Nach dem klassischen Sell of von letzter Nacht im asiatischen Handel habe ich heute das erste mal eine selbstragende technische Gegenreaktion im euro-usd handel gesehen. Diese war stark genug, dass charttechnische Signale generiert wurden, die euro-shorter zum aussteigen bewegen könnten.
Da auch Gold immer noch überkauft ist (erkennbar an den schnellen Gewinnmitnahmen der Trader), kann es gut sein, dass Gold auch in Euro nochmal nennenswert zurücksetzt.
Am Freitag vor dem 750-Mrd-Bailout-Paket stellten Anleger weltweit 1 Billion euro-Anleihen zum Verkauf.
Vermutlich wird dieses Ereignis nie so bekannt werden wie die Lehman-Pleite,
aber die Flucht aus Staatsanleihen am Freitag - und das Monetisieren der
Staatsanleihen am Montag wird vermutlich in rückwärtiger Perspektive als ähnliche Zäsur erkennbar sein.
Nachdem die Märkte ein paar Tage lang im Panik-Modus waren, müsste es nun noch einschneidendere Ereignisse geben.
Falls es diese nicht gibt, dann dreht auch bei gleichbleibend schlechter Lage die Stimmung ins Positive.
Falls es nicht zu einer virulenten Euro-Krise kommt, sollten Goldanleger, die erst seit April 2010 mit dabei sind,
aufmerksam bleiben und alle 1-2 Monate Positionen nachkaufen.
Ähnlich wie in den USA und GB wurde die Staatsschuldenkrise abgewendet - um den Preis einer Aufblähung der Geldmenge.
Im März 2010 veröffentlichte Trichet einen Aufsatz in der FAZ, indem er auf einen deutschen Ökonomen der 50er jahre hinwies,
der nachwies, dass Angebot- und Nachfrage nur unter den Bedingungen stabilen Geldes funktionieren.
Wenn die Währung nicht stabil ist, dass funktioniert das System von Angebot und Nachfrage fehlerhaft und generiert Fehlentwicklungen.
eine dieser Fehlentwicklungen kann kann man derzeit z,B. beim Erdöl sehen:
ein Teil der Investoren findet es sicherer Erdöl-Positionen zu besitzen, als Geld zu besitzen: obwohl die Erdölversorgung sehr gut ist
und zahlreiche Kenner von einer Erdölschwemme bei niedriger Nachfrage sprechen.
auch ein Crack up boom kann so eine Fehlentwicklung sein, d.h. Menschen lösen ihre Ersparnisse auf,
da sie nicht an die Sicherheit des Geldes glauben und hamstern Waren.
Das löst einen Nachfrageüberhang und Teuerung aus.
Der Kapitalismus ist ein widerstandsfähiges System: was passiert, wenn sein zentrales Steuerungsinstrument, das System von Angebot und Nachfrage gestört wird, darüber kann man nur spekulieren.
Die "Bild-Zeitung" hat nach Wochen heftigster Angriffe auf den Euro einen pro-euro-artikel geschrieben.
Zu Wort kamen nicht diskreditierte Politiker und Notenbanker, sondern Industrie-bosse von Exportunternehmen, die vom euro profitieren.
wenn es eine Konstante in der Politik der letzten 2 jahre gibt, dann die, dass ein Kampf gegen Symtome geführt wird (Banker-Boni, Spekulanten),
nicht gegen Ursachen (fractional reserve banking, exzessive Kreditvermehrung, Kredite an Finanzinstitutionen).
Falls es die Staaten wirklich ernst damit meinen, den Weg der Verschuldung zu beenden, wird eine Besteuerung der Bevölkerung einsetzen,
wie man sie noch nie gesehen hat.
Ich bezweifle das, aber es ist denkbar.
Der Weg über die Notenpresse ist weicher und subtiler: den Druck, den der Staat bei Steuererhöhungen aushalten müsste,
verschiebt der Staat dann auf die Anbieter von Waren und Dienstleistungen. Statt über Steuererhöhungen schimpft das Volk dann über teure Brötchen,
teures Benzin und exorbitante Versichungsprämien.
Auf Bloomerg sagte vor ein paar Tagen ein Analyst schön klar: die italienische Verschuldung ist zwar hoch, aber unkritisch,
da die Sparquote der italienischen Bevölkerung sehr hoch ist,
d.h. übersetzt: der Staat holt sich das Geld von den Ersparnissen der eigenen Bevölkerung.
Ein Blick in die Presse der 20er und 30er Jahre und vergangener Jahrhundert zeigt, wie erfindungsreich Gesetzgeber sein können.
Für beide denkbare Entwicklungen gibt es eine Antwort: Gold.
Anonym gekauftes Gold verschwindet für immer von der Bildfläche. Vergraben unter der Hütte vom Dobermann liegt es sicherer und anonymer als
auf einem Lichtensteiner Konto. Ganz legal.
Und Gold sichert gegen Inflation ab.
Es ist natürlich die Frage, wann die Inflation so stark wird, dass der Preissprung von 15-20% aus den letzten Wochen überholt wird.
Vor einem Jahr hat ein Vermögensverwalter auf nzz.ch ein Interview gegeben: nachdem er jahrlang Gold empfohlen hatte,
empfahl er nun Gewinne mitzunehmen. Der Goldpreis sei zu hoch, die Inflationserwartungen der Anleger seien übertrieben.
Das war beim Kurs von ca. 1050 dollar, damals etwa 730 euro pro Unze.
Viele, die in den letzten Wochen Gold gekauft haben, haben de Erfahrung gemacht, was es heißt, den Kursen hinterherzulaufen.
Vielleicht kommen wir nochmal in eine ruhigere Zeit in der man die eine oder andere Position günstig einkaufen kann.
Das wichtigste ist aber, die Positionen zu halten.
wer mit Gold spekuliert, der wird irgendwann einen Zeitpunkt finden müssen, an dem er verkauft.
Vielleicht ist dass, wenn auf Seite 1 der Bildzeitung täglcih der Goldkurs steht,
wenn die gesamte Verwandschaft über Gold redet, wenn alle verrückt nach Gold sind.
wer Gold als Absicherung haben will, der kann eigentlich erst wieder verkaufen, wenn Arbeit wieder mit stabilem Geld bezahlt wird,
wenn die Benzinpreise jahrelang stabil bleiben, wenn die Brötchen jahrelang fast den gleichen Preis haben,
wenn auch wertvolle Sachwerte wie Immobilien nicht im Preis steigen.
dann kann man Gold allerdings auch fast schon wieder bis zum nächsten Zyklus halten, der vielleicht in 30 oder 50 jahren losgeht.