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10.07.2012 06:00
Der Goldexperte und pro-Aurum-Partner Uwe Bergold sagt im cash-Interview, wie hoch der Goldpreis in den nächsten Jahren steigen kann. Und warum der Preisanstieg seine Limiten hat.
Interview: Frédéric Papp
cash: Wie kommt der Goldpreis überhaupt zustande?
Uwe Bergold: Generell bestimmt sich ein Preis nach Angebot und Nachfrage. Beim Gold hingegen kommen die Förderkosten hinzu. Diese bilden quasi die Preisuntergrenze. Zurzeit belaufen sich die durchschnittlichen Förderkosten für Gold zwischen 800 bis 900 Dollar pro Unze. Diese Preisspanne betrachte ich als die absolute Preisuntergrenze.
Gold wirft keinen Zins ab. Weshalb sollen Anleger das Edelmetall kaufen?
Der Hauptgrund in Gold zu investieren ist der Inflationsschutz. Gold wirft zwar keinen Zins ab, aber Sie müssen folgendes bedenken: Alle anderen Investments, die verzinst werden, sprich Aktien, Immobilien oder Anleihen, vernichten zurzeit real Kapital. Sollte diese negative Realverzinsung ins Positive drehen, dann ist es mit der Goldhausse vorbei.
Da Sie als Gold-Daueroptimist gelten, wird die Hausse Ihrer Meinung nach wohl noch lange andauern.
Das wird von den Medien so kolportiert. Aber ich bin Goldoptimist erst seit 2001. Zuvor war ich ein Aktienoptimist. Und für die nächsten Jahre werde ich aber weiter dem Gold die Stange halten. Ich denke, dass die Hausse etwa bis Mitte dieses Jahrzehnts andauern wird. Gold ist keine 'Never-Ending-Story'. Wir werden den Goldpreis in einer Blasenbildung erleben. Und danach wird die Ära der Aktien wieder anbrechen.
Wie hoch steigt der Goldpreis noch?
Im Markt geistern diverse Kursziele herum, auch von mir.
In einem früheren Interview sagten Sie, der Preis könne noch bis 5000 Dollar steigen.
Ja, das stimmt. Ich glaube sogar, dass wir noch höhere Kurse sehen werden. Wobei das Kursziel eigentlich gar keine Rolle spielt. Entscheidend wird die Geschwindigkeit des Gelddruckens sein beziehungsweise wie stark die Bankbilanzen steigen. Die Kaufkraft des Goldes an sich wird sich nicht ändern, nur die Nullen, die dahinter stehen. Es kann also sein, dass der Goldpreis fünfstellige Preisspähren erklimmt.
10'000 Dollar die Unze ist somit möglich?
Alles ist möglich. Je schlimmer die Krise wird und je mehr Geld gedruckt wird, desto stärker werden die Goldnotierungen anziehen.
Folglich gehen Sie von einer harschen Wirtschaftskrise aus.
Die Krise wird auf alle Fälle stark ausfallen. Die schwierigste Zeit steht uns noch bevor. Was wir bis anhin erlebt haben, ist erst die Aufwärmphase.
Können Sie das konkretisieren?
Wir haben ein Urpoblem: Und zwar werden die riesen Schuldenberge mit Schulden bekämpft. Dies wird dazu führen, dass die Schulden weiter kollektiviert werden. Im Endeffekt wird die ganze Rechnung der Sparer zahlen, der auf der Gegenseite steht. Es gibt ja immer hinter jedem Schuldner ein Gläubiger, der Vermögen besitzt. Die Schulden werden schleichend weginflationiert.
Gold verhält sich seit einigen Monaten ziemlich volatil und korreliert mit den Aktienbörsen. Wird dieser Gleichschritt andauern?
Das kann durchaus noch eine Zeit lang andauern. Aber wir sagen seit rund elf Jahren, dass Preiskorrekturen besonders gute Kaufgelegenheiten sind. Kein Mensch wird aber den Einstieg zu Tiefstpreisen erwischen auch wir nicht. Ich liege oft falsch bei kurzfristigen Prognosen. Aber das ist nicht entscheidend. Man muss aber entscheiden, ob Gold strategisch sich noch in einem Bullenmarkt oder Bärenmarkt befindet. Und derzeit befinden wir uns in einem Bullenmarkt. Die jetzigen Goldnotierungen sind Kaufkurse.
Wichtigen Gold-Preistreibern wie China oder Indien fehlte es aber an Zugkraft in den letzten Monaten.
Das sind kurzfristige Effekte. Betrachtet man die Zentralbanken, dann nimmt die Nachfrage zu und auch die Privatnachfrage in China ist massiv. Dies, weil der Goldbesitz fünfzig Jahre lang unter Strafe stand. Erst seit 2002 können die Chinesen unbehelligt Gold kaufen. Die immer grösser werdende Mittelschicht in China wird ihre Investments vermehrt in Gold umschichten.
Goldminenaktien sind derzeit günstig bewertet. Ist der Zeitpunkt reif, um einzusteigen?
Goldminentitel haben seit sechs Jahren einen Höllenritt hinter sich, sie befinden sich in einer hochvolatilen Seitwärtsbewegung. Und aktuell sind sie so günstig wie seit 50 Jahren nicht mehr. Wenn jemand neben physischem Gold auch Dividenden will, dann sollte er jetzt in Goldminenaktien investieren.
Welche Metalle ausser Gold sind für Anleger ein Kauf?
Derzeit schaut Platin fundamental hochinteressant aus. Denn der Preis notiert aktuell um die Förderkosten. Er liegt quasi auf seiner Kursuntergrenze. Zudem ähnelt die Preisentwicklung von Platin jener von Gold. Sie ist also konservativer im Vergleich zu den anderen Weiss-Edelmetallen Palladium oder Silber. Aktuell wird Platin aber günstiger gehandelt als Gold.
Wie schätzen sie die Preisentwicklung bei Silber ein?
Silber sehe ich ähnlich positiv. Aber Silber ist schwieriger zu handhaben, weil es im Vergleich zu Gold sehr viel volatiler ist. Seit dem Hoch im April 2011 haben wir beinahe eine 50-prozentige Korrektur erlebt. Im Moment sehe ich in den kommenden Wochen noch tiefere Kurse. Anleger sollten also noch zuwarten.
Was wären denn Kaufsignale?
Immer, wenn Inflation sichtbarer wird, dann steigt Silber zur Blüte auf und outperformt Gold. Dies, weil der 'kleine Mann' sich nicht Gold leistet, weil dies zu teuer scheint, sondern Silber. Hinzu kommt: Silber ist auch ein Industriemetall, während Gold ein praktisch reines Währungsmetall ist. Und diese industrielle Komponente ist dafür verantwortlich, dass Silber in Zeiten von Inflation stärker steigt als Gold.
Gold wird in Dollar gehandelt. Wie sinnvoll ist eine Währungsabsicherung?
Ich brauche als Europäer oder Schweizer nichts abzusichern. Die eigentliche Sicherheit, die der Anleger kauft, ist das Gold. Wenn Anleger Profit aus Währungsschwankungen ziehen wollen, dann kann er ein zusätzliches Devisentermingeschäft abschliessen. Wichtig ist: Es handelt sich um zwei differente Geschäfte.
Im cash-Video-Interview spricht Bergold auch über Entwicklung der Aktienmärkte im Lichte der Euro-Schuldenkrise und wie das ideale Anleger-Portfolio strukturiert sein müsste.
Uwe Bergold ist Parnter beim Edelmetall-Händler pro aurum und Inhaber der Fondsgesellschaft Global Resources Invest GmbH. Er ist mehrfacher Buchautor, Lehrbeauftragter und Referent an diversen Hochschulen.
Das Interview wurde am Rande einer Veranstaltung von pro aurum am Montag in Zürich geführt.