Die wohl gar nicht so grosse Elite der spekulativen Leerverkäufer lebt vor allem von Tradinggewinnen, während man über deren versteckte Akkumulation von physischem Gold und Silber nur mutmassen kann wie z.B. Fekete. Sie versuchen, ein Tagessentiment zu erschnüffeln bzw. mitzuorchestrieren und handeln entsprechend. Dazu ist so gut wie kein Privatinvestor oder Fondsverwalter in der Lage, es ist einfach Trading pur als Händler der vier Jahreszeiten. Es hat überhaupt keinen Sinn, die täglichen Preisbewegungen beim Gold isoliert und nur auf Fundamentalüberzeugungen beruhend zu betrachten und sich dann zu ärgern. Übermorgen sind die Juli-Optionen fällig, von denen die meisten bei ca. $ 900 und mehr stehen. Wenn bis dahin nicht eine ebensolche Bewegung nach oben wie heute nach unten kommt, beziehen die Goldbullen mächtig Prügel und trauen sich dann wohl für einige Zeit nicht mehr in den Markt. Dann wäre der Goldsommer wahrscheinlich gelaufen und etwas Zeit gewonnen (Ausnahme wäre: eine grosse Finanzadresse crasht, die Banken stellen den klammen Kreditvericherern die Rute ins Fenster etc.) .
Dies jedenfalls ist das Wunschszenario der Shortseller. Wie stark ist die Long-Seite in einer solchen Situation?
Erholt sich der Dollar auf Tagesbasis, sinkt der Goldpreis. All dies funktioniert immer noch und bereitet den besten Shortsellern herrliche Profite. Die Börsen nehmen jetzt nach dem gescheiterten Lissabon-Vertrag die Zukunft der Eurozone kritisch ins Visier. Da kommt die Einfrierung von iranischen Konten in Euroland mit möglichen Millardenverpflichtungen des deutschen Haushalts gerade recht für einen heftigen Schlag gegen Gold und € als Antidollar. Ziel dabei ist es, den Dollar trotz der fürchterlichen Situation des Finanzsektors auf etwa dem gegenwärtigen Niveau zu halten und den Kurs des € als ausgereizt darzustellen, d.h. dass es in einer global angespannten Situation wieder zu einem relativen Andocken an den Dollar als der noch funktionierenden Reserve/Krisenwährung kommen soll wie schon so oft zuvor - wie ein gewohnter Stall, wohin die vom Regen nassen Tiere wieder zurücktrotten. Dafür müssten sich freilich die Bonds wieder etwas erholen, denn hier liegt der wahre Sprengsatz begraben.
Wie lange das gutgeht, ist für den Spitzentrader weniger wichtig, die Hauptsache bleibt, dass er mit dem Gros seiner Aktionen weitgehend richtig liegt, die Richtung der Bewegung als solche ist ihm egal - er ist keine Fundamentalist sondern Arbitragist. Und solange es möglich ist, derartige blitzkriegsähnliche Riesenaktionen nach unten anzuzetteln wie heute und eine klassische Bullenfalle aufzubauen, haben sie das Glück und den Gewinn noch häufiger auf ihrer Seite. Ziemlich sinnlos, selbst darauf zu spekulieren, wann genau dies nicht mehr möglich sein wird.
grüsse
auratico