Das ganze Gehabe mit dem Widerrufsrecht gestern in den Nachrichten verstehe ich nicht.
Wir betreiben seit 2 Jahren als Powerseller einen eBay-Shop (99% postive Bewertungen).
Also gewerblich. Mit Umsatzsteuer, Umsatzsteuervoranmeldung, Steuererklärung, Steuerberatungskosten usw. .
Seit wir dies machen ist allgemein bekannt, daß für gerwerbliche eBay-Verkäufer das Fernabsatzgesetz gilt und entsprechende Widerrufsbelehrungen etc. auf der Seite angebracht werden müssen. Dieses Thema füllt (seit wir dabei sind) die Diskussion im ebay-"Powerseller-Forum" (leider nur für Powerseller zugänglich).
Seit mindestens 1 Jahr läuft von geschäftstüchtigen Anwälten sowie von Verbaucherzentralen eine Abmahnwelle gegen als gewerblich ersichtliche Ebayer, die ihre Verkaufs-Seite nicht nach den Regeln des Fernabsatzgesetzes gestalten. (Abmahnung kostet so zwischen 400 und 1500 Euro) Und entsprechende Gerichtsurteile gibt es haufenweise.
Ist also überhaupt nichts Neues. (Nur, daß nun auch der BGH das schon bekannte nochmals bestätigt hat).
Resultat dieses Fernabsatzgesetzes ist, daß man als betroffener Verkäufer nun dem Käufer völlig ausgeliefert ist. Machen nicht nur einige wenige, sondern ähnlich wie bei Quelle, Neckermann und Co. erhebliche Prozentsätze der Käufer von Ihrem Widerrufs- und Rückgaberecht Gebrauch, so hat man enorme zusätzlich Kosten für Abwicklung, Porto, Prüfung der zurückgesandten Ware (teilweise benutzt und beschädigt) und enormen Streß und Streitereien wegen deren Wertminderung usw. Kommt es zum Streit (leider sehr oft, da viele schräge Vögel ihre Position ausnutzen), kassieren die Anwälte kräftig mit, so daß man meist aus Kostengründen resigniert und die versaute Ware "abschreibt".
Dies betrifft insbesondere Händler, die Alltagswaren wie Kleidung, Elektronik oder Bücher usw. verkaufen.
Zu allem Überfluß muß der Verkäufer auch noch bis zu einem Warenwert von 40.- Euro die Rücksendekosten des Käufers bezahlen. Kalkuliert man das alles ein, muß man die Ware 10 - 20% teurer machen, um keinen Verlust zu erleiden. Dann verkauft man nichts mehr, da der Preis nicht mehr konkurrenzfähig ist.
Diese Vorgänge haben bereits bekannte Versandhäuser wie Neckermann und Quelle (für die das Fernabsatzgesetz ja auch gilt) in die roten Zahlen getrieben.
Stattdessen findet man bei ebay massenweise sogenannte "Privatverkäufer", die offensichtlich unter immer neuen accounts mit geringen Bewertungen haufenweise Neuware vertreiben. Natürlich schwarz, ohne Steuer, ohne Fernabsatzgesetz und damit auch ohne Streß.
Somit hat man als ehrlicher Händler, der sich an die gesetzlichen Spielregeln hält und brav die Steuern zahlt, überhaupt keine Chance.
Viele Powerseller haben mittlerweile auch resigniert und ihren ebay-Laden dichtgemacht.
Ganz findige Käufer bestellen sich z.B. Bücher oder Comics, lesen sie und schicken sie innerhalb von 14 Tagen ("Widerrufsfrist") wieder zurück. Natürlich auf Kosten des Verkäufers. Oder lassen sich Klamotten schicken, tragen sie 14 Tage - und dann "back to sender".
Man hält es nicht für möglich, was man da alles erlebt...
Wir haben von der schwachsinnigen Überregulierung und dem einseitigen "Schutz der Verbraucher-Rechte" und der nahezu völligen Schutzlosigkeit und Abzocke der Verkäufer jedenfalls auch die Schnauze voll und werden das Gewerbe nach dem Weihnachtsgeschäft endgültig wieder einstampfen.
Braucht sich der Blanke Hans nicht wundern, wenn noch mehr Steuern in seiner Schatulle fehlen.
Er will es ja offensichtlich nicht anders.