Das Vertale an dieser ganzen Geschichte ist eher, das man sich zwar regelmäßig Zeit mit Geld erkauft aber schlichtweg nicht Willens oder fähig ist, an die Ursachen heranzugehen um diese zu korrigieren. Das Gefasel, das so ein klitzekleines popeliges Land mit gerade mal 11 Mio Einwohnern das gesamte Weltfinanzsystem bedroht ist doch ein Witz! Natürlich dürfen Länder pleitegehen, müssen sie auch wenn sie Bankrott sind. Abgesehen davon ist es für die Restländer vermutlich genauso günstig oder teuer direkt ihre Banken zu stützen. Es macht so wie es bislang abläuft allerdings wenig Sinn, da sich die Fehlsumme immer weiter aufsummiert.
Tja, da bin ich mittlerweile nachdenklich geworden. Wir werden die wahren Hintergründe zu unseren Lebzeiten wohl nie erfahren - oder allenfalls nach einer Revolution. Was man aber auch ohne detaillierte Einblick in die internen Abläufe mitbekommt, sind doch die Entscheidungen, die von Frau Merkel und dem Rest der Eurozone getroffen werden. Und daran kann man sich immerhin orientieren, um mögliche Szenarien gedanklich durchzugehen.
Ich glaube schlicht nicht daran, dass Frau Merkel und Co. nicht wissen, was sie tun. Ich glaube ebenfalls nicht daran, dass sie sich nicht längst dessen bewusst sind, dass im Falle Griechenlands eine Insolvenzverschleppung läuft. Und dass das alles zum Wohle des deutschen Volkes passiert (Amtseid!)? Vielleicht ist Frau Merkel davon wirklich überzeugt - immerhin möglich.
Warum also die Insolvenzverschleppung? Weil niemand mit Sicherheit sagen kann, welche Folgen ein Zahlungsausfall Griechenlands auf den Rest der Welt haben wird. So ein kleines Land? Ja! Weil es eben längst nicht mehr um das kleine Land geht, sondern nur darum, wer mit wem in welchem Umfang Wetten eingegangen ist, dass GR pleite geht oder eben nicht. CDS werden doch längst nicht mehr allein von denjenigen gehalten, die auch Staatsschulden Griechenlands auf der Hand haben.
Das nächste große Risiko sind die aufgelaufenen Ungleichgewichte im Target-System. Bricht die griechische Zentralbank zusammen (Staatsbankrott), dann werden die aufgelaufenen Salden gemäß EZB-Schlüssel von den anderen nationalen Notenbanken der Eurozone abgeschrieben werden müssen. Über den Daumen 600 Milliarden EUR kann allein die Bundesbank in die Waagschale werfen. Davon 27 % für den Steuerzahler in Deutschland. Die restlichen 63 % für die anderen ZB. Na? Welche davon macht dann als nächste die Grätsche?
Dann das Fiasko in Griechenland selbst: Argentinien ist ein mahnendes Beispiel, wie chaotisch und gewaltsam sich so ein Prozess der Neuordnung über Jahre abspielen kann. Russland ist ein zweites Beispiel.
Als Politikerin in Verantwortung und mit Blick auf eine mögliche Wiederwahl will Frau Merkel hier bestimmt lieber die leere Dose noch mal kräftig die Straße runtertreten, anstatt sich die Finger schmutzig zu machen. Wer würde das in ihrer Position nicht? 
Aus der jetzigen Situation gibt es keine einfache und gute Lösung. Es kann nur noch mit mehr oder weniger Schaden ablaufen. In so einem Szenario kann kein/ Politiker/in eine gute Figur machen - also darf es nicht sein. Derweil vergrößern wir jeden Tag die Fallhöhe für den kommenden Crash.