Die Bankaufsicht schaute zur Seite
Allmählich gerieten die Dinge aus dem Lot. Vielen Millionen jungen
Amerikanern und Immigranten, die ihren Traum vom Eigenheim noch nicht
verwirklicht hatten, liefen die Immobilienpreise davon. Finanzinstitute
boten Hilfe an. Sie offerierten „Subprime“-Hypothekenkredite. Damit
konnten auch schwache Schuldner, die eigentlich nicht kreditwürdig
waren, ein Haus erwerben, und so an der Immobilienhausse teilhaben. Der
Kniff: Die Zinsen waren zunächst niedrig, sollten erst nach zwei oder
drei Jahren angehoben werden. Die Verträge waren oft hanebüchen, die
Praxis der Kreditvergabe sträflich lax. Die Aufsichtsbehörden schauten
zur Seite. Die Regierung, die einen unpopulären Krieg im Irak führte,
wollte die Bürger über eine gut laufende Wirtschaft bei Laune halten.
Der neue Geschäftszweig florierte nicht zuletzt dank einer
Finanzinnovation. Die Banken bündelten jeweils Tausende von
Subprime-Krediten. Diese Portefeuilles wurden als tranchierte Anleihen
an Investoren weiter verkauft. Das funktionierte so: Fiel in dem
unterliegenden Portefeuille ein Kredit aus, wurde dieser Verlust nicht
anteilsmäßig auf alle Investoren verteilt; vielmehr musste diesen
ersten Verlust allein die unterste – hochriskante und deshalb extrahoch
verzinste – Tranche tragen. Fielen im Portefeuille weitere Verluste an,
musste diese die nächsthöhere Tranche absorbieren und so fort. Die
oberen Tranchen swaren dadurch immer besser gegen Verluste abgeschirmt.
Die Folge dieser Finanzialchemie: Ein Portefeuille minderwertiger
Kredite im Volumen von 100 Millionen Dollar verwandelte sich in eine
„hochtoxische“ hochverzinste unterste Tranche über 5 Millionen Dollar,
fünf mittlere Tranchen von zusammen 20 Millionen Dollar – und eine
hochwertige Tranche über 75 Millionen Dollar mit der besten Ratingnote
AAA.
B-Kredite werden zu AAA-Anleihen
Nach gleichem Muster wurden auch andere Kredite verbrieft:
- Autodarlehen,
- Kreditkartenforderungen,
- Gewerbehypotheken.
Die Finanzkonstruktionen wurden immer komplexer, immer weniger
durchschaubar. Die Ratingagenturen spielten mit, inflationierten die
Vergabe ihrer Bestnote AAA. Seit Ausbruch der Krise ab July 2007, die
Spica richtig prognostiezierte, mussten sie Tausende von Noten
herabsetzen, oft gleich um mehrere Stufen. Im Raum stand der Vorwurf,
die Agenturen hätten prächtig daran verdient, die Banken bei der
Strukturierung der Anleihen zu beraten – denen sie dann anschließend
wohlwollend ihre Gütesiegel verliehen.
Abnehmer für diese AAA-Tranchen hat es in den vergangenen Jahren
viele gegeben, in aller Welt. Denn das niedrige Zinsniveau der
Staatsanleihen hat institutionelle Investoren wie Pensionskassen in
„Anlagenotstand“ gebracht: Um ihre Renditeziele zu verwirklichen,
suchten sie händeringend nach Anlagen, die – bei attestierter
AAA-Sicherheit – ein paar Renditepunkte extra abwerfen.
Hedge-Fonds jagten nach Rendite
Ganz allgemein hatte rund um den Globus eine Jagd nach Rendite
eingesetzt. Deren Motor waren die Hedge-Fonds. In den neunziger Jahren
waren sie noch Nischenspieler am Finanzmarkt, viele erzielten
Superrenditen. Das lockte Nachahmer an: Tausende Investmentbanker
legten eigene Fonds auf, das Kapital dazu sammelten sie bei
institutionellen Investoren ein. Anders als die Banken waren weit über
9000 Hedge-Fonds weitgehend unreguliert und auf den Cayman-Islands
gelistet.. Die Politiker in den Hedge-Fonds-Metropolen New York und
London sträubten sich gegen eine Aufsicht. Sie wollten dieses
Wachstumsbranche nicht behindern.
Die verschärfte Konkurrenz machte es den Hedge-Fonds immer schwerer,
die früheren Traumrenditen zu erwirtschaften. Um gleichwohl eine hohe
Eigenkapitalrendite zu schaffen, arbeiteten die Fonds mit immer
größerem Kredithebel. Die Investmentbanken („Prime Brokers“) stellten
die Kredite nur zu gerne zur Verfügung; sie verdienten an den Zinsen,
zudem an den Gebühren, die die hyperaktiven Hedge-Fonds für die
Abwicklung von komplexen Finanzgeschäften aller Art zahlen mussten. Die
Kredittürme wuchsen in den Himmel. Manche Fonds nahmen auf einen Dollar
Eigenkapital 30 Dollar Fremdkapital auf und mehr. Eine weitere
Innovation, handelbare Kreditversicherungen, verbreiteten die Illusion,
dass sich die Kreditrisiken heutzutage besser beherrschen ließen als
früher. Keiner zog die Lehren aus den Roaring Twenties des 19.Jhds. die zu den vielen Bankenpleiten 1931 führten. Aber, wer lernt schon gerne aus der Geschichte?
Ungehemmte Geldgier
Früher waren die großen Akteure der Hochfinanz – die Investmentbanken
in Wall Street, die Merchant-Banken in London – als Partnerschaften
organisiert: Die Partner teilten sich die Gewinne – und sie hafteten
bei Verlusten mit ihrem privaten Vermögen. Sie hatten deshalb stets im
Auge, dass ihre Mitarbeiter und Partnerkollegen nicht zu hohe Risiken
eingingen. Moderne Investmentbanken und Hedge-Fonds arbeiten nach einem
anderen einem NEUEN Prinzip. Die Bankangestellten und Fondsmanager
waren an den Gewinnen stark beteiligt, hingegen mussten Verluste von
den Aktionären der Bank, den Teilhabern der Fonds oder den Kreditgebern
geschultert werden. Bisweilen war der Bonus für ein Jahr, in dem
gewagte Spekulationen aufgingen, größer als das Lebenseinkommen zum
Beispiel eines Universitätsprofessors.
Das verleitete dazu, übergroße Risiken einzugehen, ohne Rücksicht
auf die Folgen in zwei, drei Jahren. Die Finanzbranche ersann immer
neue Wege, lästige Aufsichtsbehörden auszuhebeln, zum Beispiel die
inzwischen berüchtigten „Conduit“-Zweckgesellschaften. Nichts grenzte
die Geldgier ein, Hemmungslosigkeit wurde mit Reichtum über Nacht
belohnt. Die Habsucht erfasste auch viele Manager von
Industriekonzernen. Gleichzeitig stieg die Zahl der Bürger, die
Verlierer der Globalisierung wurden. Die sich öffnende Einkommensschere
brachte die demokratischen Kräfte in vielen Industrieländern in eine
wahre Zerreißprobe. Die Zustimmung der Bevölkerung zur Marktwirtschaft
schwand.
Notenbanken taten zu wenig - zu spät
Die kreditfinanzierte Jagd nach Rendite trieb im Laufe des
zurückliegenden Jahrzehnts praktisch alle Preise von Vermögenswerten –
Aktien, Anleihen, Rohstoffen, Immobilien – nach oben. Doch die
Notenbanken stemmten sich der galoppierenden Inflation der
Vermögenspreise allenfalls halbherzig entgegen, ließen zu, dass die
Kredittürme immer höher und höher wuchsen. Noch lief 2006 ja alles gut,
wuchs die Weltwirtschaft, wurde Wohlstand geschaffen. Zudem waren die
Interessengegensätze zwischen den Nationen zu groß, als dass sich eine
gemeinsame Strategie zum Abbau der globalen Ungleichgewichte
durchsetzen ließ. Die Vereinigten Staaten waren auf den stetigen
Zustrom von 2,5 Mrd Kapital tagtäglich angewiesen, mussten ihre
Gläubiger bei der Stange halten – und waren deshalb als Ordnungsmacht
geschwächt.
Zudem hielten viele Notenbanken einäugig und kurzsichtig an ihrem
Dogma fest, dem zufolge sie in erster Linie dafür verantwortlich seien,
die Inflation der Verbraucherpreise niedrig zu halten – nicht aber die
Inflation der Vermögenspreise. Bis ins Jahr 2007 hinein blieb die
Verbraucherpreisinflation niedrig, weil die Flut der Billigimporte aus
China und anderswo die Preise der Konsumgüter sowie die Lohnzuwächse
niedrig hielt. Von 2006 an warnten die Notenbanken unmissverständlich,
dass die Entwicklung an den Vermögensmärkten aus dem Ruder lief. Doch
angesichts der grassierenden Geldgier waren die Worte in den Wind
gesprochen.
2008 schlug die Stunde der Wahrheit, für alle. Aus den aufgeblähten
Vermögenswerten entwich die Luft, die Kursverluste brachten die
Kredittürme ins Wanken, manche stürzten ein. Banken und Fonds erlitten
Milliardenverluste, das Gebälk des Weltwährungssystem knirschte
bedenklich, der Motor des globalen Wachstums – der amerikanische Konsum
– stotterte. Die überfällige Bereinigung der Exzesse hatte begonnen. Zu
hoffen blieb, dass sie nicht die gesamte Weltwirtschaft erfassen und in
die Krise stürzen würde. Allenfalls dachte man ab 2008 an eine
Rezession, die bald überwunden werden würde, doch es kam anders, ganz
anders, wie wir Heute 2012 wissen.
Fallende Immobilienpreise und steigende
Zahlungsausfälle bei Hypotheken 2006 für wenig kreditwürdige Kunden
(Subprime) in Amerika, hatten 2007 in einer Kettenreaktion zu einer
globalen Kreditkrise geführt. Banken hatten in den folgenden Jahren
zunehmend Schwierigkeiten, Hypotheken und andere Kredite wie zuvor
üblich an Investoren weiterzureichen. Sie mussten die Kredite daher
über 2009 hinweg in den eigenen Büchern halten und deren Wert bei
weiter fallenden Preisen immer weiter berichtigen, was zur aktuellen
„Big Depression“ von 2012 führte, während die Vermögenswerte bei den
unterdrückten Edelmetallen seit 2008 regelrecht explodierten und den Devisenmarkt ab
2010 in heftigste Turbulenzen versetzte.
Was hätten Anleger und Spekulanten verdienen können, wären sie rechtzeitig investiert gewesen. Doch
niemand kann die Zukunft vorhersagen oder ist im Besitz einer gläsernen
Kugel, schrieb Mandarin Kao-tai am Freitag, den 03.02.2012 – Niemand?
Doch kürzlich traf ich einen weiteren, überaus seltsamen Fremden.
Freunde, und es scheint mir das dieser Fremde nicht aus der
Vergangenheit sondern vielmehr aus der Zukunft zu kommen scheint.
Vielleicht hat es auch ihn, wie mich in dieses seltsame Zeit durch eine
neuere Art der Zeitmaschine verschlagen. Sein Name klingt so ähnlich
wie:
Spi-Cai. Er meinte doch tatsächlich schon im Jahre 2008, das mit dem
gleichzeitigen Übertrott des Neptun in die Fische und des Saturns in
den
Skorpion die Welt im Herbst 2012 ein neues variables
Weltleitwährungssystem e
tablierte. Erstaunlich.
Euer Kao-tai - Präsident der kaiserlichen
Dichterakademie “Neunundzwanzig moosbewachsene Felswände”
