Zitat
Original von weissgarnixweiss zwar nicht, wer Herr Baader ist
=> Diese Antwort lässt nur drei mögliche Schlüsse zu:
a) Du kennst ihn WIRKLICH nicht, was ich mir beinahe nicht vorstellen kann: Baader ist vielfacher Buchautor, ein intellektueller Gigant und exzellenter Formulierer und -mit Verlaub- Du KANNST fast nicht an ihm vorbeigekommen sein.
b) Du WILLST ihn aus eben diesen Gründen nicht kennen, weil er eben -wie Du immer wieder fälschlicherweise sagst- "Monetarist" ist. Uns Goldbugs interessieren die Milton F´s dieser Welt nicht und wir stimmen auch nur punktuell und eher zufällig mit ihnen überein. Baader denkt mit Common sense und braucht keine Modelle.
c) Baader SOLL als "unbedeutend / unbekannt" abqualifiziert werden. Das ist er aber lange gewohnt - hat der Verbreitung seiner Bücher nie einen Abbruch getan.
Zitat
3) Die Gleichung I=S ist in unserem heutigen Geldsystem nicht anwendbar und falsch.
=> Tja: Sie SOLLTE aber anwendbar sein! Banken wären dann auf ihren ursprünglichen Zweck reduziert, Geldsammelstellen zu sein und nur max. 100% der Ersparnisse einer Gesellschaft über Kredite wieder in Umlauf zu bringen. Die Gleichung ist in der heutigen Bankenpraxis falsch - und das ist die Grundursache für so viele Übel dieser Welt. Am offensichtlichsten ist das aktuell bei unseren Casionobanken, die sich bei 7% EK-Quote wundern, dass diese 7% schon bei minimalen Subprime-Abschreibungen aufgebraucht sind und dann nach der Politik rufen, um die Verluste per Bailout zur Insolvenzvermeidung über alle Steuerzahler sozialisieren! Nichts anderes sagt auch Baader.
Zitat
Wer sich auf sie beruft, verwechselt unser Wirtschaftssystem leider immer noch mit "Tauschwirtschaft" und glaubt, Geld existierte "netto". Jede Ausführung, die darauf aufbaut, ist daher ebenfalls falsch.
=> Reine Ideologie, die durch stetige Wiederholung nicht wahrer wird. Auch im Goldstandard gab es Kredite und ganz normale Geldwirtschaft und einen sehr florierenden (und FUNKTIONIERENDEN) INTERNATIONALEN Handel. Du bist VIEL zu leichtfertig mit dem apodiktischen Schluss "Jede [andere als meine] Ausführung ist falsch"! 
Zitat
Falls Interesse an einer detaillierten Widerlegung von I=S besteht, kann ich das gerne hier tun.
=> Tu das - und ich garantiere Dir, dass die Diskussion wie immer bei diesem Thema (!!) in einer Modell-Materialschlacht und im Chaos enden wird, so wie ich das zu Beginn dieses Threads prognostiziert habe. Kann Dich nicht abhalten und werde bei diesem intellektuellen Modell-Schaulauf auch nicht mitmachen. Aber es wird sich jemand finden, der es tut - und dann hast Du hier das Chaos. In der heutigen PRAXIS hast Du ja leider recht: "I=S" hat schon lange praktisch keine Bedeutung mehr - s.o. .
Zitat
4) Dass es zu Zeiten des "Goldstandards" bzw. der Metallwährungen keine Münzverschlechterung durch den Souverän gegeben hätte, meint der Gute hoffentlich nicht im Ernst. Das allersimpelste Geschichtsbuch würde in Lügen strafen. Auch am Referenz-Goldstandard im England des 19. Jahhrunderts ist mehrfach von seiten der Regierung herumgedoktert worden.
=> Korrekt. Schon Nero hat im ersten Jahrhundert nach Chr. mit dem Kippen und Wippen angefangen. Im Internet-Zeitalter hätten es diese Leute aber schwerer, physisches Geld zu verschlechtern, weil effektive Prüfmethoden bekannter werden. Das Greshamsche Gesetz ("Gutes Geld verdrängt schlechtes") gilt übrigens IMMER, wenn die Leute durchschauen, was gespielt wird. GoldSilber-Geld wurde in der Geschichte von der Bevölkerung immer lieber genommen als Nickelmünzen. In der Schweiz sind offiziell noch heute 5Fr-Silbermünzen theoretisch im Umlauf. In der Praxis sind sie schon lange komplett aus dem Verkehr gezogen.
Zitat
5) Dass es zu Wirtschaftswachstum Inflation benötigt ist Quatsch, da hat er vollkommen recht. Nur benennt er nicht den wahren Übeltäter dahinter, nämlich den Staat. Auch in einem fiat money System wäre Preisstabilität eigentlich die "Normalsituation", wenn es nicht einen gäbe, der mogelte.
=> Tja: Es GIBT ihn aber und der Staat betrügt immer, WENN man ihn lässt. Das IST ja eben das Geniale (und zugleich Triviale) an einem echten Goldstandard: Die Politiker bzw. Monarchen etc. KÖNNEN nicht physisch betrügen, wenn fälschungsresistentes Geld aus physikalischen Gründen nicht beliebig vermehrt werden kann.
Zitat
7) Um es kurz zu machen: Herr Baader trifft meine wesentlichen Gedanken durchaus, outet sich aber mehrfach im Text als Monetarist bzw. Anhänger der Quantitätsgleichung. Diese ist aber falsch.
=> Welche Hybris...
LIES doch bitte erst mal ein Buch von Baader (fang an mit "Geld, Gold und Gottspieler")! DANN nehmen wir Kommentare von weissgarnix zu diesem Thema auch ernst. Und dann wirst Du auch erkennen, dass Baader NIE die Quantitätsgleichung nutzt (nicht mal implizit), dass er sich nicht als Monetarist versteht, dass Du noch lange nicht seine wesentlichen Gedanken triffst und dass Du da noch viel lernen kannst.
Zitat
Baader wird es schwerfallen zu erklären, warum empirisch in Zeiten steigender Geldmengen fallende und gleichbleibende Preise ebenso feststellbar waren als man in Zeiten sinkender Geldmengen steigende Preise beobachten konnte. Alles historisch schon dagewesen, nicht einmal, sondern dutzende male.
=> Niemand (auch Baader nicht) behauptet eine SEHR KURZFRISTIGE Korrelation von Inflation und Geldmengensteigerung. Diese "Dutzende Male" waren immer nur Zeiträume von wenigen Jahren. Wie ich im Post zuvor begründet habe, sind Verzögerungen in diesem Prozess durchaus normal. Die Geldmengensteigerungen bleiben dennoch kausal für die Inflation (bzw. wie Baader oder Mises formulieren würden: "Die Geldmengensteigerungen SIND die Inflation; und Preissteigerungen sind nur die FOLGE der Inflation"!). Du selbst behauptest (siehe Dein eben noch nachgeschobenes Post) eine umgekehrte Kausalität. Well - Aussage gegen Aussage. Belegen kannst auch DU Deine Position nicht, auch wenn Du umgekehrt von mir Belege forderst. Wir sind nun -wie immer- bei der Ideologie und damit am Ende der Diskussion angelangt. Time will tell...
Übrigens: Eine Einordnung von Baader in einen etwas größeren geldpolitischen Kontext kannst Du hier nachlesen (ab S. 6): http://www.pbvv.de/finanzbriefe/2005-04-Finanzbrief.pdf
Dringend empfohlen, bevor Du einen Dir unbekannten Baader weiterhin mit M. Friedman in eine Schublade steckst. Da stehen Welten dazwischen!
In dem Link wird auch aufgezeigt, dass ein reines GOLDgeldsystem nicht das ZINSproblem lösen würde. Dafür habe ich -wie mehrfach betont- auch keine Lösung. Außer der Tatsache, dass das absolute Zinsproblem in einer Goldgeldwirtschaft um GRÖSSENORDNUNGEN geringer wäre als in unserem heutigen debitistisch pervertierten Fiat System.