Ich war einige Wochen im Urlaub und stelle fest, nicht viel verpaßt zu haben. Zur Nach- und Einarbeitung führe ich eine alte Analyse fort. Nachfolgend der aktualisierte Chart:

Ich hatte folgende Erwartung aufgestellt: Wenn i) die mittelfristge Ebene nach unten verlassen wird (rot gestrichelt) und damit auch ii) der langjährige Aufwärtstrend gebrochen wird (blau gestrichelt), dann iii) erfolgt ein Ausverkauf an die 1.125.
Mittlerweile wissen wir, daß i) und ii) eingetroffen sind, aber iii) nicht eingetreten ist. Es gab einen Ausverkauf durch die Unterstützungen hindurch (rot eingekreist); dieser stoppte aber unvermittelt bei 1.160. Eine ernstzunehmende Korrektur des Abwärtstrends gab es aber auch nicht; die Gegenbewegung stoppte nach $50 Gewinn und hängt seitdem in dem jüngsten grauen Bereich zwischen den beiden Widerständen fest. Ich sehe für dieses seltsame Verhalten folgende Erklärungsmöglichkeiten:
a) Der graue Bereich ist eine stille Korrektur des Abwärtstrends. Das würde bedeuten, daß kurzfristige Shorts eindecken während mittelfristig orientierte Shorts diese Positionen übernehmen. Dies wäre trendbestätigend, würde nach Abschluß der Seitwärtsphase also weiteres Potential nach unten eröffnen. Der vorherige Ausverkauf sowie die aktuellen CoT-Daten unterstützen diese Interpretation zur Zeit nicht.
Wahrscheinlicher würde dieses Szenario erst, wenn sich der CoT wieder verschlechtert, indem z.B. die Commercials wieder short gehen, ohne daß der Goldpreis vorher angestiegen ist. Ein Herausfallen aus dem Bereich 1.187-1.215 wäre ebenso offensichtlich.
b) Es gibt liquide und geduldige Käufer, die versuchen den Markt über 1.190 zu halten. Unter 1.200 scheinen große Bids zu liegen, aber man verzichtet (noch) auf Anschlußkäufe über 1.200. Man beachte z.B. das Ereignis vom Freitag, als während einer Minute ein Umsatz von $1.2 Mrd innerhalb von $15 genügend Käufer gefunden hat. Gold für $1.2 Mrd kauft man nicht zum Spaß auf; das dürfte den spontanen Verkäufer überrascht haben. Das sieht für mich eher danach aus, daß nun versucht wird, neue und damit zu spät kommende Shorts ins Leere laufen zu lassen und letztendlich zu schröpfen. Anderenfalls wäre es kräftiger nach unten gegangen. Die aktuelle CoT-Struktur deute ich auch so. Ebenso die Reaktion im Silber, das den Ausverkaufsversuch noch besser wegsteckte.
Zusammenfassung: Nach Phasen geringer Volatilität kommen auch wieder höhere Schwankungen. Die letzte Tageskerze lag fast komplett innerhalb des sich weiter zuziehenden Bollingerbands (nicht eingezeichnet). Eine Tagesbewegung über $50 würde mich nicht überraschen; nach oben ist für mich per Stand heute wahrscheinlicher als nach unten. Ein Aufspringen in bzw. Absichern gegen die anlaufende Bewegung dürfte ohne große slippage nicht möglich sein. Entweder man ist jetzt bereits positioniert und liegt dann richtig oder falsch, oder man bleibt komplett draußen. Beides ist legitim; ich versuche die long-Variante.
Euch allen viel Erfolg!