dpa-afx Berlin/Frankfurt - Europas Großbanken müssen sich im kommenden Jahr einem neuen Stresstest unterziehen. Das kündigte die Chefin der europäischen Bankenaufsicht, Danièle Nouy, an. "Einen allgemeinen, öffentlichen Stresstest wird es kommendes Jahr wieder geben. Aber dies kann weniger als die 123 Banken betreffen, die wir direkt beaufsichtigen", sagte sie. Gleichzeitig gebe es ständig kleinere, gezielte Tests mit Blick auf bestimmte Risiken. "Immer, wenn wir den Banken die Frage ,Was wäre, wenn (...)?` stellen, ist das eine Art Stresstest", sagte die oberste Bankaufseherin bei der Europäischen Zentralbank (EZB).
Zu den griechischen Banken sagte Nouy, dass sie solvent seien. "Die griechischen Aufseher haben in den vergangenen Jahren gute Arbeit geleistet, um den Finanzsektor zu rekapitalisieren und zu restrukturieren", berichtete sie. Die griechischen Banken leiden in der Schuldenkrise des Landes unter einer massiven Kapitalflucht. Darüber hinaus sind sie von Notkrediten ihrer nationalen Notenbank abhängig, die die EZB für gesunde Banken genehmigt.
Kritiker hatten immer wieder vor Interessenkonflikten zwischen Geldpolitik und Bankaufsicht unter einem Dach gewarnt. Dazu sagte Nouy: "Wenn es um geldpolitische Entscheidungen wie Notfallkredite geht, muss der EZB-Rat entscheiden, welche Banken er als solvent einstuft. Wir machen unabhängig davon unsere eigene Prüfung." Zur Frage, was passieren würde, wenn Bankenaufsicht und Geldpolitik die Frage der Solvenz griechischer Institute unterschiedlich beurteilen würden, sagte die Aufseherin: "Das ist eine hypothetische Frage, die ich nicht beantworte."