Zunächst muss man feststellen, dass wir immer noch viele Produkte in alle Welt exportieren - und zwar zum großen Teil höchstwertige Technik.
Ein in Deutschland ausgebildeter Ingenieur mit Diplom oder Master zählt im Durchschnitt immer noch weltweit zu den Besten.
Unser Problem sind Großprojekte, die derzeit zu oft in die Hose gehen. Warum? -
Die Mehrheit der Bevölkerung ist satt und will nur ihren Besitz wahren. Wenn jemand in einem Land ohne ausgiebige Sozialhilfe arbeitslos ist, wird er sich bei dem geplanten Bau eines Wolkenkratzers, einer Talsperre, eines Flughafens, eiern Autobahn oder was-auch-immer nur zu gern beteiligen - und nicht groß nach Sinn, Ethik und Nachhaltigkeit fragen oder eine Bürgeriniatitive dagegen gründen. Dies ist nicht meine zynische Forderung nach mehr Not und Abhängigkeit bei uns, sondern eine nüchterne Beschreibung der Folge unseres allgemeinen Wohlstands. Ich sage "allgemein", weil auch ohne Hungersnot größere soziale Unterschiede (z.B. Geld, Ansehen) ebenfalls eine Triebfeder sind. Sehr viele Ingenieure kommen aus einfachen Verhältnissen, wo die Kinder nicht Medizin oder Jura studieren. Aber wir haben das Ansehen eines Maschinenbauers oder Elektrotechnikers gegenüber einem smarten Manager oder selbst einem einfachen BWLer heruntergezogen.
Eine weitere Triebfeder wäre das des Unternehmertums. Aber auch hier sind wir sehr verschämt. Wer stellt sich denn hin und sagt offen, dass er ein Projekt nicht etwa aus soziokulturellen Gründen möchte, sondern um mit seiner Idee Marktherrschaft zu erobern und Kohle zu verdienen, und zwar je mehr desto besser!?
Bezeichnend ist auch, dass wir zwar immer noch große Maschinen exportieren, aber im Bereich der Elektronik alles - vom PC, über das Handy zum TV - importieren. Hier fehlt uns m.M. unter anderem die Verspieltheit und der Mut, bei Ideen statt eines "warum?", besser ein "warum nicht?" gelten zu lassen.
Ich stelle mir gerade vor, wie eine Pathos-Rede à la JFK im Mai 1961 zur Raumfahrt ("... vor Ende dieses Jahrzehnts einen Menschen zum Mond ...") heute in den deutschen Sesseln ankäme... Ich vermute etwa mit "Was sollen wir denn da?", "Ist das nicht zu gefährlich", "Wird der böse Mensch nicht den noch unbefleckten Mond verändern?" und natürlich "Was das kostet!"
"Energie" wäre vielleicht heute ein ähnliches Mega-Thema, aber nur, wenn man es zugleich visionär und konkret proklamieren würde - aber selbst dieses Thema ist in kurzer Zeit verkommen zu Statistiktricks, Subventionsgerangel und Verwaltungsvorschriften.
Na ja, ich räume auch ein - Merkel und Kennedy sind vielleicht vom Typus etwas anders.
GOLD-BOB