@ logogold
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Wenigstens der US-Notenbankchef ist noch Herr der Lage!
Alan Greenspan - von Präsident Bush abermals als Fed-Präsident vor geschlagen - weiß, was er vom US-Aufschwung zu halten hat
Gast kommentar von Michael Margules
Geschickt ist er, der soeben von US-Präsident Bush für eine weitere Amtsperiode vorgeschlagene US-Notenbankchef Alan Greenspan. Obwohl zumindest er weiß, dass die US-Wirtschaft nur vordergründig rund läuft, nutzt er gezielt die gute Stimmung aus, um auf den Finanz- und Devisenmärkten Punkte im Sinne der US-Börsen und des US-Dollars zu sammeln.
Das muss er auch, denn Greenspan wie auch sein Präsident können es sich nicht jetzt und wohl auch zukünftig leisten, dass die Vermögenspreise, sprich Aktienkurse, in sich zusammenbrechen.
Das käme einer volkswirtschaftlichen Katastrophe gleich. Steht die US-Wirtschaft doch nur deshalb so blitzsauber dar, weil die Konsumenten ihr an sich gar nicht vorhandenes Geld auch noch ausgeben! Sie glauben halt die immer wieder zitierte Geschichte vom Aufschwung.
Nur: dies verträgt sich nicht allzu gut mit einer nicht mehr zu revidierenden Tatsache, deren (Er)Kenntnis nicht einmal die von den (Aktien)Dächern pfeifenden Spatzen mehr interessiert: zumindest in den USA werden die Leitzzinsen bald steigen!
Geeignete Indiaktion: Futures....
Gemessen am Fed Funds Future, dem Terminkontrakt, dem die Leitzinsen unterliegen, wird die Notenbank möglicherweise schon im Juni die Zinszügel straffen und die Fed Funds Rate von 1 Prozent auf 1,25 Prozent heben.
Es ist wohl auch höchste Zeit, dass Greenspan und Konsorten das Zinsgefüge an die wirtschaftliche Realität anpasst. Zweimal in Folge gab es erfreuliche Arbeitsmarktdaten (die US-Wirtschaft hat sowohl im März als auch im April über Erwarten reichlich Arbeitsplätze geschaffen), und die Inflationszahlen zeigen ebenfalls nach oben.
Gemessen an der Zinsspanne zwischen herkömmlichen und inflationsangepassten Staatsanleihen, auch Tips (Treasury Inflation Protected Securities) genannt, erwartet der Bondmarkt in den nächsten zehn Jahren eine durchschnittliche Inflation von 2,65 Prozent. Am Aktienmarkt stellt man sich daher zu Recht die Frage, wie man mit der Aussicht auf steigende Inflationszahlen umgehen soll.
...und Vergangenes
Ein Blick in die Vergangenheit bietet dazu interessante Anhaltspunkte. In den Jahrzehnten, als die Inflation über 4 Prozent lag, wie etwa in den vierziger oder siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, fiel die reale Rendite des Aktienmarktes laut einer Studie von Lehman Brothers jeweils äußerst mager aus.
Weiter standen in diesen Jahren die Dividenden im Vordergrund. Die reale Rendite kam also vorwiegend dank den Dividenden zustande, während Kursavancen so gut wie keinen Beitrag leisteten. In diesen Jahren litten auch die Kurs-Gewinn-Verhältnisse der Blue Chips, da einerseits zwar die Gewinne (dank der Inflation) zunahmen, die Kurse jedoch stagnierten.
Besser sieht die Lage in Zeiten mit niedriger Inflation aus, so wie etwa in den fünfziger oder neunziger Jahren. Hier brachten die Aktionäre jeweils zweistellige reale Renditen ins Trockene, und der Grossteil der Rendite kam von den Kursavancen, nicht von den Dividenden.
Ein bisserl Inflation schadet nicht....
Am besten geht es dem Aktienmarkt also, wenn die Inflation zwischen 2 Prozent und 4 Prozent liegt. Zu wenig oder gar negative Inflation ist ebenfalls sehr schädlich, wie die Deflation der dreißiger Jahre zeigte. In Perioden mit gemäßigter Inflation können die Unternehmen profitabel wachsen.
Zudem verlieren die Anleger in solchen Zeiten nicht die Nerven und parkieren ihr Geld in inflationssicheren Anlagen, wie etwa Gold, Tips oder stabilen Fremdwährungen. Mit steigender Inflation geht demgegenüber das Anlegervertrauen verloren, worin denn auch die größte Gefahr einer unkontrollierten Teuerung liegt.
Alan Greenspan gibt sich für die Zukunft allerdings gelassen und erwartet im Einklang mit dem Bondmarkt nicht mehr als 3 Prozent Inflation. Gute Nachrichten also für die Aktionäre? Der große Risikofaktor bleibt das wachsende Staatsdefizit Washingtons, das den Finanzmarktteilnehmern einen dicken Strich durch die Rechnung machen könnte, falls es die Inflation über die 4 Prozent-Marke hebt.
Allein: was bringt die Zukunft?
Nun hat Greenspan allerdings ein Problem. Leitzinsen liegen typischerweise in der Nähe des nominalen Wachstums des Bruttoinlandsprodukts. Im Fall der USA wären das ungefähr fünf Prozent. Ein solcher Zinssatz würde sicher die auf Schulden machen und übertriebenen Aktienkursen basierenden US-Wirtschaft endgültig abwürgen.
Keine Frage! Von ungebremsten Wachstum kann keine Rede sein. Der US-Notenbank bleibt also nichts anderes übrig, als die Welt weiter auf die Formel: Hohes Wachstum bei gleichzeitig geringer Inflation einzuschwören. Aber wehe, wenn dieser Schuss nach hinten los geht.
Was passiert, wenn die anziehenden Preise zum Beispiel für DRAM-Speicherchips am Ende doch auf die Inflation durchschlagen? Zinskeule auspacken und ein Massaker am Aktienmarkt riskieren? Was tun, wenn die Deflation sich breit macht? Staatsdefizit auf acht hoch, Zinsen auf Null Prozent runter fahren? Fragen, auf die Greenspan bisher - noch - eine Antwort schuldig bleibt.
Quelle: http://derstandard.at