Das Auf und Ab am Aktienmarkt wird derzeit fast immer mit den Vorgaben der Börsen in Shanghai und Schenzhen erklärt. Tatsächlich kommen viel größere Gefahren für die Finanzmärkte aus den USA. Dort wackelt der Rentenmarkt.
Der US-amerikanischen Fracking-Industrie geht es dreckig. Ein Fass der Erdölsorte WTI kostet nur noch rund 42 US-Dollar. Das sind fast 60 Prozent weniger als vor einem Jahr. Bei diesem Preisniveau kann kaum ein Produzent, der auf die vergleichsweise neue Fördertechnologie setzt, profitabel arbeiten. Zwar ist die Gewinnschwelle von früher rund 75 Dollar pro Fass mittlerweile auf ungefähr 50 Dollar gesunken. Der Ölpreis notiert aber immer noch fast 20 Prozent darunter. Da die Misere beim Ölpreis schon länger anhält, geht nach und nach immer mehr Unternehmen die Luft aus: Sie können fällige Schulden nicht mehr bedienen und bekommen keine neuen Kredite. Die Ausfallquote von US-Firmen mit schwacher Bonität ist nach Angaben der Ratingagentur Standard & Poors auf 2,2 Prozent gestiegen. Das hört sich nicht bedrohlich an. Es sind aber tatsächlich schon doppelt so viele wie vor 18 Monaten.
In diesem Jahr konnten bislang 68 Firmen ihre Zinsen oder Tilgungen nicht fristgemäß bedienen. Fast jeder dritte säumige Gläubiger kommt dabei aus dem Öl- oder Zuliefererbereich. Das könnte der Anfang einer noch wesentlich heftigeren Pleitewelle am Anleihemarkt sein. Experten prognostizieren einen Anstieg bei der Ausfallquote auf 3 bis 3,5 Prozent bis zum kommenden Frühjahr. Die Aussichten sind düster. Anleger am Anleihemarkt werden bereits unruhig.
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Kehrt der Iran auf den Weltmarkt zurück, wird der Ölpreis laut Weltbank noch einmal um zehn Dollar pro Barrel fallen. Der Rechnung liegt die Annahme zugrunde, dass der Iran täglich eine Million Barrel Öl zusätzlich auf den Markt spülen wird. Andere Quellen erwarten weniger: BCA Research zum Beispiel geht von 500.000 Barrel pro Tag aus, die in den Export fließen werden. Angenommen, der Ölpreis sinkt doch noch einmal um zehn Dollar pro Barrel, würde dies im Vergleich zu den aktuellen Preisen einen weiteren Rückgang um gut 20 Prozent bedeuten.
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Der feste Dollar werde andererseits für die US-amerikanischen Fracking-Unternehmen zum Fluch, denn deren Kosten sind in harten US-Dollars und damit nicht so günstig wie die im abgestürzten Rubel oder Real. "Die Frage ist, wer hält es jetzt am längsten aus?", so Hagen. Sinken die Preise weiter, werden weitere Unternehmen auf der Strecke bleiben. Wo genau für wen Schluss ist, ist jeweils unterschiedlich - abhängig von laufenden Förderkosten.
Ein Problem haben die meisten jungen Fracking-Unternehmen jedoch gemeinsam: Im Unterschied zu den traditionellen Wüstenölbohrern tanken sie überwiegend Geld am Kapitalmarkt. Mit der wachsenden Nervosität in der Branche steigen auch die Renditen am Anleihemarkt. Die Renditeaufschläge von US-Energiefirmen mit schwacher Schuldnerqualität sind im Vergleich zu US-Staatsanleihen bereits auf 9,2 Prozentpunkte gestiegen. In den vergangenen 14 Monaten haben sie sich damit mehr als verdreifacht.
Der gesamte Markt für Junkbonds droht hiervon in Mitleidenschaft gezogen zu werden. Mit insgesamt 1,7 Billionen Dollar ist dieser Markt alles andere als ein Leichtgewicht. Überall müssen für das höhere Risiko, das die Anleger eingehen sollen, höhere Zinsen gezahlt werden. Die Kreditrisiken sind zurück ins Bewusstsein der Anleger gekehrt. Experten warnen bereits, dass diese Welle Euroland erfassen könnte. Es lohnt sich deshalb, nicht nur China und Griechenland im Blick zu behalten.