Die Geschichte mit den Edelmetall-Konten ist verzwickt, da die (gutgläubigen) Käufer, also der in Edelmetall investierende Bankkunde eine ganz andere Vorstellung von der Transaktion hat, als die Bank sie tatsächlich durchführt.
Der Bankkunde legt z.B. 10.000 Euro als Krisenabsicherung auf ein "Silberkonto" und wähnt sich nun Eigentümer von sagen wir mal 60 Kilo Silber, die die Bank für ihn verwahrt. Schließlich verlangt die Bank dafür ja auch noch jährlich "Lagergebühren".
Die Bank denkt aber gar nicht daran, für Tausende solcher Kunden Hunderte von Tonnen Silber zu kaufen und einzulagern! (Schließlich läßt sich ja kaum ein Kunde die Ware physisch ausliefern - zumindest bislang).
Sie nimmt das Geld und läßt es "arbeiten", verleiht es z.B. als Kredite für 7% Zinsen im Jahr o.ä.
Und ein Teil des Geldes wird z.B. benutzt, um den Edelmetallkurs schön niedrig zu halten, damit man nicht in die Verlegenheit kommt, dem Kunden, wenn er sein Metallkonto auflöst, mehr zahlen zu müssen, als er eingezahlt hat.
Letztlich hat die Bank - und das macht die Geschichte für Außenstehende so kompliziert - damit ein verdecktes Warentermingeschäft gemacht. (Verdeckt deswegen, weil der Kunde davon i.dR. nichts ahnt): Sie hat etwas verkauft, was sie gar nicht besitzt. Nämlich dem Kunden Silber, das in den Tresoren gar nicht existiert.
Das stellte bisher kein Problem für die Banken dar, denn
a.) blieb der Silberpreis Jahrzehnte lang in einer engen Bandbreite niedrig
und
b.) ließ sich bisher kaum ein Kunde die Ware physisch ausliefern (was ja auch durch teure Aufschläge, MwSt usw. zunächst unattraktiv erscheint)
Sollten jedoch diese beiden Faktoren eine plötzliche Änderung erfahren, sprich der Silberpreis stark ansteigen oder gar die Kunden massenweise physische Auslieferung verlangen, dann bekommt die Bank ein Problem.
Dann muss sie nämlich im Falle der physischen Auslieferung ihre (verdeckte) Short-Postion auflösen und tatsächlich das Silber auf dem Markt kaufen, das sie dem Kunden Jahre zuvor "verkauft" hat.
Sollte aus welchen Gründen auch immer (es braut sich auf dem Finazmarkt ja genügend Horror-Potential zusammen) ein Run auf physischen Edelmetall-Besitz eintreten (Angst ist eine starke Triebfeder...) , dann müssen diese Banken die Hosen runterlassen, da es ziemlich unmöglich sein wird, auch nur annähernd diese Mengen Silber auf dem Markt zu erwerben - und wenn, dann zu horrenden Preisen.
Ob das dann das Vertrauen in die Banken weiter steigert, wage ich zu bezweifeln.
Ein weiterer pikanter Punkt: Für diese Geschäfte springt keinerlei Einlagen-Sicherungsfonds ein. Geht die Bank über die Wupper ("passiert nicht?" - von wegen!) ist das Geld futsch und der Traum von der krisensichern Anlage des Kunden ebenfalls.
Für Gold gilt ähnliches, allerdings ist die Versorgungslage mit Gold nicht so pikant, da in den Banktresoren weltweit wesentlich mehr Gold als Silber gebunkert ist
Fazit: Nur was man in den Händen halten kann besitzt man wirklich - ohne vom Wohlergehen und dem Geschäftsgebaren der Banken abhängig zu sein.