Tschonko
Für Dich zur Kurzinfo:
Ist zwar schon ein bisschen älter, aber sehr verständlich und übersichtlich:
Liebling der Rohstoff-Fonds – weil
Chinas Wirtschaft brummt, boomen
Eisenerz-Exporte des brasilianischen
Konzerns.
Die Companhia Vale do Rio Doce – kurz CVRD – ist als brasilianischer
Rohstoff-Konzern (rund 30.000 Beschäftigte) der
weltweit größte Exporteur von Eisenerz.
Die drei Kerngeschäftsfelder sind
• Bergbau (Minen),
• Logistik und
• Energiekraftwerke.
Nebengeschäft ist die Förderung von Gold, Bauxit, Kaolin,
Nickel, Kupfer und Pottasche.
CVRD wurde 1942 als staatliches Unternehmen gegründet
und ist seit 1997 börsennotiert.
Bergbau dominiert mit 70 % des Umsatzes
In 14 Bundesstaaten Brasiliens sowie in acht weiteren Ländern
werden Rohstoffe produziert und darüber hinaus wird
intensiv nach neuen Vorkommen gesucht. Auch hier liegt der
geographische Schwerpunkt eindeutig in Brasilien mit einer
Gesamtfläche von 9,8 Mio. ha, hinzu kommen im Ausland
weitere rund 400.000 ha.
Logistiksparte – ein lukratives Geschäft
Mit rund 11 % hat sich der Umsatz der Logistiksparte stabil
gehalten; profitiert von dem verstärkten Verkehrsaufkommen
infolge der guten Geschäftsentwicklung. Im dritten Quartal
2004 erwirtschaftete dieser Sektor einen Umsatz von 232 Mio.
US$, ein Plus von 45,9 % gegenüber 159 Mio. US$ im Vergleichsquartal
des Vorjahres.
Die in Eigenregie betriebene Logistiksparte verschafft CVRD
einen Wettbewerbsvorteil vor anderen Anbietern in Kanada
und Australien, die immer wieder mit logistischen Problemen
zu kämpfen haben.
Aluminium – stark im Kommen!
Von 2002 bis 2004 hat den stärksten Aufschwung die Aluminiumsparte
erfahren, deren Anteil von 5 % auf beachtliche
17 % am Gesamtumsatz geradezu explodiert ist.
Exploration wird intensiviert
Auch die Exploration neuer Rohstoffe kommt bei dem brasilianischen
Konzern nicht zu kurz. So wurde die Summe der
Explorationsausgaben von 36 Mio. US$ (2000) auf 78 Mio.
US$ in 2004 angehoben. Der größte Teil dieser Investitionen
entfällt mit rund 80 % geografisch auf Brasilien.
Fokus auf Kerngeschäfte ohne Ausweitung
der Neuverschuldung
In den vergangenen drei Jahren wurden im Umfang von rund
2,104 Mrd. US$ Unternehmen und Beteiligungen, die nicht
den Kerngeschäften zuzurechnen waren, abgestoßen und im
Gegenzug für insgesamt 2,361 Mrd. US$ Neuerwerbungen
durchgeführt. Bemerkenswert finde ich, dass neue Käufe fast
vollständig durch Verkäufe finanziert wurden und somit die
Nettoverschuldung nicht ausgeweitet wurde. Das ist ein weiteres
Indiz für ein verantwortungsvolles Management.
Eisenerz für die Stahlindustrie – gefragt wie
noch nie!
Der Heimatmarkt Brasilien ist der weltweit preiswerteste bei
Halbfertigprodukten von Stahl. Weltweit wächst die Produktion
von Rohstahl rasant, und die Preise haben in diesem Jahr
Rekordstände erreicht.
Chinas Nachfrage boomt
Nirgendwo auf der Welt steigt die Stahlproduktion schneller
als in China. Dieser Trend wird sich aller Wahrscheinlichkeit
nach noch auf Jahre hinaus fortsetzen. So wird die Produktion
von Stahlendprodukten in China von 2003 auf 2004 um
weitere 7 % auf 295 Mio. Tonnen zulegen und nach vorläufigen
Schätzungen in 2010 385 Mio. Tonnen erreichen.
Im Vergleich dazu wird die Produktion in der restlichen Welt
2004 von 631 auf voraussichtliche 654 Mio. t (+ 4 %), 2005
auf 668 Mio. t (+2 %) und bis 2010 auf dann 705 Mio. t
(+ 6 %) zunehmen – im Vergleich zum Boom im Land der
Mitte bescheidene Zuwächse.
Ich gehe davon aus, dass allein auf China rund 75 % des
Zuwachses an Wachstum in der Stahlproduktion im Zeitraum
von 2004 bis 2010 entfallen werden.
CVRD profitiert vom chinesischen Hunger
nach Eisenerz
Eisenerz dominiert die Geschäftsaktivitäten von CVRD mit
einem Anteil von derzeit rund 65 % am Gesamtumsatz.
Der Stahl-Boom führt für den größten Eisenerz-Exporteur
CVRD zu hervorragenden Absatzchancen bei diesem Rohstoff.
So stiegen die Umsätze nach China im Zeitraum von
1998 bis 2003 jedes Jahr um durchschnittlich 34,8 %.
Dabei kommt den Brasilianern zugute, dass sie schon seit
mehr als 30 Jahren Eisenerz nach China exportieren und damit
längst traditionelle Handelspartner sind. Eine Niederlassung
in China besteht seit 1994. Darüber hinaus gibt es eine strategische
Allianz mit dem chinesischen Stahlunternehmen Baosteel.
Nach China ist Japan Hauptabnehmer für den inzwischen
begehrten Rohstoff.
Wie gefragt Eisenerz aus Brasilien ist, zeigt auch, dass der
südkoreanische Stahl-Konzern POSCO soeben einen langfristigen
Liefervertrag mit CVRD abgeschlossen hat. Danach
wird CVRD bis März 2015 für 2,1 Mrd. US$ rund 100 Mio.
Tonnen Eisenerz liefern.
Langfristige Verträge sichern hohe Gewinne
Charakteristisch für den Eisenerzmarkt ist, dass er von langfristig
abgeschlossenen Verträgen dominiert wird. Der Preis
für Eisenerz wird nicht – wie bei anderen Rohstoffen oft üblich
– jährlich neu ausgehandelt, sondern auf Jahre hinaus festgelegt.
Damit sind hohe Preisschwankungen ausgeschlossen.
Die im nächsten Jahr fälligen Verträge werden aber mit einem
voraussichtlich 15 bis 20 % höheren Preisniveau kalkuliert.
Damit wird über neue Verträge längerfristig ein höherer Eisenerz-
Preis festgelegt.
Auch ein wichtiger Player im Mangan-Markt
In dem weltweit rund 6 Mio. t umfassenden Mangan-Markt
deckt CVRD 18 % der Umsätze ab, nur noch übertroffen mit
einem Marktanteil von 29 % durch BHP. Alle anderen
großen Anbieter haben geringe Marktanteile wie Eramet mit
15 %, Assmang mit 9 % und Ghana Mining mit 6 %.
Aluminium am stärksten ausgeweitet
Auch dem Rohstoff Aluminium wird eine steigende Nachfrage
prognostiziert. Nach 27,3 Mio. t in 2004 wird mit einem
Nachfrageanstieg auf 35 Mio. t in 2008 gerechnet und damit
ein solides Wachstum von rund 5,1% jährlich geschätzt.
Auch hier wird China der weltweit größte Importeur dieses
Rohstoffs werden. Von weniger als 2 Mio. t im Jahr 2000 über
die Marke 5,6 Mio. t in 2003 werden in 2008 die China-Exporte
an Aluminium dann geschätzte 7,1 Mio. t erreichen.
Landrechte für mehr als 11 % der weltweiten
Bauxit-Reserven
Auch am Rohstoff Bauxit besitzt CVRD umfassende Abbaurechte,
die etwa 11 % der derzeit weltweit bekannten Reserven
ausmachen. Gut positioniert ist der Konzern hier insbesondere
in Paragominas, dem größten Bauxit-Distrikt Brasiliens.
So steht es um die größten Explorationsprojekte
Im Kupfersektor ist das Projekt 118 im Bundesstaat Carajas
am weitesten fortgeschritten. Hier liegt eine Durchführbarkeitsstudie
seit Ende Mai 2004 vor. Der Übertageabbau soll
in der zweiten Jahreshälfte 2007 beginnen. Hier liegen Kupferreserven
von 0,9 % pro t, bezogen auf 64 Mio. t Erz. Hinzu
kommen das Brucutu-Eisenerz-Projekt ab 2006, Fabrica
Nova (2007), Itabira (2006), Taquari-Vassouras (Pottasche-
Mine, Ausweitung ab 2005) sowie Alunorte (2006).
Das erste Nickelprojekt von CVRD ist Niquel do Vermelho.
Dort liegen Reserven von 218 Mio. t Erz zu je 1,77 % Nickel,
ferner Kobalt-Vorkommen. Auch hier ist ein kostengünstiger
Übertageabbau möglich. Die Durchführbarkeitsstudie wird
im März 2005 erwartet, der Produktionsbeginn für das erste
Halbjahr 2008.
Das Paragominas-Projekt wird ab Ende 2006 Aluminium fördern
und zudem 9 Mio. t Bauxit pro Jahr.
Forcierung der Kupferproduktion
Den derzeit bei 65 % am Gesamtumsatz liegenden Anteil der
Eisenerzproduktion plant CVRD bis zum Jahr auf 2010 auf
55 % zu senken, um neben der Produktion von Aluminium
zur Diversifizierung den Sektor Kupferförderung zu forcieren.
So stellt sich der Konzern mit mehreren Standbeinen
sicherer auf.
Kupferprojekte – mit darüber hinaus geringen Goldvorkommen
– sind Salobo (Durchführbarkeitsstudie kurzfristig), Alemao
sowie Cristalino (Vor-Durchführbarkeitsstudien Ende
2004/Anfang 2005).
Diese Diversifizierung ist allerdings
nicht vorrangig, da CVRD hervorragend am Eisenerz
verdient.
Beteiligungen an Stahlwerken sollen Einfluss
sichern
An großen Stahlschmieden in Brasilien hat sich CVRD mit
ThyssenKrupp und der chinesischen Baosteel zu 20 % beteiligt
und beeinflusst so seine Erznachfrage im Inland.
Konservative Finanzpolitik unterstützt die
Wachstumsstrategie
Die finanzielle Basis von CVRD ist solide. Es handelt sich
um das einzige brasilianische Unternehmen, das eine 30-Jahres-
Anleihe am Kapitalmarkt platzieren konnte. Die Rating-
Gesellschaft Moody‘s gab ein „Ba1“, Fitch ein „BB-“. Beide
Einstufungen sind besser als die des Staates Brasilien, was
eindrucksvoll die Bonität des Konzerns unterstreicht.
Unabhängig davon versucht CVRD, ein noch besseres Rating
hin zum Investmentgrade zu erreichen. Diese Bemühungen
halte ich für sinnvoll, denn eine höhere Bewertung senkt die
Kapitalkosten über niedrigere Zinsen und schafft damit einen
weiteren Wettbewerbsvorteil.
Neue Rekordgewinne von plus 101% im
dritten Quartal 2004!
Für das dritte Quartal 2004 berichtet CVRD einen neuen
Gewinnrekord von netto 943 Mio. US$ oder umgerechnet 0,82
US$ je Aktie. Das ist ein Plus von beachtlichen 101,5 %
gegenüber dem Vorjahresquartal (468 Mio. US$) bzw. ein
Anstieg um 87,1% im Vergleich zum zweiten Quartal 2004.
Für die ersten neun Monate 2004 ergab sich ein Nettogewinn
von 1,852 Mrd. US$, verglichen mit 1,278 Mio. US$ im Vergleichszeitraum
des Vorjahres. Der Umsatz erreichte in dieser
Zeit 6,051 Mrd. US$. Damit wird auf Jahresbasis die Marke
von 7 Mrd. US$ überschritten worden sein.
Auch der operative Gewinn (adjustierter EBIT-Gewinn) entwickelte
sich höchst erfreulich und erreichte mit 886 Mio.
US$ einen neuen Höchststand im dritten Quartal 2004. Dies
entspricht einem Plus von 76,9 % gegenüber dem dritten Quartal
2003. Der Cash-flow stieg um 59,8 % auf 1,007 Mrd. US$.
Diese höchst positive Geschäftsentwicklung ermöglichte die
Ausschüttung einer Dividende von 0,68 US$ in 2004, ein Plus
von 15,7 % gegenüber dem Vorjahr.
Runter mit der Verschuldung!
Die langfristige Verschuldung konnte von 3,455 Mrd. US$ zum
30.6.2004 auf 2,479 Mrd. US$ am 30.9.2004 und damit von
24 % auf 16 % des Unternehmenswertes reduziert werden. Die
Eigenkapitalquote erreichte am 30.9.2004 rund 45 %. Die
Eigenkapitalrendite stellt sich für die zurückliegenden zwölf
Monate auf 32,7 %. Das sind selbst für erfahrene Value-Investoren
ungewöhnlich gute Werte!
Bei weiterhin derart sprudelnden Gewinnen kann der Rohstoff-
Konzern auf Sicht von etwa zwei Jahren sogar schuldenfrei
sein.
Großaktionär ist der Staat
Der Staat Brasilien hält unmittelbar und über seinen Pensionsfonds
Previ 60 rund 60 % des Aktienkapitals an CVRD.
Der Rest von 39,6 % ist im Streubesitz.
Massives Investitionsprogramm bis 2010
Zur Zukunftssicherung beabsichtigt der brasilianische Rohstoff-
Gigant, bis 2010 rund 8,5 Mrd. US$ in die Erschließung
neuer Rohstoffvorkommen zu investieren. Wichtig ist, dass
der staatliche Großaktionär diese Investitionen aufgrund kurzfristiger
Betrachtung nicht bremst.