Interessantes Thema.
Ich denke die Argumente jeder Seite (China Optimisten und China Pessimisten ) haben etwas für sich.
Wie sich China entwickelt ist schwer voraus zu sehen, ohne Zweifel ist China eine gewaltige Macht aber die Frage ist wie fest ihr Fundament tatsächlich ist.
Ich komme beruflich seit ein paar Jahren immer wieder mal nach Ostasien (China, Taiwan, Südkorea), wobei ich meistens in Taiwan zu tun habe.
Was man sagen muss ist das China bei allem Aufschwung jetzt schon gewaltige Umweltprobleme hat und in Zukunft gewaltige soziale Probleme bekommen kann.
Der Auftstieg Chinas zur Wirtschaftsmacht beruht im Wesentlichen auf der Rücksichtslosen Ausbeutung von Mensch und Natur, man kann sagenn das die Fehler hinsichtlich Umwelt- und Menschenzerstörung, die im Westen seit der Industrialisierung gemacht wurden, von China gleichermaßen, aber in Rekordzeit begangen wurden.
Servus blackpearl. Weil es offenbar alle Völker/Epochen genau so machen, ist der Begriff "Fehler" vielleicht fehl am Platze. Rücksichtslose Ausbeutung von Mensch und Natur ist der Preis/die Voraussetzung für Konsum- und damit Wohlstandssteigerung. Die allermeisten Menschen wollen aber Konsum- und Wohlstandssteigerung. Den Preis dafür versucht man so lange wie möglich andere zahlen zu lassen oder zu verdängen - und wenn das nicht (mehr) geht, dann muss man zähneknirschend selbst den Preis zahlen (Steuer-Subventionierung Öko-Industrie, Gesundheitsschäden, Sterblichkeit, Mega-Unfälle). Ein Charakterzug der Menschheit ist eben immer schneller, weiter, besser. Da sollte man sich nichts vormachen.
Die Alternative ist nachhaltiges, sich nicht steigernd entwickelndes Wirtschaften auf Naturvolkniveau, das nur das aus der Natur entnimmt und verkonsumiert, was die Natur von selbst in der Zeitphase des Konsums generiert. Dazu ist aber fast niemand bereit und man befindet sich zusätzlich im Gefangenendilemma, da weiter entwickelte (also stärker ausbeutende und konsumierende Gesellschaften) die unentwickelten rasch an die Wand drücken und diese bestenfalls in Reservate naturverträglich leben läßt.
Sicher gibt es mittlerweile auch Vorzeigebetriebe, aber in den Provinzen existiert so etwas wie Arbeits- und Umweltschutz vielerorts noch nicht. Welche Auswirkungen das auf die Zukunft hat lässt sich schwer vorher sagen, aber Auswirkungen wird es m. E. haben.
Langsam setzt ein Umdenken seitens der Regierung ein, wobei die Frage ist ob die bereits verursachten Schäden noch reparabel sind und zu welchen Kosten.
Die chinesische Mentalität ist nicht mit dem „asiatischen Preußentum“ der Japaner vergleichbar, die 30 Jahre lang Überstunden schieben, zugunsten der Firma noch auf ihre paar Arbeitstage verzichten und sich dann beim Boss bedanken, wenn sie gefeuert werden.
Die chinesische Motivation besteht aus Druck und der Hoffnung es einmal besser zu haben, wobei diese Hoffnung auf zu gehen scheint, da sich eine rasch wachsende, wohlhabende Mittelschicht bildet - übrigens mit den gleichen gesundheitlichen Problemen die wir auch im Westen haben (Übergewicht, Suchtkrankheiten, extremer Zigarettenkonsum).
Die große Frage ist wie sich die Bevölkerung verhält, wenn es in China zu einer Rezession kommt.
Ich sehe hier durchaus Potential für einen gewaltigen Knall, soziale Spannungen und Unzufriedenheit (auch wegen der weit verbreiteten Korruption) gibt es jetzt schon.
Fazit aus meiner Sicht: Wie es mit China weiter geht ist schwer zu sagen, sicher ist für mich nur, dass das Wirtschaftswunderhaus schneller wächst als sein Fundament. Und solche Gebäude sind nicht Erdbebensicher.
Wenn es im Innern ungemütlich wird, dann muss ein äußerer Feind her. Wenn die Chinesen so ticken wie der Westen, dann werden die es auch so probieren müssen.
Übrigens: Man kann zu den USA stehen wie man will, aber wer durch China eine Ablösung der USA als gegenpartslose Weltmacht erhofft, wird bei dem was dann von China kommt (vor allem für Rohstoffreiche Drittweltländer) noch mit den Ohren schlackern.
Erhoffen? Das nimmt seinen Lauf (und hält weder Ochs noch Esel auf), da kann man hoffen oder nichthoffen oder Vergleichen ziehen wie man will. Ich denke, keiner, der nüchtern analysiert, verspricht sich vom jetzigen oder vom zukünftigen Hegemon das Himmelreich. Ebenso dürfte eine nichthegemoniale Phase nicht besonders friedvoll sein, weil manche es probieren werden oder alte Rechnungen zu begleichen versucht werden. Und nicht zuletzt: wenn man die Wahl hat, zu der Hegemongesellschaft oder zu der Vasallengesellschaft zu gehören - wofür werden die allermeisten sich wohl stark machen?