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Auszug aus dem Interview:
Investieren wie Warren Buffett: Raus aus Anleihen
Von Jack Dierdorff und Karyn McCormack, BusinessWeek Online
06. Mai 2004 Nach Auffassung des Autors Timothy Vick hält Investorenlegende Warren Buffett, der „Weise von Omaha“, Aktien und Rentenpapiere derzeit nicht für allzu attraktiv. Bei Rohstoffen sieht die Sache dagegen anders aus. Wenn man Warren Buffett nacheifern will, dann sollte man jetzt sowohl Rentenpapiere als auch die meisten Aktien meiden. Zumindest ist das die Auffassung von Timothy Vick, dem Verfasser des Buchs „How to Pick Stocks Like Warren Buffett“ und Senior Analyst bei Arbor Capital Management. Vick erläutert, daß derzeit keine Investitionen in Aussicht sind, die eine jährliche Rendite von 15 Prozent bieten, wie Buffett es bevorzugt.
Vielmehr dürfte der Markt nach Auffassung von Vick weiter schlingern. Er geht davon aus, daß Buffett weiterhin ganze Unternehmen aufkaufen und sie vom Markt nehmen wird und auf Papiere im Rohstoffsektor setzen wird. Unter anderem handelt es sich um ein Engagement bei PetroChina, einen Öl- und Erdgaskonzern, in den Buffett seit dem vergangenen Jahr investiert. Jack Dierdorff und Karyn McCormack haben mit Vick über Buffetts Investment-Strategie gesprochen.
Tim, was halten Sie vom Schlingern des Aktienmarkts? Womit ist zu rechnen?
Antwort: Mit weiterem Schlingern. Meines Erachtens hat der Aktienmarkt in den letzten zwölf bis fünfzehn Monaten sein Aufwärtspotential ausgeschöpft. Wenn die Aktienkurse doppelt bis dreimal so schnell wie die Unternehmensgewinne ansteigen, tun sie dies immer zulasten der Renditen in kommenden Jahren.
Empfehlen Sie jetzt Aktien zum Kauf, nachdem einige Kurse zurückgegangen sind?
Derzeit zahlt es sich aus, sehr geduldig vorzugehen. Die Aktienkurse sind zwar in den letzten Wochen gefallen, liegen jedoch immer noch auf dem im Januar oder Februar erreichten Niveau. Damals habe ich während des Aufwärtstrends nicht viel gekauft, und daher bin ich auch nicht besonders daran interessiert, zu denselben Kursen im Abwärtstrend zu kaufen. Wenn es zu weiteren Kursverlusten kommt - insbesondere bei Großunternehmen, die derzeit schlecht abschneiden -, dürften sich einige attraktive Gelegenheiten bieten.
So dürfte die Besorgnis über eine Zinsanhebung günstige Möglichkeiten im Bankensektor und möglicherweise auch bei hoch rentierenden Aktien wie Immobilienfonds (REITs) eröffnen. Auch in einigen Technologiesektoren sowie stark zyklischen Sektoren wie z.B. der Autoindustrie und defensiven Sektoren wie Lebensmittel und Pharmazie könnte es zu Kurssteigerungen kommen.
Welche Aktien könnte Buffett derzeit im Blick haben?
Buffett hat durch sein Handeln gezeigt, daß er sich in den letzten Jahren vom Aktienmarkt zurückgezogen hat. Er ist hinsichtlich der Bewertungen sehr konservativ, scheint jedoch derzeit keine Anzeichen dafür zu sehen, daß er am Aktienmarkt eine jährliche Rendite von 15 Prozent erzielen kann. Buffett dürfte sich noch geraume Zeit nicht in Aktien engagieren. Stattdessen dürfte er eine Reihe von Unternehmen vollständig übernehmen und die Aktien vom Markt nehmen. Die Bewertungskennzahlen deuten für mich darauf hin, daß er damit sehr viel größere Renditen erzielen kann, als wenn er marktgängige Aktien oder Anleihen kauft.
Steht Buffetts Vorgehensweise in der jüngsten Zeit mit dem im Einklang, was Sie im Rahmen der Recherchen für Ihr Buch über ihn erfahren konnten?
Der faszinierendste Zug Buffetts ist, daß er selbst über einen Zeitraum von 55 Jahren hinweg immer konsequent vorgegangen ist. Wenn man seine Marktkommentare aus den fünfziger Jahren liest, sind kaum grundlegende Unterschiede zu seinen heutigen Äußerungen festzustellen. Und genauso sollte es sein. Alle Unternehmen sollten ohne Ansehen des Unternehmenstyps oder der Zeit nach gleichen Maßstäben bewertet werden.
In den letzten Jahren hat Buffett das Geld der Anteilseigner genauso investiert wie nach der Rezession 1990/91. Er hat Anteile an schlecht bewerteten, konjunkturabhängigen Unternehmen gekauft, ist Positionen in Wertpapieren im Rohstoffsektor eingegangen und hat ganze Unternehmen übernommen.
Hält Buffett Edelmetalle weiterhin für attraktiv?
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Ich habe kein Anzeichen dafür gesehen, daß er die 129 Millionen Unzen Silber verkauft hat, die er Ende der neunziger Jahre kaufte. Angesichts seiner Geduld könnte er diese Position meines Erachtens für unbestimmte Zeit halten, da die zugrundeliegenden Fundamentaldaten für Silber auf lange Sicht weiterhin günstig sind. Es ist interessant, daß Sie diese Frage aufwerfen, denn Buffetts Käufe haben sich in den letzten Jahren häufig auf Wertpapiere im Rohstoffsektor konzentriert. Er hat beträchtliche Anteile an Öl- und Erdgaspipelines sowie eine äußerst große Beteiligung am größten Öl- und Erdgasproduzenten Chinas, PetroChina, erworben. Er geht davon aus, daß es in den nächsten Jahren in der ganzen Welt zu kritischen Engpässen bei Rohstoffen kommen wird, wodurch die Gleichgewichtspreise für diese Güter steigen werden. Und da stimme ich mit ihm überein.
Quelle: http://www.faz.net