1.) Der Unfall selbst: Offenbar verhindert selbst in den schlimmsten Szenarien die Containment-Technik (Ummantelung) einen schwereren Unfall als in Chernobyl.
Hier ist in der Neuen Züricher Zeitung ein guter Artikel, der endlich die Knallgasreaktionen - aber auch die Zusammenhänge um das Wort "Kernschmelze" richtig einordnet!
http://www.nzz.ch/nachrichten/…im_reaktor_1.9870703.html
Kernschmelze bedeutet eben nicht gleich Atompilz! Chernobyl ist in Betrieb explodiert, das war heftiger! (In Japan wurde Stunden vorher abgeschaltet ... .)
Und Knallgasreaktionen als Nebeneffekte (kann mit aber auch schon ohne Kernschmelze bei Auftreten großer Energie auftreten!) sind zwär spektakulär, aber müssen noch nicht gleich das Containment zerstören und die Situation ernsthaft verschlimmern! Auch das ist wichtig und wird nicht klar, wenn man nur die Bilder von der Explosion in Fukushima sieht!
Allerdings wird jetzt um Japan viel mehr als um Chernobyl berichtet (freie Medien) und es leben auch deutlich mehr Menschen in der direkten Umgebung.
Andererseits wird deshalb auch wesentlich schneller und zielgerichteter reagiert, als in Chernobyl, wo erst mal NUR vertuscht wurde ... und die erste Zeit (ca. 2 Wochen) ist bei so einem Unfall sicher die wichtigste ... . (S. Zitat eins weiter unten.)
Alles in allem ist meine Sicht: Schlimm ist das alles, aber solange nicht weitere Reaktoren aufschmelzen und solange die Radioaktivität dabei nicht allzusehr in die Ballungsräume getragen wird, werden die Japaner die Sache in den Griff bekommen.
Langfristig geshen ist das alles dennoch gar nicht gut: Was soll mit den Reaktoren geschehen, mit Beton zugießen ist ja eigentlich auch nur eine Notlösung! Was wird mit dem Grundwasser, der Küste usw. ... Deckel drauf, Zaun rum und fertig!? - Wie es auch kommt, eine große, hässliche Narbe bleibt wohl für immer.
2.) Die Reaktion an den Märkten
Die Börse in Japan soll laut Reuters "normal" öffnen!
http://de.reuters.com/article/topNews/idDEBEE72C01C20110313
Zitat
(...) Das Ausmaß der Schäden war noch unklar, dürfte aber zweistellige Milliardenbeträge erreichen. Die japanische Notenbank will Medienberichten zufolge den Finanzmarkt in der mit umgerechnet mehreren Milliarden Euro stützen. Wie hoch die Belastungen für den japanischen Staatshaushalt sein werden, war zunächst unklar. Die Regierung erklärte, es stünden Haushaltsreserven in Höhe von umgerechnet 1,8 Milliarden Euro zur Verfügung. Die Börse in Tokio sollte am Montag wie normal öffnen.
Dann haben wir so ca. 2 Wochen prickelndes Gruseln vor uns, denn (ich zitiere von weiter oben):
Rund zwei Wochen lang würde dann radioaktive Partikel vor allem im gasförmigen Zustand wie etwa Cäsium und Jod in die Luft gelangen. "Danach hat man das Schlimmste überstanden."
Na, das ist doch mal ne Aussage, das bedeutet, man bekommt eine Vorstellung, wie lange die höchste Stufe der Brenzligkeit dauert. Zwei Wochen sind lang! In der Zeit werden die Börsen kaum steigen können.
Gold würde ich wohl eher im Aufwind sehen und Silber wird besonders interessant, denn:
fällt es, bedeutet das, dass es seinen monetären bzw. Sicherheits- Charakter ggü Gold in so einer Krise eben doch wieder einbüßt. Steigt es hingegen mit Gold, wäre das ein endgültiger Beleg, dass es seinen monetären Charakter wieder erlangt hat!
Hier noch ein paar Gedanken aus der Frankfurter Rundschau zu den wirtschaftlichen Folgen:
http://mobil.fr-online.de/cms/…view/asFitMl/-/index.html
Zitat
Wirtschaftliche Folgen des Bebens in Japan - Sinkender Ölpreis und billigere Rohstoffe - Frank-Thomas Wenzel
Der Ölpreis wird durch das Beben in Japan wohl sinken.
Die ohnehin nervösen Händler an den Rohstoffmärkten reagierten prompt. Der Preis für ein Fass der US-Ölreferenzsorte WTI sackte zeitweise um gut 3,2 Prozent auf knapp unter 100 Dollar. Japan ist nach China und den USA das Land mit dem weltweit drittgrößten Rohstoffbedarf. Die Ölnachfrage Nippons dürfte „zumindest vorübergehend niedriger ausfallen“, schreibt die Commerzbank in einer Analyse. Die ohnehin eingeleitete Korrektur könne nun verstärkt weitergehen.
Auch die Notierungen für Kupfer gaben merklich nach. Genauso wie die Terminkontrakte für Gummi. Dahinter steckt die Vermutung, dass Produktionskapazitäten in der japanischen Industrie ausfallen könnten und damit die weltweite Nachfrage nach Grund- und Rohstoffen sinkt.
(...)
Sony macht Fabriken dicht
Sony schloss vorübergehend sechs Werke, der weltgrößte Autohersteller Toyota machte drei Fabriken dicht und auch die Wettbewerber Honda und Nissan hielten die Bänder an.
Die Folgen für die japanische Volkswirtschaft und die globale Ökonomie lassen sich bestenfalls erahnen. Fest steht aber: „Naturkatastrophen wirken sich auf die Konjunktur unmittelbar aus“, sagt Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank. Die wirtschaftliche Aktivität gehe empfindlich zurück.
Längerfristig sei allerdings die Beseitigung der Schäden bestimmend. „Das führt zu einer starken Konjunktur unmittelbar im Gefolge der Naturkatastrophe, wenn die finanziellen Mittel vorhanden sind“, so der Volkswirt. Dieses Muster sei 2005 erkennbar gewesen, als Hurrikan Kathrina die US-Golfküste verwüstete. [Anmerkung: die entspricht dem weiter vorn im Thread schon erwähnten "Kobe-Effekt"]
Die Bank of Japan jedenfalls teilte mit, sie werde alles tun, „um die Stabilität der Finanzmärkte zu sichern und Liquidität bereitzustellen“. Es sei eine Arbeitsgruppe zur Beobachtung der Folgen auf die Banken gebildet worden.
Nach Ansicht von Experten ist vor allem ein Wiederaufbau-Programm für den Norden des Landes nötig. (...)
Allerdings ist der Staat vor allem im Inland verschuldet, was mehr Handlungsspielräume ermöglicht als bei vielen Gläubigern im Ausland. Große Infrastrukturprogramme könnten daher zu einer Kürzung der Renten führen.
Die Folgen für die deutsche Wirtschaft sind kaum abschätzbar. Der Handel zwischen beiden Ländern ist eher schwach ausgeprägt. Allerdings konkurrieren japanische und deutsche Firmen auf vielen Märkten. In beiden Ländern gehört die Automobilbranche zu den Schlüsselindustrien. Das Gleiche gilt für den Maschinenbau. Allein 19 Prozent der japanischen Ausfuhren gehen nach China. Das Riesenreich gewinnt auch für deutsche Unternehmen an Bedeutung. Volkswirte halten es für möglich, dass beispielsweise VW im Reich der Mitte mehr Autos verkauft, wenn Toyota nicht liefern kann.
Allerdings lassen sich Produkte nicht so einfach austauschen. Im Maschinen- und Anlagenbau ist es schwer vorstellbar, dass ein deutscher Anbieter kurzfristig etwa für einen hoch spezialisierten Japaner einspringt, der zudem noch zahlreiche Patente für bestimmte Apparate hat. (mit dpa)
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gutso
