Die Grünen
Autor: Thomas Schmid| 12.04.2011
Revolution der schlaumeierischen Bremser
Erstmals übernehmen die Grünen eine Landesregierung. Die Zeit ist gekommen, die Realitätstauglichkeit der grünen Ideen und Ideologien zu testen.
Man soll Parteien weder hoch- noch niederreden. Dennoch ist es vielleicht Zeit für eine These: Seit den neuesten Wahlerfolgen der Grünen gehört die alte Parteienlandschaft der Bundesrepublik der Vergangenheit an. Die war, schien es, auf die politische Ewigkeit angelegt.
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Zweifellos hat die Natur Schaden genommen; zweifellos wurden Wunden geschlagen, zweifellos ist die Welt ungemütlicher geworden; zweifellos hat der Veränderungsprozess vielerorts eine Geschwindigkeit angenommen, die Menschen überfordert. Daher ist die Idee des Bremsens, des Rückbaus eine gute Idee. Wer mit ihr Politik machen will, muss allerdings wissen, was er sich da vorgenommen hat.
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Zwar ist der Mensch wirklich der Schmied seines Glücks; zwar stimmt es wirklich, dass der Mensch das, was er angerichtet hat, auch korrigieren kann. Allein deswegen hat die grüne Grundidee auch nur den Hauch einer Chance. Aber es ist evolutionär etwas völlig Neues.
Wer das will, greift dem Fortschritt in die Speichen. Das ist ziemlich viel für selbst eine Partei, die sich der 30-Prozent-Marke nähert. Wenn sie das tut, muss sie wissen, dass sie nicht Vollstrecker einer neu-alten Natürlichkeit ist, sondern sich gewissermaßen mit der Gesellschaftsgeschichte der vergangenen fünf Jahrhunderte anlegt.
Die Grünen sollen das wagen, wir können davon nur lernen. Doch muss die Partei diesen Prozess, auch in Regierungsverantwortung, als Suchprozess anlegen, bei dem Vor- und Umsicht geboten sind. Die Grünen zählen viele Lehrer als Mitglieder, auch daher hat die Partei einen stark schlaumeierischen, ja paukerhaften Zug.
Grüne belehren gerne
Grüne belehren gerne, sie überfordern gerne, sie neigen dazu, abweichende Meinungen – schon gar, horribile dictu, in der Atomfrage – in den Bereich des Unanständigen zu verstoßen. Bleiben sie bei dieser Haltung, könnten sie ihr Ansehen schnell wieder verspielen. Die Grünen müssen lernen, sich als normale, fehlbare Spieler auf dem politischen Spielfeld zu sehen und Fragen, nicht nur Antworten zuzulassen.