Nachdem Platzen der grössten Kreditblase wäre ein lange harte Deflation zu erwarten. Insofern sind die Deflationsjünger
die richtigen Theoretiker, aber eben gerade deswegen die schlechten Realisten. Denn die Notenbanken, Staaten und
Regierungen haben unmissverständliche Signale gezeigt, eine Deflation um jeden Preis verhindern zu wollen. Insofern
muss man das ganze stärker unter einem pragmatischen Blickwinkel sehen.
Zur Zeit sehe ich starke deflationäre Kräfte wirken. Die usselige Sparppakete in vielen Ländern sind nur die offen-
sichtlichen Triebe dieser Entwicklung. Und genau hier besteht die grosse Gefahr, in japanische Verhältnisse zu
schlittern. Nicht von ungefähr argwöhnen die USA die Spar"anstrengungen" Europas. Meiner Meinung nach zurecht.
Eine Inflation kann man mit hohen Zinsen bekämpfen; Stimulus und QE helfen bei einer Deflation NICHT, das beweist
Japan seit mehr als einem Jahrzehnt. Am Ende steht eine brach liegende Wirtschaft, ein überschuldeter Staat in
aufgewertetem Geld mit dem Rücken zur Wand.
Jeder Politiker und Notenbanker wird alles tun um eine Deflation zu verhindern. Die Frage ist nur ob sie es können
oder schaffen werden. Kommt es zur Inflation, steigen die Zinsen und die Schuldenlast erhöht sich, damit auch der
Druck diese zu reduzieren. Das könnte den Aufschwung wieder abwürgen, eine neue Rezession droht. Deswegen
ist für mich der bequemste Weg raus aus dem Schlamassel immer noch die Inflation. Keine Vermögenssteuer,
Reichensteuer ("Ich bin dann mal weg") wird es schaffen den Geldberg der ALDI-Brüder wieder zum kleinen
Mann hin umzuverteilen. Inflation = einzigste Weg die Milliarden der 1% wieder zurückzuführen.
Wiegesagt - es stellt sich für mich nicht die Frage was das Ziel der Politik oder Notenbanken ist - die werden immer
ihre 3-6% Inflation anstreben. Die Frage ist ob es gelingen wird die deflationären Kräfte (Kreditausfall, schrumpfen
der Geldmenge, Sparbestrebung etc) auszuhebeln. Wenn ich mir die Assetpreise anschaue und was an Zahlen so
herauskommt, dann bin ich zuversichtlich. Auf der anderen Seite stimmt es mich bedenklich wenn ich mir die
Sparquote der Amerikaner vor Augen führe.
Wenn die US-Bürger Ihrem Way of Konsum auf Kredit abschwören - sich die Finger zu sehr an der Kreditblase
verbrannt haben - dann könnte das eine Generation zum Umdenken bewegen... und wenn das schneller passiert
als sich die US-Phantom-Konsum-Wirtschaft wieder zu einer produktiven/Export-orientierten umfunktionieren
kann, dann ist Feierabend! Dann haben wir eine lange Phase der Stagnation vor uns, mit leicht fallenden Preisen.
Also die (Hyper)inflation sehe ich in den nächsten 10 Jahren nicht. Ich wüsste nicht woher der Preisdruck
kommen sollte. Überalterte Gesellschaft, ausuferndes Krank(en)system, Alterspyramide, Rohstoff/Verteilungs-
kämpfe, Überbevölkerungsproblem etc... alles nicht wirklich gute Indikatoren für einen anstehenden Wirtschaftsboom.
Ganz im Gegenteil: Vor nicht langer Zeit war hier ein Artikel verlinkt indem Chinesen ausgerechnet hatten wie
lange sie für eine Wg. in China arbeiten müssen (zw. 87 und 250 Jahre). Finde leider den Link nicht. Worauf ich
hinaus will ist folgendes: In den 1950-1970ern konnte sich der normale Facharbeiter hier bei Daimler locker
ein kleines Häusschen kaufen (-> fast alle Häuschen auf dem ES Zollberg zeugen davon). Heute kenne ich keinen
Arbeiter der sich von seinem Geld (nicht vererbten) noch ein Haus kaufen kann. Nicht nur jede Wg. in München
Hamburg oder sonstwo sind zu teuer - imho sind in D der ganze Immobilienmarkt überbewertet. Und nicht nur
weil es in diesem Land eher bergab als bergauf geht und immer mehr alte Menschen bald "Platz" machen dürften.
Insofern würde ich zur Zeit schon etwas Cash halten. Wenn QE die Deflation nicht verhindern kann, dann
würde ich bei niedrigen Preisen vom Mieter zum Eigentümer. Etwas Gold würde ich in jedem Fall halten, da
man nie weiss was die Zukunft bringt (Bargeldbeschränkungen, neue Steuern etc - Gold = anonym = sicher).
Wer will schon Erbschaftssteuer zahlen - da vererbe ich lieber meine Münzsammlung XD
Ein guter Zeitpunkt zum Nachkaufen ist ja auch nicht schlecht.