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ZitatAlles anzeigen07:27
Kampfansage an Nahrungs-Spekulanten
Experten befürchten durch steigende Lebensmittel-Preise schwerwiegende Folgen für die ärmsten Länder der Welt
Agrarministerin Ilse Aigner will Preisschwankungen für Agrarrohstoffe an den Börsen mit strikten Regeln begrenzen
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Hilfsorganisationen fordern mehr Investitionen in die Landwirtschaft von Entwicklungsländern
Die Meldung kommt unscheinbar daher. Mais sei erneut teurer geworden, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters zu Beginn dieser Woche. Ein Scheffel Mais - das sind etwa 35 Liter - koste im Termingeschäft in den USA jetzt etwas mehr als 7,80 Dollar. Das sei so viel wie noch nie. Auch in China werde Mais so hoch gehandelt wie seit sieben Wochen nicht. Infolgedessen sei auch Weizen wieder teurer geworden.
Die Meldung wirft ein Schlaglicht auf eine Entwicklung, die sich schon seit mehr als einem halben Jahr vollzieht: Nicht nur die Preise für Mais und Weizen, sondern für fast alle Getreidesorten sind inzwischen auf lange nicht gekannte Höhen geklettert. Viele andere Nahrungsmittel wie Milchprodukte, Schweinefleisch und Sojaöl sind ebenfalls teurer geworden. Der "Food Price Index", der laufend von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) berechnet wird, hat zuletzt ein Rekordhoch erreicht. Allein bei Zucker scheint sich der Trend wieder umzukehren. Experten warnen bereits vor einer Nahrungsmittelkrise wie es sie 2008 schon einmal gab.
Die Ursachen für die Preissteigerungen sind vielfältig. Das Angebot von Agrarrohstoffen ist von Art und Umfang der weltweiten Ackerflächen abhängig, von den Sorten und nicht zuletzt vom Wetter. Die Nachfrage dagegen wird längst nicht nur von der wachsenden Weltbevölkerung und deren wechselnden Ernährungsgewohnheiten beeinflusst. Der hohe Ölpreis löst ein wachsendes Interesse an Energie liefernden Pflanzen auslöst. Als weiterer Faktor kommt das Geschehen an Rohstoffmärkten hinzu. Investitionen in Agrarrohstoffe und in Spekulationsgeschäfte damit sind in Zeiten niedriger Zinsen beliebt. Entwicklungsorganisationen wie die Welthungerhilfe machen die Anleger dafür verantwortlich, dass die Preise für Grundnahrungsmittel steigen. Am Ende dieser Woche werden sich die Finanzminister der der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer, der G 20-Staaten, mit dem Thema befassen. Schon am heutigen Mittwoch wollen die Präsidentin der Welthungerhilfe, Bärbel Dieckmann, Agrarministerin Ilse Aigner (CSU) und Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) auf die Problematik hinweisen.
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Das alles löst freilich nicht die Frage, welchen Einfluss Finanzspekulationen auf die Nahrungspreise haben und wie dieser Einfluss möglicherweise begrenzt werden kann. Eine Studie im Auftrag der deutschen Welthungerhilfe kommt zu dem Schluss, dass das Engagement von Kapitalanlegern das Preisniveau bei Weizen, Mais, Reis sowie Soja um rund 15 Prozent nach oben getrieben hat. Wegen dieser Teuerungen seien in den Entwicklungsländern Millionen von Menschen zusätzlich durch Unterernährung bedroht, schreibt der Bremer Ökonom Hans Bass. Andere Experten sehen das anders. Aus Kreisen des Bundesfinanzministeriums heißt es, aus den bisher vorliegenden Studien zum Thema werde noch nicht klar, ob der Zusammenhang zwischen der Preisentwicklung auf den sogenannten Primärmärkten, wo Waren physisch gehandelt werden, und dem Geschehen auf den Derivatemärkten, also den Märkten für Finanzprodukte, tatsächlich gegeben sei.
Vor allem die aus der Agrarlobbypartei CSU stammende Frau Aigner schimpft auf "die Spekulanten" ... das klingt chique und PC, auch wenn es ebenfalls die totale Heuchelei ist ... .
Und es ist so revolutionär ethisch!
Nun gut, von mir aus gerne. Ich bin auch Ethiker! ... Interessant ist hier aber noch was anderes ... Demnach sieht es nämlich so aus, als bekämen die Rohstoffinvestoren weltweit Gegenwind von Staatsseite (hier die G 20), - und ein dankbarer Sektor für das Erproben ernsthafter, interventionistischer Argumente ist da natürlich der Nahrungsmittelbereich, da lässt sich selbstgerecht am ehesten etwas unterbringen, was moralisch unterfüttert dann spätere Eingriffe wie Gold/Silberverbot etc. argumentativ problemlos adaptierbar erscheinen lässt* ... . Es lebe der Staatseingriff, - vor allem, wenn die Dinge dabei doch so klar liegen ... .
Meine Prognose: Die Kampfansage an "die" Nahrungs-Spekulanten ist der beginnende Aufbau der Argumente für eine Kampfansage an "die" Edelmetallspekulanten.
Ich selber würde vermuten, dass nach allem, was ich nun weiss, eher Bear-Zertifikate auf Mais Sinn machen dürften, wenn die Interventionen wirklich erfolgen.
Aber generell: solche Märkte mit solchen Diskussionen meide ich eher; sie sind unberechenbar. Deshalb hab ich auch vor Jahren aus Silber Gold in Palladium umgeschichtet ... !
Denn ein Gold/Silber-Verbot wird bei zunehmenden Preisen auch dort wahrscheinlicher ... schließlich haben die Weltwährungen ansonsten Konkurrenz.
Hmn. Dennoch der Versuch, etwas Positives zu erkennen: Eine letzte vermutlich in diesem Zusammenhang interessante Möglichkeit wäre noch, direkt Agrar-Aktienwerte aus Schwellen- und sogenannten Entwicklungsländern zu finden, - und mit so einem Investment zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Die Forderung der NGOs nach "mehr Investitionen in die Landwirtschaft von Entwicklungsländern" zu unterstützen - und gleichzeitig eine interessante Investmentmöglichkeit für sich zu erschließen ... .
Gruß,
gutso
PPS: *Jaaaa ich weiss, Silber und Gold sind keine Rohstoffe, sondern Währungen ... ach steigts mir doch den Buckel runter. ![]()