[...] Eine Reihe von Mitgliedern des EZB-Rates hat sich aber angesichts der hohen Inflation aber auch schon für einen größeren Schritt um 0,75 Prozentpunkte ausgesprochen. Zumindest dürfe es in dieser Frage keine „Denkverbote“ geben, fordern sie. [...]
Die EZB hat nun um 0,75 Prozentpunkte den Leitzins auf 1,25 Prozent erhöht.
Die Teuerungsraten seien "nach wie vor deutlich zu hoch", begründete EZB-Präsidentin Christine Lagarde den Schritt. "Wir hatten unterschiedliche Ansichten am Tisch, eine gründliche Diskussion, aber das Ergebnis unserer Diskussionen war eine einstimmige Entscheidung." Die EZB stellte zugleich weitere Zinserhöhungen in den nächsten Monaten in Aussicht.
[...] Bankenverbände und Volkswirte in Deutschland begrüßten die Zinserhöhung, forderten aber weitere Schritte. Ifo-Präsident Clemens Fuest kommentierte: "Besser spät als nie." Dennoch bleibe die Geldpolitik sehr expansiv. "In den nächsten Monaten werden weitere Zinserhöhungen folgen müssen." Nach wie vor seien die Zinsen sehr niedrig. Auch der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Helmut Schleweis, sagte, es müssten weitere Anhebungen folgen. Die Entscheidungen seien "nur eine Etappe auf dem Weg zu einem angemessenen Zinsniveau". Weitere Zinserhöhungen seien notwendig, um den Kaufkraftverlust zu stoppen, forderte auch die Präsidentin des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), Marija Kolak.
„Die EZB hat heute ein Ausrufezeichen gesetzt. Sie kämpft entschlossen gegen die Inflation und hat die Schlagzahl deutlich erhöht“, sagt Henriette Peucker, Stellvertreterin des Hauptgeschäftsführers des Bankenverbandes Bundesverband deutscher Banken (BdB), mit Blick auf die Entscheidung der EZB, die Zinsen um 75 Basispunkte heraufzusetzen. „Es ist gut, wenn sich die europäischen Währungshüter in den kommenden Monaten weiterhin darauf konzentrieren, Inflation und vor allem Inflationserwartungen entschlossen zu bekämpfen. Dauerhaft hohe Inflationserwartungen der Menschen in der Währungsunion wären mit hohen Kosten für Wirtschaft und Gesellschaft verbunden.“
Zur Sitzung des Rats der Europäischen Zentralbank (EZB) erklärt Iris Bethge-Krauß, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands Öffentlicher Banken Deutschlands, VÖB: „Die EZB hat heute eine schwierige, aber dennoch richtige Entscheidung getroffen. Die Inflation ist im August erneut gestiegen und weitere Preissprünge könnten im Herbst folgen. Daher ist der historische Anstieg um 75 Basispunkte nur folgerichtig. So einen großen Zinsschritt nach oben hat die EZB noch nie gemacht. Die Zentralbank darf in ihrer Entschlossenheit, sich der Inflation entgegenzustellen, nicht nachlassen. Ein Zögern in der Geldpolitik würden wir am Ende in der Realwirtschaft teuer bezahlen. Die EZB verstärkt ihren Kurs und das ist gut so.“
... die deutsche Finanzwirtschaft scheint geschlossen den Zinsschritt zu begrüßen ... mal schauen was die Politiker in den nächsten Tagen dazu sagen werden.