Spannende Diskussion! Ihr beide bringt Argumente, die ich nachvollziehen kann.
Es ändert trotzdem nichts an dem Umstand das zuviele Schulden im System sind die auch bei einem Wirtschaftsboom nicht von heute auf morgen abgebaut werden können. Frag mal in Japan nach, die Versuchen das seid 30 Jahren ziemlich erfolglos. Solche Szenarien mit echtem Schuldenabbau gab es in der Geschichte extrem selten und wenn nur von kurzer Dauer.
Man wird nicht umhin kommen eine der folgenden Szenarien durchzumachen:
A Unparitätische Währungsreform
Technisch:
Die schnellste, einfachste und gerechteste Methode ist die
unparitätische Währungsreform. Es werden Löhne, Preise, Mieten 1:1 und
Vermögen und Schulden 10:1 in neues Geld getauscht. Da der
Kapitalkoeffizient zur Zeit bei etwa 3,25 liegt, wäre der dann nur noch
0,35. Zum Beginn des Wirtschaftswunders lag er in der BRD bei 0,3. Und
um die Sache rund zu machen, führt man am besten gleich noch ein neues
Geldsystem ein, dass einen unmäßigen Anstieg des Kapitalkoeffizienten in
den nächsten Jahrzehnten per Konstruktion vermeidet (z.B. sog.
Schwundgeld).
Politisch:
Das Problem ist natürlich die politische Durchsetzungsfähigkeit. Jeder
Politiker, der das Problem so direkt angeht, riskiert nicht nur seine
Karriere, sondern sicher auch sein physisches Leben. Denn Kapitaleigner
reagieren ausgesprochen allergisch auf nominell kleinere Zahlen auf
ihren Konten. Da hilft es auch nicht, den Kapitaleigner klar machen zu
wollen, dass 1 Milliarde schlechter Euros bei weitem nicht so reich
machen wie 100 Millionen guter NeuEuros. Soviel Mut will man von keinem
Politiker wirklich verlangen. Helden sind selten.
B Galoppierende Inflation
Technisch:
Eine rasante Inflation ist ein Effekt, der früher oder später auch von
selbst kommt. Inflation führt zum Anstieg aller Preise und damit zu
einem nominellen Anstieg des BIP auch im Verhältnis zum Kapitalstock.
Der Kapitalkoeffizient sinkt im gleichen Maße, wie der effektive Wert
von Vermögen und Schulden.
Politisch:
Insbesondere im Falle einer Hyperinflation geht das aber nicht ohne
Chaos ab. Denn so schnell wie die Preise dann steigen, können die
Einkommen nicht mithalten. Bis zur fälligen Währungsreform verhungern
daher reihenweise die Menschen der unteren Schichten. Kriminalität und
Revolten sind unvermeidlich. Da man dafür aber im Prinzip 'nichts' tun
muss, wird es als der gangbarste Weg angesehen. Denn das können wir
perfekt.
C Banken pleite gehen lassen
Technisch:
Eine Maßnahme, die man 1929 machte. Das war durchaus vernünftig, zumal
man damals in den USA diese Maßnahme damit flankierte, dass man das als
so schädlich erkannte Investmentbanking unterband. Der
Kapitalkoeffizient geht dadurch zurück. Das Gesetz dazu wurde allerdings
zunehmend ausgehölt und in den 1990er Jahren endgültig aufgehoben, und,
den Salat haben wir jetzt. Bankenpleiten sind natürlich auch nicht
schmerzlos, lassen sich aber durch geeignete Maßnahmen, etwa eine
Entschädigung für Kleinanleger und staatliche Kredite für geschädigte
Unternehmen der Realwirtschaft, abfedern.
Politisch:
Hat man sich heute das Gegenteil andrehen lassen. Statt all die
riskanten Assets, Schulden und Vermögen einfach den Bach runter gehen zu
lassen, was den Kapitalkoeffizienten nachhaltig senkt, hat man aus
diesen privaten Schulden nachhaltig noch schlimmere öffentliche Schulden
gemacht. Wie schnell eine Erholung funktioniert, wenn man Pleite Pleite
sein lässt, anstatt private Schulden zu sozialisieren, zeigt Island:“...Island
war eines der ersten Opfer der Finanzkrise: Der Bankensektor des Landes
brach 2008 zusammen. Der einst als einer der reichsten und sichersten
Länder der Welt geltende Inselstaat stand kurz vor dem Kollaps. Doch
nach dem tiefen Fall arbeitet sich der Staat in beeindruckender
Geschwindigkeit wieder nach oben. ….2011 soll die Wirtschaft des Landes
um 2,2 Prozent wachsen, für 2012 werden 2,9 Prozent prognostiziert. Das
Budgetdefizit wird voraussichtlich 1,4 des Bruttoinlandsprodukts
betragen - deutlich weniger als in vielen EU-Staaten. ….Island hatte
den Staatsbankrott vor allem dadurch vermieden, dass es sich weigerte,
die Anleihengläubiger der Pleitebanken zu retten. Dies sorgt immer noch
für Spannungen mit einigen europäischen Staaten. Im April hatte Island
deshalb kurz davor gestanden, auch bei Moody's und S&P auf
Junkstatus zu rutschen. Die Insulaner hatten in einer Volksabstimmung
eine 5,6 Mrd. Dollar schwere Einigung mit dem Vereinigten Königreich und
den Niederlanden abgelehnt. Dabei ging es um Entschädigungen für
ausländische Kontoinhaber der Pleite gegangenen Landsbanki.“
Das alles zurück zu führen, das hieße Bad Banks entschädigungslos auflösen
und Garantien zurück nehmen, dass ist wohl kaum weniger einfach als die
Durchsetzung einer Währungsreform.