Das sind keine Fake News, sondern Realität.
Es geht um die Preise am wichtigsten Handelsplatz TTF und nicht um den Preis für den Endverbraucher.
Die Preise für den Endverbraucher reagieren nicht 1 : 1 sofort auf die Preise an diesem Handelsplatz.
Die Preis sind gefallen, obwohl keinerlei Gas durch NS1 und NS2 fließt und auf lange Zeit nicht fließen wird. Zwar werden die Preise mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr auf das sehr niedrige Niveau von 2021 zurückkommen. Aber irgendwelche Horrorszenarien lösen sich gerade in Luft auf.
Das milde Wetter, der reduzierte Erdgasverbrauch und überschüssige LNG Lieferungen drücken eben auf den Preis.
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Ich sprach nicht von Endkundenpreisen. Gemeint war TTF oder auch Henry Hub.
Beide Preise sind wiegesagt gerade mal auf das Niveau von vor ca. 5 Monaten zurückgefallen.
Das sind definitiv keine "lange gekannten Tiefstände"! Von daher ist der Artikel in seiner Schreibweise "Fake News".
Auch darf man sich von den derzeit niedrigen Spotpreisen nicht irreführen lassen. Das liegt daran, dass das Gas nicht mehr ausreichend für den Winter gespeichert werden kann. Es müsste sofort verbraucht werden, aber kein Industrieunternehmen wird für wenige Tage "billigeres" Gas ihre Anlagen wieder hochfahren.
Und nur weil es "billiger" ist, ist es noch lange nicht billig.
Der langfristige Durchschnitt bei TTF-Gas liegt bei ca. 20 €/MWh.
Der Spotpreis ist aktuell bei 118 €/MWh, also ca. 500 % mehr als normal. Das ist nicht billig!
Noch dazu sagen die Futures wieder steigende Preise ab dem Winter voraus. Der Februar-Kontrakt kostet z.B. 150 €/MWh.
Bis zu einer Bodenbildung der Gaspreise werden schon noch ein paar Jahre vergehen. Laut Futures wird das erst ab dem Sommer 2026 der Fall sein. Der "Boden" Liegt dann bei ca. 50 €/MWh, also immer noch 2,5-fach soviel wie früher. Auf dem Preisniveau wird es laut den Futures dann langfristig bleiben.
Hast du dir mal überlegt, was das für langfristige Konsequenzen für den Industriestandort Deutschland hat?
Quizfrage: Was war der Hauptgrund für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie?
A: Niedrige Löhne
B: Wenig Bürokratie
C: Niedrige Steuern und Lohnnebenkosten
D: Geringe Umweltauflagen
E: Billiges Gas
Die Antwort liegt auf der Hand. Letzter Punkt hat gereicht, um alle anderen Wettbewerbsnachteile soweit zu kompensieren, dass die Industrie bisher kaum abgewandert ist. Für Netto-Neuansiedlungen hat es aber vorher schon nicht gereicht!
Unseren letzten großen Wettbewerbsvorteil haben wir uns blöderweise selbst mit unserer Sanktionspolitik zerstört.
Die Gaspreise werden in Europa daher dauerhaft erhöht sein. LNG kann rein logisch nie so billig sein wie Pipeline-Gas.
Die Deindustrialisierung Deutschlands wird sich also weiter beschleunigen. Für mich ist das sehr wohl ein Horrorszenario!