Hallo zusammen,
wollte auch noch kurz was zum Thema beitragen..
Zunaechst wollte ich mich aber bei Dir, yoyo, entschuldigen fuer meine Unzuverlaessigkeit bzgl. Schreiben der BuBa. Ich moechte es Dir nach wie vor zukommen lassen, hab's ueber die Feiertage aber schlicht vergessen. Wird 100% nachgeholt - jedoch erst, wenn ich wieder in die Heimat komme.
Twinson, wef,
Zitat
Stehen hinter OS eigentlich auch physische Geschäfte oder sichert sich der Emi in der Regel nur durch ein entsprechendes Gegengeschäft (z.B. Future) ab und lebt vom Spread?
-> Ich weiss leider nicht genau, wie Banken ihre OS in Deutschland hedgen, so sie es denn ueberhaupt tun. Ich broke zwar options, habe mit deutschen OS beruflich jedoch nichts zu tun. Allerdings erscheinen mir gewisse Szenarien als wahrscheinlich. Zunaechst einmal wirst Du physische Geschaefte im Eigenhandel der Banken meines Wissens nach niemals finden. Egal, welchen Rohstoffmarkt eine Bank traded, sie bedient sich Termingeschaeften und stellt die Glattstellung bzw. den roll over vor Expiry (also Ablauf des Kontraktes) sicher.
Gewinne verspricht sich ein Emittent von Optionsscheinen vordergruendig aufgrund folgender Ueberlegungen:
1) Gewinnmargen durch Bid- / Ask- Spread
2) Aufgrund der Tatsache, dass der Emittent per Definition niemals netto long in seinen eigenen Optionsscheinen ist, sondern ausschliesslich eine bestimmte Anzahl an OS dem Anlegerpublikum zum Kauf anbietet, waehrend gleichzeitig durch staendige Kursstellung eine Ruecknahme der Scheine gewaehrleistet wird, ergibt sich unter Annahme von Informationsasymetrien ein systematischer Vorteil beim Emittenten gegenueber dem Kunden. Warum? Weil der Emittent zum eigenen Vorteil dazu tendieren wird, die zu emittierenden Optionsscheine systematisch ueber dem von ihm als fair angesehenen Wert zu quotieren. Er wird sicherlich nicht die gewuenschte Menge an schlechter informierte Privatanleger verkaufen koennen, erwirtschaftet aber im langfristigen Mittel (keineswegs zufaellig) aus diesem Grunde sichere Gewinne. Oft wird in der Literatur das Konzept des Optionsscheins bzw. der Option mit dem Argument kritisiert, dass Banken im langfristigen Vergleich als Stillhalter satte Gewinne einfuehren und daher die Idee der Option / des Optionsscheins eine schlechte sei. Solche Aussagen sind natuerlich voelliger Unsinn, da Banken nur deshalb uebers langfristige Mittel Gewinne einfahren, weil sie systematisch oberhalb des fair values verkaufen.
Diesem Gewinnmaximierungsansatz durch overpricing der Bank wirkt allerdings ein anderer entgegen: Der Konkurrenzeffekt.
Rechnet Emittent A mit einer langfristigen Gewinnmarge von ca. 15% p.a., bietet Emittent B nach kurzer Zeit identische Optionsscheine mit einer Gewinnmarge von z.B. nur 14% an, d.h. seine Optionsscheine werden z.B. niedriger gepreist und ggf. sogar enger im Spread quotiert sein. Ein gesundes Gleichgewicht duerfte sich somit nach kurzer Zeit einstellen - ein Gleichgewicht, indem der Verkauf von OS zu Preisen oberhalb deren fair values jedoch immer noch moeglich und entsprechend profitabel ist.
3) Durch das Angebot nachgefragter Finanzprodukte zu konkurrenzfaehigen Preisen staerkt die Bank ihre eigene Reputation aus Sicht des Anlegers. -> Werbeeffekt.
Aus obigen Ueberlegungen laesst sich ableiten, dass ein Hedging der OS Positionen gar nicht notwendig ist, solange ausreichend Liquiditaet vorhanden ist und der Geschaeftszweck mittel- bis langfristig angelegt ist. Sollte eine Bank sich doch im jeweiligen underlying hedgen, so sicherlich aggregiert ueber ihr gesamtes OS Portfolio und nicht einzeln gegen jede Kleinsttransaktion in einem bestimmten Optionsschein. Solche aggregierten und ggf. dynamischen Hedges setzen allerdings ein leistungsfaehiges und 100% zuverlaessiges Handelssystem voraus, das fehlerfrei die entsprechend notwendigen Transaktionen berechnet und automatisiert ausfuehrt. Ich denke nicht, dass soetwas gaengige Praxis im OS-Geschaeft ist, da obige Zusammenhaenge ausreichen, um mit wenig Aufwand sichere Gewinne zu erzielen und aus aggregiertem Hedging resultierende Fehlerrisiken zweifellos zu nicht unerheblichen Verlusten fuehren koennten.
jetzt aber gute Nacht ! 