Hallo, die ganze Zeit hört man aus der einen Ecke dass alles den Bach runtergeht.
Die andere Seite propagiert seit geraumer Zeit dass alles vorbei ist und der Aufschwung jetzt da ist.
An den Börsen ist mittlerweile alles wieder wie vorher als hätte es einen Crash oder Bankrun nie gegeben.
Geht das jetzt so weiter?
Wurde nichts aus den Fehlern gelernt?
Kann es ewig so weitergehen?
Muss es crashen? Wird es vielleicht crashen? Wird es vermutlich nie crashen weil einfach immer die Staaten regulativ mit fiktiven Geldmengen eingreifen.
Ich weiss gerade nicht mehr was ich glauben soll bzw was los ist.
hat jemand eine Glaskugel?
Gruss
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http://berater.fidelity.de/mae…ne_greetham_20090720.html
Der Aufschwung ist da - er ist nur noch nicht zu spüren
Trevor Greetham
Asset Allocation Director bei Fidelity
20. Juli 2009
Die Hoffnungen auf eine rasche konjunkturelle Erholung, die den Markt so kräftig aus den Tiefständen von Anfang März katapultiert haben, sind inzwischen abgeflaut und haben den Aktienmärkten den Wind aus den Segeln genommen. Die glanzlose Performance im Juni leistete Baissespekulanten Vorschub. Anfang Juli hat sich die allgemeine Stimmung weiter eingetrübt. Hat der Aufschwung tatsächlich begonnen oder war die Frühjahrsrally ein Fehlstart?
Die Unentschlossenheit des Marktes verdeutlicht, wie schwierig es für Anleger ist, einen Wendepunkt im Konjunkturzyklus rechtzeitig zu erkennen. Meistens steigen und fallen die Aktienkurse mit der Wirtschaftslage. Konjunkturdaten werden jedoch mit zeitlicher Verzögerung veröffentlicht und verzerrte Daten können den zugrunde liegenden Trend verschleiern. Konjunkturelle Hochs und Tiefs kommen zumeist erst mehrere Monate später im kollektiven Bewusstsein an. Bis dahin haben die Aktienkurse aber bereits reagiert. Anleger, die nach dem richtigen Zeitpunkt für einen Ein- oder Ausstieg am Markt suchen, müssen die wirtschaftliche Lage in Echtzeit beurteilen.
Trendwenden erkennen
Eine Wende am Markt sofort zu erkennen ist wesentlich komplizierter als es scheint. Nehmen wir das Austrocknen der Interbankenmärkte im Sommer 2007. Viele hielten dies nur für ein vorübergehendes Phänomen und sahen in den fallenden Aktienkursen eine großartige Kaufgelegenheit. Oder denken Sie an den Einmarsch in den Irak im März 2003. Da zu dieser Zeit eine große Unsicherheit an den Märkten vorherrschte, wurde erst sehr spät klar, dass dieses Ereignis eine fünfjährige Phase des Aufschwungs eingeleitet hatte.
Meines Erachtens dürften wir die Talsohle im aktuellen Zyklus bereits im März 2009 durchschritten haben. Die Hinweise auf eine wirtschaftliche Erholung werden immer deutlicher. Motor hierfür ist nicht die wachsende Nachfrage, sondern das Wiederauffüllen der nahezu leergefegten Lager durch die Unternehmen.
Was bisher geschah...
Mit der Pleite von Lehman Brothers ist die Weltwirtschaft plötzlich zum Stillstand gekommen. Liquiditätsengpass, Kreditklemme und in der Presse eine Fülle äußerst überzeugender Parallelen zu den Anfängen der Großen Depression - diese Themen beherrschten die Märkte. In Erwartung deutlich sinkender Verbraucherausgaben fuhren Hersteller ihre Fertigung drastisch zurück. Die Industrietätigkeit in Japan brach binnen weniger Monate um ein Drittel ein. Die Werkaufträge in Deutschland gingen um ein Viertel zurück.
...und wo wir jetzt stehen
Der Konsum ging indes keineswegs im gleichen Umfang zurück. Inzwischen steigt die Zahl der Ordereingänge wieder und die Hersteller müssen ihre Anlagen wieder hochfahren. Die rasante Verbesserung der Stimmung unter den Unternehmen seit März dieses Jahres legt die Vermutung nah, dass eine V-förmige Erholung bereits in Gang ist. Hierüber sind sich inzwischen die meisten einig.
Die Pessimisten geben sich indes nicht geschlagen. Ihrer Ansicht nach wird die Erholung nur von kurzer Dauer sein, da die Endnachfrage schwach ist und die Banken keine Kredite zur Stützung des Wirtschaftswachstums bereitstellen. Die Erholung der Industrietätigkeit hat sich bislang jedoch immer von selbst ausgeweitet. Produktionssteigerungen bringen den Unternehmen Gewinne und den letztendlich eingestellten Arbeitskräften einen Lohn. Wenn das Vertrauen wieder wächst, sitzt das Geld auch wieder lockerer. Der erhöhte Kapitalfluss in der Wirtschaft hilft indes den Kreditmärkten, wieder auf die Beine zu kommen. Wenngleich die Banken bei fallenden Immobilienpreisen nur ungern Darlehen gewähren, werden sie wohl kaum auf die Chance verzichten abzusahnen, sobald die Preise wieder anziehen.
Wie stabil ist die Erholung?
Stehen wir momentan wieder genau dort, wo wir bereits im März 2003 standen? Ein kräftiger und nachhaltiger weltweiter Aufschwung ist durchaus möglich. Schließlich erleben wir derzeit eine extrem lockere Geldpolitik. Daran wird sich voraussichtlich nichts ändern, "bis der Aufschwung gesichert ist", so die G8.
Die Mächtigen der Welt standen erst kürzlich dicht am Abgrund. Noch vor einem halben Jahr machten sie sich ernsthafte Sorgen darüber, dass das kapitalistische System in seiner jetzigen Form möglicherweise nicht überleben würde. Die Währungshüter in der westlichen Hemisphäre fragten sich mit einem Auge auf Japan schielend, ob sie wohl jemals wieder eine Zinserhöhung erleben dürften. Politiker und Anleger mussten trotz unvollständiger Informationen handeln. Ihnen war klar, dass sie das genau passende Maß an Stimulus nicht erreichen würden. Daher entschlossen sie sich, lieber zu viel des Guten zu tun. Das Ergebnis sehen wir jetzt.
Die Märkte erklimmen einen Sorgenberg und an den Wendepunkten lauern Widersprüche. Viele sehen in dem Anstieg der Anleiherenditen und der Energiepreise in den letzten Monaten eine Gefahr für die fragile Weltwirtschaft. Für mich sind sie Anzeichen des Aufschwungs. Oftmals wird die Ansicht vertreten, dass viele die Rally verpasst haben, da Aktien bereits teuer sind. Meines Erachtens erscheinen Aktien nur dann teuer, wenn man von weiterhin rückläufigen Gewinnen ausgeht. Was aber, wenn sie von nun an kräftig steigen?
Fazit
Obgleich ich nichts versprechen kann, sind die Anzeichen äußerst ermutigend. In meinen Multi-Asset-Fonds habe ich Aktien zum ersten Mal seit dem dritten Quartal 2007 übergewichtet, insbesondere in den Bereichen Schwellenmärkte, Immobilien und Finanzen. Gleichzeitig habe ich das Rohstoffengagement verstärkt und die Übergewichtung bei Unternehmensanleihen belassen. Angesichts der quasi Nullzinspolitik halte ich momentan keine Barmittel. Gelegentliche Rückschläge an den Märkten werden voraussichtlich zeitgleich mit dem Auf und Ab der Konjunkturdaten zu beobachten sein. Solange sich die wichtigsten Indikatoren auf hohem Niveau behaupten, werte ich das als Kaufgelegenheit. Unmengen von Bargeldeinlagen warten nur darauf, in Kürze profitabler angelegt zu werden.