Unabhängig von den kriegeri-schen Ereignissen weist der Goldmarkt konstruktive markttechnische Signale auf: Am Terminmarkt der Gold Futures ist der Optimismus mit 149.385 Netto-Hausse- Kontrakten nicht zu hoch. Die Optimistenzahlen liegen mit 58% im Mittelfeld und weisen keine gefährliche Überhitzung auf (siehe Chart). Der für den Goldmarkt- preis markttechnisch günstigste Indikator ist die Ent- wicklung der Gold-ETFs. Hier haben die Anleger schon seit drei Jahren (siehe Graphik, S. 2) ihre Bestände abgebaut. Hintergrund der ETF-Verkäufe waren die gestiegenen Zinsen und die Dollar-Hausse.
Dass der Goldpreis sich trotz dieser zwei traditionellen Negativfaktoren (Zinsen, Dollar) trotzdem gut entwi- ckelt hat, beweist die markttechnische Stärke. Kommt es nun im Zuge von wieder wachsendem Optimismus zu neuen Gold-ETF-Käufen (Zentralbanken kaufen wieder stärker), dürften neue historische Hochs beim Goldpreis in Dollar nur eine Frage der Zeit sein. In anderen Währungen – wie besonders dem japanischen Yen, aber auch dem chinesischen Yuan – liegen die Preise bereits heute auf historischen Hochs, was Anleger zu Käufen veranlasst. In Euro stellte der Goldpreis sein 2022-Hoch von 1.902€ bereits ein.
Besonders aus chinesischer Sicht macht es Sinn, Ersparnisse nicht wie bisher (zu 70%) in Immobilien, sondern teilweise in Gold zu investieren, angesichts der niedrigen Aktienbewertungen, aber auch in Dividen- denpapiere. Es war schon immer die Meinung der FINANZWOCHE, dass bei einer neuen Favorisierung der Edelmetalle durch die Anleger hauptsächlich Gold profitieren würde. Hier ist der breiteste Markt in einem ohnehin insgesamt nicht allzu umsatzstarken gesamten Edelmetallsektor zu finden. Silber wird zwar traditionell mit dem Goldpreis mitgezogen, ist aber wegen seiner Industrieabhängigkeit mehr durch Konjunkturzyklen beeinflusst. Auch Platin und Palladium sind mehr durch die Industrie (z.B. Autokatalysatoren) und weniger durch Anlegerkäufe beeinflusst. Nach über zwölf Jahren Seitwärtsbewegung hat der Goldpreis charttechnisch ein erhebliches Aufwärtspotenzial.
Auch die Goldvolatilität steigt, was positiv zu werten ist. Auch der tiefe Discount des Börsenkurses gegenüber dem inneren Goldwert des Sprott Physical Gold Trust gibt ein markttechnisches Kaufsignal für Gold (siehe Graphik). Bei Goldhöchstkursen wie 2020 und 2022 kommt es zu Aufpreisen des Trust gegenüber dem inneren Goldwert, was dann ein Verkaufssignal war.