@ Venzia
Wie bereits oben eine Antwort an Tantali versuche ich mal eine Antwort wie folgt unter explizitem Ausschluss einer "Haftung" bzgl. inhaltlicher Richtigkeit:
Du sprichst ein in der Tat bei allen börsennotierten Fonds (ETFs) und bei Aktien etwas heikles Thema an. Komme unten darauf zurück.
Zunächst muss man unterscheiden zwischen zwei verschiedenen Ebenen von Leerverkäufen:
a) Leerverkäufe DES Fonds selbst (also Shortplays / Entleihungen mit physischer Silberware): Dies ist nach allen meinen Infos beim ZKB-ETF nicht möglich und qua Prospekt ausgeschlossen. Wie Du ganz richtig schreibst, könnte so etwas ja auch niemals im Interesse eines (immer long spekulierenden) Silber-ETF-Zeichners liegen! Ich bin seit Jahren an diesem Punkt besonders paranoid, weil solche Shortplays auf FONDS-Ebene (v.a. beim Barclays SLV) eben NICHT ausgeschlossen sind und auf diese Weise m.E. der Silberpreis negativ beeinflusst werden kann und möglicherweise durch Barclays und andere heute bereits wird!
b) Leerverkäufe auf Ebene des ANLEGERS: Wie bei allen Aktien / Fonds / Wertpapieren kann der Silber-ETF im Prinzip DURCH DEN ANLEGER leerverkauft werden. Das ist keine Frage des ETF-Prospekts, sondern der Anlagegesetze des jeweiligen Landes. Ich vermute stark, dass sich der von Dir zitierte Hinweis der ZKB auf solche Leerverkäufe bezieht. Dabei hat allerdings die ZKB m.E. "short sales" mit "Leerverkäufen" schlecht übersetzt. Gemeint sind (meine Interpretation!) vermutlich zunächst nur "Put"-Geschäfte, die ein Anleger, der etwa in physischem Silber long ist (also dieses besitzt) - über den ETF zwecks hedging tätigen kann. So eine Aktion kann dem Anleger in gewissen Situationen natürlich Vorteile bringen, weil er seinen physischen Bestand absichern kann, ohne ihn verkaufen zu müssen. Wenn z.B. über Nacht der Silberpreis auf $40/oz schießen würden, würde ich mir so eine Aktion auch überlegen. Physisches verkaufen und dann gleich wieder einkaufen bringt bei Silber Verluste in der Größenordnung von bis zu 30% (inkl. Steuer), so dass das keine echte Option wäre. So ist vermutlich der Hinweis durch die ZKB gemeint. Leider lädt die Übersetzung "Leerverkäufe" zu folgendem Gedankengang ein (bin da aber kein Experte): in D sind "naked shorts" (also Leerverkäufe, ohne dass man die Aktie / den Fonds hält) seit Jahren den Profis erlaubt - und mittlerweile auch den Privatanlegern, sofern sie in die entsprechende Risikoklasse ("5" - also Verlustrisiken > 100%) eingestuft sind. Derartige nakes short plays sind kein hedging, sondern reine Spekulation. Für den FONDS und den Silberpreis allerdings ist selbst ein solches Vorgehen unkritisch! Insofern ist das eher ein Privatproblem des nakes short sellers.
Die einzige Ausnahme hiervon stellt der Sonderfall dar (mesodor hat das irgendwo im Xetra-Gold-Thread mal schön dargelegt), dass theoretisch über naked short sales in großem Stil virtuelle Anteile einer Aktie oder eines Fonds kreiert werden können, die es real gar nicht gibt und die dadurch künstlich die Anzahl der Aktien bzw. der Fondsanteile über die offiziellen Ausgabezahl hinaus erhöhen können. Dadurch kann es zumindest temporär zu vom Unternehmenswert bzw. vom Nettoinventarwert eines ETF nicht mehr gedeckten Aktien-/Anteilswerten kommen. Konkret in diesem Fall wäre DANN auch theoretisch der Silberpreis tangiert, wenn über naked short selling massivst neue ETF-Anteile kreiert würden und das darin gebundene Kapital dann NICHT über den ETF zu physischen Silberkäufen genutzt wird. Derzeit ist das wegen der noch nicht marktbewegenden Größe des ZKB-ETFs ein rein theoretisches Problem. Wächst er aber so weiter, kann es eines Tages eines werden.
Ob und welche Gegenmaßnahmen die ZKB gegen ein solches Vorgehen ergriffen hat bzw. ergreifen kann bzw. ob solche NAKED short plays in der Schweiz überhaupt möglich sind, klärst Du bitte direkt mit den Produktverantwortlichen (Adressen s.o.). Bitte Antwort hier posten. Danke.