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Kein Ende der Preisspirale beim Öl
Der Ölpreis hat nun fast die 40-Dollar-Marke erreicht - Wie bei anderen Rohstoffen auch scheint kein Ende der Verteuerung in Sicht - Die Gründe: knappere Ressourcen bei gleichzeitig steigender Nachfrage
Wien – Seit Wochenanfang sind die Ölpreise um sieben Prozent gestiegen, im Gefolge verteuern sich Benzin und Diesel: Am Donnerstag übersprang die führende Nordsee-Ölsorte Brent den Preis von 37 Dollar je Fass (159 Liter). Das ist der höchste Stand seit 13 Jahren. In den USA kostete ein Fass am Donnerstag deutlich mehr als 39 Dollar – so viel wie seit Oktober 1990 nicht mehr.
Zwar dürfte der seit Wochen anhaltende Anstieg auch auf spekulatives Geld und Angst vor neuen Anschlägen im Nahen Osten zurückgehen, die zugrunde liegenden fundamentalen Triebfedern rücken allerdings zunehmend stärker in den Vordergrund: Die Bassins der großen Ölkonzerne schrumpfen; in den Raffinerien gibt es Verarbeitungsprobleme; die Erschließung neuer Felder ist rar, teuer und langwierig; und: Die Nachfrage steigt.
Leere Lager
Dies vor allem aufgrund leerer Lager in den USA und wegen des anhaltenden Wirtschaftsbooms in China, zunehmend auch in Indien. Das bringt mit sich, dass traditionelle Ölanalysten – die vor einem Jahr, als Experten wie der Deutsche Uwe Bergold Fasspreise von über 40 Dollar prognostizierten, noch lachten – jetzt selbst ihre Preisziele auf über 40 Euro nach oben korrigieren. Manche reden von 80 oder 100 Dollar je Fass in wenigen Jahren.
Ein Ende des Anstiegs sei nicht in Sicht, heißt es in den Marktkommentaren immer öfter. Das bringt auch stärkeren Gegenwind für die Konjunktur. Die Energiekosten der Unternehmen wie der Privaten steigen ständig.
Allerdings: Nicht bloß Öl hat sich im Jahresvergleich um fast 50 Prozent auf Dollarbasis und um fast 40 Prozent auf Eurobasis verteuert (die Europäer profitieren beim Öl von der Dollarschwäche, die den Unternehmen allerdings wiederum auf der Exportfront zusetzt). Die Rohstoffpreise stehen großteils auf dem höchsten Niveau seit 20 Jahren. Zwar haben vor allem die Edelmetalle (auch Gold) im April deutlich korrigiert.
"Rohstoffboom fundamental begründet"
Allerdings halten die meisten Experten das für eine kurze Korrektur, die nur Spekulanten aus dem Markt werfe, so etwa Graham Birch, Rohstoff-Chef bei Merrill Lynch zum Standard: "Der Rohstoffboom ist fundamental begründet, die hohe Nachfrage bei gleichzeitigen Produktionsengpass bleibt bestehen." Auch wenn, so Birch, China sein Wachstum heuer von zuvor 9,9 auf rund acht Prozent zurückschrauben könnte. Neue Produktionskapazitäten im Rohstoffbereich aufzubauen sei schwierig, langwierig und teuer.
Besonders hart trifft der Rohstoffboom an den Weltmärkten derzeit die Stahlverarbeiter. Auch die Voestalpine in Krems musste wegen mangelnder Verfügbarkeit das Werk zuletzt für eine Woche sperren. In manchen Produktgruppen haben sich die Stahlpreise innerhalb eines Jahres verdoppelt, aufgrund langfristiger Verträge können die Firmen diese Preiserhöhungen nicht weitergeben. Der heimische Fachverband sieht bereits erste Insolvenzen und warnt vor einer Pleitenwelle in der Branche. Ein Ende der Preishausse sei nicht in Sicht. (Karin Bauer, Der Standard, Printausgabe, 07.05.2004)
Quelle:http://derstandard.at