Original von HIghtekki
Ich denke auch, dass die genannten Preise wenig aussagekräftig sind. Herr Eichelburg stellt, wenn ich das richtig gelesen habe, die These auf, dass Gold Geld ist und nicht mehr Dollar oder Euro, und versucht dann herauszufinden, wie teuer es sein müsste.
Zunächst mal muss man unterscheiden, ob Gold (nur) eine Wertaufbewahrungsfunktion hat oder sogar eine 'Geldfunktion' im Sinne von: Man verwendet es für tägliche Käufe und Verkäufe.
Eine Wertaufbewahrungsfunktion hat es sicher. Aber wie steht es mit der Geldfunktion? Damit jemand Gold als Geld verwendet (in Konkurrenz zum Papiergeld) darf dies 1. keine Transaktionskosten mit sich bringen und 2. - was wichtiger ist - keine oder nur geringe Risiken durch 'Kursschwankungen' und damit Kaufkraftschwankungen. Diese gibt es aber zwangsläufig, wenn die große Mehrheit der Käufer und Verkäufer in Papiergeld bezahlt bzw. ihre Preise in Euro oder Dollar ausdrückt (und dann nur durch den aktuellen Goldpreis teilt, um den Preis in Gold zu bekommen).
Das Problem mit den Transaktionskosten ließe sich vll. noch irgendwie lösen. Aber wie steht es mit dem 2. Punkt?
Damit ich als jemand, der Gold annimmt und damit wieder etwas anderes kaufen möchte, kein Kursschwankungsrisiko habe (ein Preis von 1000 Euro für ein gut A könnte heute 60 Gramm Gold sein und morgen 62), muss derjenige, bei dem ich kaufen will, feste Preise - gerechnet in Gold - haben (z.b. heute 60 Gramm, was 1000 Euro entspricht, und morgen 60 Gramm, was dann 980 Euro entspricht). Dieserjenige wiederum macht seine Preise nur in Gramm Gold, wenn er ebenfalls sicher sein kann, dass seine Preise in Gold, die er zahlen soll, fest sind usw.
Wenn man einmal in diesem zustand ist, dann ist es für alle Beteiligten ohne Risiko, die Preise in Gold auszudrücken. Es wäre sogar risikoreich, sie in Euro zu machen, aber aktuell ist es noch umgekehrt.
Die frage ist also: Wie kommt man zu dem beschriebenen Zustand? Entweder müssten alle gleichzeitig das neue 'Geld' verwenden (so wie sie beim Euro per Gesetz dazu gezwungen wurden) oder es würde sukzessive passieren. Sukzessive hieße aber, dass einer anfängt und diesem dann andere folgen müssten. Irgendwo gäbe es eine kritische Masse, ab der es risikoärmer wäre, in Gold zu rechnen, aber diese Masse müsste erst erreicht werden durch sehr viele Marktteilnehmer, die zunächst ein hohes Risiko eingehen. Weitere Gründe, wieso Marktteilnehmer nicht dazu übergehen sollten, nur noch Gold anzunehmen:
1. sie haben Schulden, die sie per Gesetz in Euro zurückzahlen dürfen/müssen. Hierzu ist es lukrativ Euro zu halten bzw. anzunehmen.
2. die Konkurrenz nimmt Euro. Wenn der Kunde bei mir in Gold zahlen MUSS und bei der Konkurrenz nicht, dann wird der träge Kunde natürlich zur Konkurrenz gehen, es sei denn ich biete ihm einen riesen Preisnachlass.
Ich halte es daher für wahrscheinlich, dass nur dann alle ihre Preise (gleichzeitig) auf Gold (oder eine goldgedeckte Währung, um das Problem der Lagerung mal außen vorzulassen) umstellen, wenn sie dazu gezwungen werden, d.h. aber dass die Papierwährungen komplett wertlos werden müssten z.B. in einer Hyperinflation. Ich denke, dass selbst 20% Verbraucherpreis-Inflation nicht ausreichen werden, denn wenn jemand etwas verkauft, das Geld verwendet um dann 2 Tage später etwas anderes zu kaufen, sollten ihm die 20% egal sein. Das sind dann nämlich in 2 Tagen nur ca. 0,1% und das ist denke ich eher zu verkraften als die Möglichkeit, dass das Gold in den 2 Tagen um vll. 2% oder auch 4% fällt. Möglicherweise könnte Gold zunächst für große internationale Transaktionen dienen, aber bis es für den täglichen Bedarf des Normalbürgers dient, muss wirklich die Papierwährung komplett wertlos werden.
Man kann natürlich heute schon einen Teil seines 'Geldes' bei e-Gold o.ä. anlegen bzw. damit zahlen. Aber solange es nur sehr wenige Marktteilnehmer gibt, die e-Gold auch verwenden, macht es wenig Sinn, 90% seiner Barschaft dort hin zu transferieren (und wenn man eine größere Anschaffung macht, wieder zurückzuwechseln), sondern einen kleinen Teil entsprechend den Möglichkeiten damit zu zahlen.
Insofern sind auch die 50.000 $ wenig sinnvoll. Denn diese würden nicht erreicht, wenn Gold Euro und Dollar komplett ersetzen würde, sondern wenn das gesamte Gold und das gesamte Papiergeld in etwa die gleiche Kaufkraft hätten, d.h. beides existiert parallel zueinander. Damit hätte man aber die Situation, dass alle Preise doppelt vorhanden wären. In Euro und in Gold. Das Szenario halte ich für eher unwahrscheinlich. Entweder hop oder top. d.h. nur Euro oder nur Gold. Falls es nur noch Gold gibt, wäre natürlich der Euro komplett bzw. fast wertlos und damit wären wir nicht bei 50.000, sondern vll. bei 5 Mio oder 500 Mio. So wie das bei anderen Währungen schon oft der Fall war.
Dass Aktien fast wertlos werden, halte ich auch für eher unwahrscheinlich, solange die betreffenden Unternehmen nicht bankrott gehen. Auch im 19. Jh. beim Goldstandard gab es natürlich Aktien, die auf Papier gedruckt waren. Es gab auch Dividende und natürlich besaßen die Unternehmen Substanz. Genau wie heute. Spätestens wenn der Wert an der Börse unter diesen (ev. verminderten Substanzwert) fiele, würde irgendwann irgendjemand das Unternehmen aufkaufen (zur Not jemand, der viel Geld (Gold) hat) und sich dann die Dividende halt in Gold auszahlen lassen.
Anders sähe es bei Anleihen aus, wenn der Schuldner pleite geht.
Was das Preisverhältnis Lebensmittel und Energie zu anderem z.B. Lohn und Immobilien angeht, so wäre ich mir da auch nicht so sicher, dass letztgenannte gegenüber den erstgenannten massiv an Wert verlieren. Vll. den spekulativen Teil. Aber irgendwann wären z.B. Immobilien gegenüber Gold oder auch Energie so billig, dass irgendjemand zugreifen würde. Schon allein deshalb, weil dann die Mieten, auch wenn sie fallen, sich irgendwann wieder rentieren würden. Natürlich können auch die Löhne nicht ewig tief bleiben, weil Händler sonst nichts mehr absetzen würden...Das kann vll. während der Krise so sein für einige Zeit, ist aber kein Dauerzustand.
Zum Abschnitt weiter oben würde ich die These wagen, dass die sog. Netzeffekte (positive in diesem Fall) auch bei der Akzeptanz von Währungen aktiv werden und möglicherweise dafür sorgen, dass sich das Papiergeld als zäher erweist als man denkt. Positive Netzeffekte bedeutet, dass der Nutzen eines Gutes um so höher ist, je mehr andere Leute dieses Gut ebenfalls verwenden. Beispiel Microsoft Office: Auch wenn alle drüber schimpfen, verwendet es die Mehrheit. Grund: Es macht Sinn, seine Dokumente in .doc zu speichern, da das jeder andere lesen kann. Ein unbekanntes nicht kompatibles Format hätte diesen Nutzen nicht und es wäre daher sinnlos es zu verwenden (außer für sich selbst) auch wenn es Word noch so überlegen wäre.
Wir haben hier also auf der einen Seite den Nutzen durch die Netzeffekte (jeder in Europa verwendet Euro, man kann damit alles kaufen, Schulden begleichen etc.) und demgegenüber den Schaden durch den Kaufkrafterlust. Dieser beträgt aktuell trotz hohem Geldmengenwachstum nicht mehr als 10% p.a. oder wenger als 1% im Monat. Bei der Geschwindigkeit, mit der das Geld heutzutage den Besitzer wechselt, ist dies nur dann relevant, wenn das Geld längerfristig also über Monate oder Jahre gespart werden soll. Dann verliert es an Wert. Oder eben in der Hyperinflation. Denn dann würde es innerhalb von Stunden an Wert verlieren und das wäre dann doch wieder relevant.
Noch ein Wort zur kritischen Masse. Die spielt auch bei den Netzeffekten eine Rolle. Mal angenommen, es gäbe ein Konkurenzprodukt zu Word, das viel besser wäre, dann würde es wie schon gesagt erst mal keinen Sinn machen, es zu verwenden, wenn es sonst niemand anders verwendet (OpenOffice etc. wegen Kompatibilität mal unberücksichtigt). Natürlich würde sich dies ändern, wenn damit einer anfängt und es ihm andere nachmachen. Denn dann könnte man seine Dokumente immerhin mit diesen Leuten austauschen. Aber um auf diese Weise wirklich zu einer Konkurrenz zu Word zu werden, müsste die Anzahl der Leute, die es verwenden, schon extrem stark ansteigen oder die Vorteile gegenüber Word was die Funktionalität angeht, müssten immens sein. Für die Leute, die so mutig sind, das neue Format zu verwenden, besteht aber wie gesagt das Risiko, dass es nicht angenommen wird, die Zahl der Leute, die es verwenden fällt wieder und das ganze löst sich in Wohlgefallen auf. Die kritische Masse wird dann nicht erreicht. Die abwartende Haltung nennt man auch den Pinguineffekt, d.h. man schaut erst mal, wie gut das neue Format angenommen wird und entscheidet später, um man auf den Zug aufspringt. Denken viele so, wird sich das Format aber gar nicht erst etabilieren.
So wäre es auch beim Gold. Was seine Funktion als Geld angeht, ist der Vorteil seine Wertbeständigkeit aktuell noch vergleichsweise gering im Vergleich des Vorteils von Euro und Dollar was die Netzeffekte angeht (dass also jeder sie überall und immer annimmt). Der Vorteil der Wertbeständigkeit wäre irgendwann größer als der Vorteil der Netzeffekte, er müsste hierzu aber noch sehr stark ansteigen. Eben dann, wenn Euro und Dollar wertlos werden.