierung kann dies dazu führen, dass eine Umverteilungskaskade mehrheitsfähig wird - zu Lasten der reichen Minderheiten resp. Unternehmen. (Achtung: Möchte jetzt keine Diskussion über Gerechtigkeit oder Ungerechtigkeit lostreten). Dies gilt umso mehr, als dass Südafrika immer noch eine sehr junge Demokratie ist. "Sozialistisch inspirierte Umverteilung" klingt hier in meinen Ohren sehr euphemistisch. Wie solche sozialistisch inspirierten Umbauten von Statten gehen können, konnte man zu Beginn des Jahrtausends in Simbabwe sehen; dort wurden unter sozialen Vorwänden weiße Großgrundbesitzer enteignet und Mugabe etablierte sich anschießend als Despot. Hungersnöte und ein Totalzusammenbruch des Landes waren die Folge.
Was bedeutet das für Südafrika?
Wenn nun Enteignungen - oder quasi-Enteignungen durch entsprechende Repressalien durchgeführt werden, bleiben für den Einfluss auf den Platinpreis nur folgende Fragen:
1) Wie viel Prozent der Produktion wäre von einer "Neubeflaggung" betroffen? -> Ohne mich zu weit aus dem Fenster zu lehnen: Ziemlich viel
2) Glauben wir daran, dass die "neuen" Lenker Gold- und Platinminen zu gleichen Grenzkosten betreiben können wie die alten? -> Nein, das glaube ich nicht, da dies im Wesentlichen ein Know-how- und Größendegressionsgeschäft ist. Die Grenzkosten der Produktion werden steigen.
3) Führt zwei dazu, dass Südafrika auf der Industriekostenkurve für Gold "rauspreist" oder bliebt die Produktionsmenge auch bei gestiegenen Grenzkosten konstant und der Grenzkostenanstieg geht zu Lasten der Produzentenrente? -> Hier kann sicher der ein oder andere Spezialist was sagen, meine Erwartung wäre, dass zumindest Teile der Produktion dann Ihren Betrieb einstellen müssen.
Zu Deiner Frage: Wenn davon noch nichts zu merken ist, scheint der Platinkurs unterbewertet zu sein. Als einzige Erklärung kann natürlich der von Dir schon angesprochene Wechselkurs herhalten. Der würde natürlich bei einem Crash sich noch weiter verbilligen und kompensatorisch auf die Grenzkosten wirken. Hier wäre interessant zu beleuchten, wie viel der Produktionskosten von heimischen "Inputfaktoren" (z.B. Arbeitskräfte) und wie viel von ausländischen getrieben wird. Der billige Wechselkurs wirkt dann natürlich nur auf den "Domestic"-Teil.
Mir juckt es dennoch grade massiv in den Fingern, auf diese Argumentation hin einen Kontrakt zu kaufen.
Viele Grüße
Holger